News | Geschäftsführung Betriebsrat
17.08.2016

Meyer-Werft-Betriebsrat Ergin stimmt Vergleich zu

Der Klügere gibt nach. Viel anders wird sich der Rückzug des langjährigen Betriebsratsvorsitzenden der Meyer-Werft, Ibrahim Ergin, in der Kürze kaum umschreiben lassen. Zum Schluss war der Druck des Arbeitgebers zu groß, Ergin verlässt das Unternehmen. Betriebsrat und IG Metall respektieren das.

Androhung fristlose Kündigung© Andrey Popov /​ fotolia.com

Streit um früheren Betriebsratsvorsitzenden beendet

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Streit zwischen der Meyer Werft in Papenburg und dem Betriebsratsvorsitzenden Ibrahim Ergin dürfte fürs erste beendet sein. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Sie beruft sich dabei auf Mitteilungen des Anwalts des Betriebsrates am Donnerstag. Danach haben sich beide Seiten auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses geeinigt.

Symbolfigur des Kampfes für Mitbestimmung

Ergin war 23 Jahre im Unternehmen tätig. In dieser Zeit hatte er sich als Symbolfigur des Kampfes für Mitbestimmung und Mitarbeiterrechte in dem Unternehmen und weit darüber hinaus hervorgetan. Die Werftleitung wollte den Vorsitzenden des Betriebsrates nicht mehr im Unternehmen haben und drohte ihm mit fristloser Kündigung.

Zweifel an Unterstützung durch Beschäftigte

Allerdings ist auch unklar, in wieweit sein Einsatz von der Gesamtheit der Beschäftigten mitgetragen wurde. So soll eine Unterschriftenliste früherer Betriebsratsmitglieder für eine Neuwahl des Betriebsrates im Frühjahr kursiert sein. Einige Betriebsratsmitglieder waren um Christi Himmelfahrt zurückgetreten. („Themenwelt Betriebsrat & Personalrat“ berichtete .)

Zum Schutz von Familie und der Betriebsratsmitglieder

Betriebsrat, Landesarbeitsgericht, IG Metall und Werft äußerten sich zustimmend zu Ergins Entscheidung. Betriebsratsanwalt René Henkys teilte der Zeitung mit, Ergin habe mit dem Vergleich die juristische Auseinandersetzung um seine Kündigung „zum Schutz seiner Familie, seiner Person und der anderen Betriebsratsmitglieder“ beenden wollen.

Engagierter und durchsetzungsstarker Vorsitzender

„Der Betriebsrat hat deshalb aus Respekt vor Herrn Ergin diesem Vergleich vor dem Landesarbeitsgericht Niedersachsen heute zugestimmt“, bedauere aber zugleich, mit Ergin einen „engagierten und durchsetzungsstarken Vorsitzenden“ zu verlieren, so Henkys.

IG Metall: großes Verständnis

Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, zeigte „großes Verständnis“ für die Entscheidung Ergins. „Die seit fast einem Jahr anhaltende Auseinandersetzung auf der Meyer Werft war ihm und seiner Familie nicht länger zuzumuten“, so Geiken. Die IG Metall will Ergin als Gewerkschaftssekretär beim DGB Niedersachsen beschäftigen. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht. „Ich habe mich in enger Abstimmung mit Ibrahim Ergin für diese Lösung eingesetzt. Sie bietet ihm Sicherheit und eine neue Perspektive,“ zitiert das Blatt Geiken. Arbeitsort werde Oldenburg sein.

Keine einfache Entscheidung

Für Ergin selbst war es nach eigener Aussage keine einfache Entscheidung. „Nach 23 Jahren auf der Meyer Werft ist es mir nicht leichtgefallen, aber ich habe die Entscheidung nach Rücksprache mit meiner Familie auch zum Wohle des Betriebsratsgremiums und der Belegschaft getroffen“, zitiert das Blatt Ergin.

Zusammenarbeit von Belegschaft und Werftleitung nicht im Wege stehen

Und weiter: „Ich möchte bei einer künftigen Zusammenarbeit zwischen Belegschaft und Werftleitung nicht im Wege stehen, sollte ich das Problem darstellen.“ Er hätte den Job gerne weitergemacht, sei immer ein Werftjunge gewesen und habe schon zu Beginn seiner Laufbahn in der Jugendvertretung mitgearbeitet. Ergin: „Aber die Umstände der Zusammenarbeit waren zuletzt kein Zustand mehr.“ Er habe jetzt die Reißleine ziehen müssen – zum Wohle aller.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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