News | Mitbestimmung
07.12.2015

Mitbestimmung: GVS Betriebsrat kritisiert Unternehmensleitung

Bei dem Gemeinnützigen Verein für Sozialeinrichtungen (GVS) in Herdecke kriselt es. Sorgen bereiten dem Betriebsrat neben Problemen im oberen Management vor allem eine mangelnde Transparenz und fehlende Mitbestimmung. Geschäftsführung und Vorstand der Senioreneinrichtung hätten den „Kontakt zur Basis verloren“.

Pflegeeinrichtung für Senioren© drubig-photo /​ fotolia.com

Verluste in Senioreneinrichtungen und Kindergärten

Mitbestimmung. Der GVS betreibt in Herdecke die meisten Kindergärten und nahezu alle Pflegeeinrichtungen für Senioren. Im Kindergartenbereich fehlen ihm laut einem Bericht der „WAZ“ für das laufende Jahr 100.000 Euro. Weit höher seien die Verluste in den Senioreneinrichtungen. Um mehrere hunderttausend Euro im Vorjahr und im Jahr 2015 gehe es hier.

Betriebsrat bot Hilfe an

Immer wieder hatte der Betriebsrat der Geschäftsführung des GVS seine Hilfe angeboten, schreibt die Zeitung unter Berufung auf eine Stellungnahme der Mitarbeitervertretung zu den aktuellen Schwierigkeiten des GVS. Schon vor einem Jahr seien Vorstand und Aufsichtsrat der Senioreneinrichtungen „auf Problematiken im oberen Management hingewiesen worden“.

Betriebsrat wollte Kontakte vermitteln

Und im Februar dieses Jahres habe der Betriebsrat der Geschäftsführung angeboten, „bei finanziellen Engpässen frühzeitig auf den Betriebsrat zuzukommen, um Kontakte herzustellen für einen möglicherweise erneuten Notlagetarif“. Vor Jahren hätten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft schon einmal auf einen befristeten Sanierungstarifvertrag für den GVS einigen können.

GVS Geschäftsleitung schlug alle Angebote aus

Doch offenbar ohne greifbaren Erfolg. Die GVS-Geschäftsleitung hätte alle Angebote ausgeschlagen. Zudem lasse sie es an der erforderlichen Transparenz fehlen. Sie habe mittlerweile „den Kontakt zur Basis verloren“. Der Betriebsrat habe über viele Monate „alle betriebsverfassungsrechtlichen innerbetrieblichen Möglichkeiten zum Einfordern von Informationsrechten ergriffen.“

Vorstufe eines Verfahrens vor dem Arbeitsgericht

Ergebnis laut „WAZ“-Bericht: Aktuell befinde sich die Mitarbeitervertretung in der Vorstufe eines Verfahrens vor dem Arbeitsgericht. „Unsere Informationsrechte werden permanent missachtet“, so die Erklärung des neunköpfigen GVS-Betriebsrates unter Vorsitz von Jochen Ruscheweyh.

Hoher Krankenstand

Auch ein hoher Krankenstand sei schon Thema gewesen, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Aktuell begründe die Geschäftsführung damit Mehrkosten für Leihpersonal. Vorher sei in Frage gestellt worden, ob denn der Krankenstand überhaupt ungewöhnlich hoch sei. Entsprechende Überlastungsanzeigen würden „nicht ernst genommen“, zitiert der Bericht aus der Stellungnahme der Arbeitnehmervertreter.

Attraktivität des GVS als Arbeitgeber

Aus Sicht des Betriebsrates könne der GVS seine Attraktivität als Arbeitgeber gut steigern. Der Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes, nach dem beim GVS gezahlt wird, biete viele Möglichkeiten, die Altersversorgung sei vorbildlich. Viele Vorschläge seien aber nicht aufgegriffen oder höchstens schleppend umgesetzt worden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen