News | Mitbestimmung
22.06.2016

Mitbestimmt ist nachhaltiger

Welche Unternehmen bilden dual mehr aus? Solche einer bestimmten Branche? Größere oder kleinere Unternehmen? Alles falsch. Das Kriterium ist die Mitbestimmung. Formel: Je mehr Mitbestimmung im Unternehmen, desto mehr Auszubildende. Danach ermittelt jetzt ein neuer Indikator.

duale Ausbildung© industrieblick /​ fotolia.com

Mitbestimmung und duale Ausbildung

Mitbestimmung. Mitbestimmte Unternehmen engagieren sich stärker in der dualen Ausbildung als andere. Das zeigt eine Analyse mit dem neuen Mitbestimmungsindex MB-ix. Das Instrument misst, wo und wie stark die gesetzlich gesicherte Partizipation von Arbeitnehmern Politik und Auftritt von Unternehmen beeinflusst.

Nachhaltigkeit der Geschäftspolitik

Der Index misst die Nachhaltigkeit der Geschäftspolitik nach Parametern wie:

  • Wirkung von Unternehmensmitbestimmung auf
  • Arbeitsbedingungen,
  • Arbeitsplatz- und
  • Standortsicherheit,
  • Umgang mit der Umwelt

Vergleiche von Unternehmen

Gemessen wird anhand von Vergleichen von Unternehmen mit den Parametern:

  • gleiche Größe,
  • gleiche Produktpalette,
  • mit und
  • ohne Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat.

Arbeitnehmerbeteiligung vorgeschrieben

Arbeitnehmerbeteiligung ist ab bestimmten Beschäftigtenzahlen gesetzlich vorgeschrieben. Aussagen über die Wirkung der Mitbestimmung lassen sich deswegen nur schwer treffen. Deswegen haben Forscher vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) gemeinsam mit der Hans-Böckler-Stiftung eigens einen Indikator konstruiert.

Verankerungsgrad von Mitbestimmung

Er erfasst im Detail, bis zu welchem Grad Mitbestimmung in den Unternehmen verankert ist. Damit lassen sich laut einer Pressemitteilung der Stiftung zwischen Unternehmen mit mehr und solchen mit weniger Mitbestimmung unterscheiden. So ließe sich zum Beispiel deren soziale oder ökonomische Performance vergleichen.

Informationen des MB-ix

Dieser Indikator, der MB-ix, gibt dabei Auskunft über:

  • Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Unternehmen ja oder nein?
  • Deren Zahl im Verhältnis zu allen Aufsichtsräten,
  • Besetzung von Ausschüssen,
  • Zugehörigkeit von stellvertretenden Vorsitzenden zur Arbeitnehmerseite angehört,
  • Artikulationsmöglichkeit Beschäftigter in Auslandsniederlassungen durch Euro- oder SE-Betriebsräte artikulieren können,
  • Rechtsform von Unternehmen: sie entscheidet unter anderem über Befugnisse von Aufsichtsräten oder Unterstützung der Arbeitnehmer durch externe Gewerkschaftsvertreter,
  • eigenständiges und gleichberechtigtes Personalressort.

Welchen Wert der Mitbestimmungsindex im konkreten Einzelfall annimmt, richtet sich danach, wie die jeweiligen Komponenten des MB-ix unternehmensspezifisch ausgeprägt sind.

Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax

Bislang haben die WZB-Wissenschaftler Sigurt Vitols Ph.D. und Dr. Robert Scholz Zahlen für alle in Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax gelisteten Unternehmen für die Jahre 2006 bis 2013 berechnet. Außerdem sind im Datensatz etwa 50 weitere börsennotierte Konzerne enthalten, die paritätisch mitbestimmt sind. Danach kommt dabei das ganze Spektrum vor und reicht von Unternehmen mit Maximalwert 100 bis hin zu solchen mit null Punkten für Arbeitnehmerbeteiligung.

Erste Ergebnisse

Eine erste Auswertung habe gezeigt:

  • Firmen mit null Punkten bei der Mitbestimmung haben einen geringeren Anteil von dual Auszubildenden an den Beschäftigten in Deutschland als mitbestimmte.
  • Im Durchschnitt der untersuchten Jahre von 2006 bis 2013 liegt die Ausbildungsquote bei diesen um ein Viertel höher als bei den nicht mitbestimmten (4,5 Prozent im Vergleich zu 3,6 Prozent).
  • Im Gegensatz zur Mitbestimmung haben Unternehmensgröße und Branchenzugehörigkeit keinen statistisch messbaren Einfluss auf die Ausbildungsquote.
Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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