05.02.2018

Personalbedarfsplanung: Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangt von der Politik noch dieses Jahr einen bundeseinheitlichen Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime. Gute Pflege ist nur möglich, wenn auf den Stationen genügend Pflegefachkräfte pro Bewohner vorhanden seien, sagte der Stiftungsvorstand Brysch gegenüber dpa. Läge eine Einrichtung unter dieser Mindestvorgabe, müsse es einen Aufnahmestopp oder sogar eine Schließung geben.

Mindestpersonalschlüssel

Ausreichender Schutz für Patienten

Auch mit Blick auf die bevorstehenden Sondierungsgespräche der Bundestagsfraktionen hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz die Politik aufgefordert, noch in diesem Jahr einen bundeseinheitlichen Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime festzulegen.

Der Stiftungsvorstand geht davon aus, dass am Tage eine Pflegekraft für etwa fünf pflegebedürftige Heimbewohner zuständig sein sollte – es komme dabei immer auch auf den Pflegegrad an. Nachts sollte demnach für jede Station mindestens eine Pflegekraft zuständig sein. Da die Leistungen aus der Pflegeversicherung nicht ausreichten, sei schon heute die Hälfte der Pflegeheimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen.

Zahlungen aus der Pflegeversicherung reichen nicht aus

Wolle eine künftige Regierung etwas für bessere Arbeitsbedingungen und für würdige Pflege tun, müssten die Zahlungen aus der Pflegeversicherung um mindestens 500 Euro pro Monat für jeden Versicherten steigen, der ambulante oder stationäre Pflege benötige, sagte Brysch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Neujahrsansprache Verbesserungen für die Pflegeberufe angemahnt. Auch die SPD will deren Lage verbessern. Wie das geschehen soll, ist aber weiter offen.

Zusatzversicherungen für den Ernstfall?

Immer mehr Bürger sichern sich gegen finanzielle Pflegerisiken ab. Derzeit gebe es rund 3,52 Millionen private Zusatzversicherungen – 61 Prozent mehr als vor fünf Jahren, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf Daten des Verbands der Privaten Krankenversicherung berichtete. Bei den staatlich geförderten Zusatzverträgen, die mit 60 Euro im Jahr unterstützt werden, wird dem Bericht zufolge für das abgelaufene Jahr ein Zuwachs von mehr als fünf Prozent erwartet.

Enormer Mangel an Fachpersonal

Brysch sagte, für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen sei nicht die Politik, sondern der Arbeitgeber zuständig. Druck sollte vor allem über einen Mindestpersonalschlüssel aufgebaut werden. Er hob hervor, dass „Viele Pflegende kehren dem Job den Rücken, weil sie an ihre körperlichen und seelischen Grenzen kommen.“ Im Schnitt arbeiteten Pflegekräfte nur 13 Jahre in ihrem Beruf. Neue Pflegekräfte werden wegen mangelnder Berufsperspektiven, schlechter Bezahlung und Arbeitsüberlastung kaum gefunden. Daher fehlten in den kommenden acht Jahren voraussichtlich rund 200 000 Vollzeitkräfte in der Pflege. Bis 2030 wird die Lücke Schätzungen zufolge auf bis zu 500 000 wachsen.

Bessere Bezahlung bringt nicht die Lösung

Allerdings warnte der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor der Annahme, allein durch bessere Bezahlung den Mangel an Fachpersonal beheben zu können. Nach Angaben der Thüringer Allgemeinen sagte der Vorstand des GKV-Spitzenverbands, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, auch die Bundesagentur für Arbeit sollte durch ein neues Qualifizierungsprogramm Hilfs- und Fachkräfte für die Langzeitpflege gewinnen helfen. Von der Anwerbung ausländischer Fachkräfte hält der Vorstand nichts. Das Problem damit lösen zu wollen, sei „ziemlich naiv“.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)