News | Geschäftsführung Betriebsrat 05.07.2017

Mercedes-Benz will Mobilität gemeinsam mit Betriebsrat angehen

Autobauer Mercedes-Benz will sein Werk in Stuttgart-Untertürkheim auf Elektromobilität umstellen. Das geht nicht ohne engen Schulterschluss mit den Arbeitnehmervertretern. Probleme wie Mehrarbeit müssen diskutiert werden. Ein Maßnahmenpaket sorgt schon jetzt für Diskussion.

Transformation Elektromobilität

Transformation in Richtung Elektromobilität

Geschäftsführung Betriebsrat. Es gebe zwar unterschiedliche Positionen. Gleichwohl sei man nach wie vor an einer konstruktiven Lösung mit den Arbeitnehmervertretern interessiert. Es geht um die Transformation des Mercedes-Benz Werks Untertürkheim in Richtung Elektromobilität. „Wir haben den Beschäftigten im Mercedes-Benz Werk Untertürkheim ein Angebot gemacht, das wir für fair und ausgewogen halten“, so laut einer Pressemitteilung seines Unternehmens Frank Deiß, bei Mercedes-Benz Leiter Produktion Powertrain und Standortverantwortlicher Untertürkheim.

Mehrarbeitszeiten zunächst auf Eis gelegt

Seit dem Wochenende hatte die Werksleitung Mehrarbeitszeiten einführen wollen. Die aber lehnt der Betriebsrat in Untertürkheim ab. Das Unternehmen hat deshalb beschlossen, die Frühschicht in der Sindelfinger E-Klasse Produktion vorerst abzusagen. „Eine weitere Eskalation halten wir angesichts unseres Angebots nicht für angemessen“, so Deiß weiter.

Einstieg in Batteriemontage möglich

Das Werk Untertürkheim soll die Chance erhalten, in die Batteriemontage einzusteigen. Der Standort konkurriert hier mit weltweiten Herstellern. Eine Batterieproduktion im Neckartal anzusiedeln ist nach Ansicht der Unternehmensleitung „keineswegs selbstverständlich“. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei der Standort „nicht optimal“, heißt es dazu in der Unternehmensmitteilung. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen sei man bereit, in eine Batterieproduktion in Untertürkheim zu investieren, um den Beschäftigten am Standort eine neue Zukunftstechnologie der Elektromobilität zu bieten.

Montage eines elektrischen Antriebsmoduls

Weiterer Bestandteil des Angebots ist die Montage eines elektrischen Antriebsmoduls. Es soll ab 2020 in steigender Zahl in die Untertürkheimer Achsproduktion integriert werden. Die Komponente ist in jedem Elektrofahrzeug mindestens einmal vorhanden. So könnte das Unternehmen in Untertürkheim künftig konventionelle sowie elektrische Achskomponenten produzieren.

Verhandlungen seit Mai

Werksleitung und Betriebsrat verhandeln seit Mai dieses Jahres über die zweite Stufe der Weiterentwicklung des Standorts Untertürkheim. Man will erreichen, das Werk als wettbewerbsfähigen Standort für die Elektromobilität aufzustellen. Dazu will man ein Maßnahmenpaket erarbeiten, das zur Sicherung der Beschäftigten beitragen und den weiteren Unternehmenserfolg sichern soll. Vor dem Wochenende führte man die außerordentliche Betriebsversammlung vom 22.06.2017 in den Werkteilen des Mercedes-Benz Werks Untertürkheim als Werkteilversammlungen fort. Der Betriebsrat hat die Mitarbeiter über den aktuellen Verhandlungsstand weiter informiert. Dadurch kam es auch zu Produktionsausfällen. Man arbeite mit „persönlichem und unternehmerischem Engagement“ an dem Ziel, die Herausforderung der künftigen Mobilität anzugehen und für die Beschäftigten und das Unternehmen die Zukunft langfristig und nachhaltig zu gestalten, heißt es seitens der Werksleitung.

Disruptive Zeit

„Wir leben in einer disruptiven Zeit“, so Deiß weiter. Die Umstellung auf alternative Antriebstechnologien werde in den kommenden Jahren am stärksten in den Werken des Powertrains zu spüren sein. Aufgabe sei es, den Mitarbeitern weiter gute Perspektiven zu bieten. Deiß: „Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass unsere Belegschaft die Verhandlungen mit dem Betriebsrat kritisch und aufmerksam verfolgt.“ Umgekehrt könne man nur dann eine langfristig tragfähige Lösung finden, wenn es gemeinsam gelingt, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.

„Untertürkheimer Mannschaft hochmotiviert und stark“

Der Standort hat sich in der Vergangenheit kontinuierlich verändert und weiterentwickelt. Deiß: „Das haben wir bisher mit unserer hochmotivierten und starken Untertürkheimer Mannschaft gemeinsam geschafft.“ Für die Weiterentwicklung des Stammwerks Untertürkheim hat das Unternehmen in den letzten Jahren eigenen Angaben zufolge in Milliardenhöhe investiert. Der Aufbau einer Batterieproduktion, die Erweiterung des E-Technikums sowie die Integration weiterer E-Komponenten würden weitere hohe Investitionen bedeuten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)