25.10.2017

Mehrfach beschäftigte Arbeitnehmer oft in Teilzeit

Warum nehmen Menschen überhaupt einen Nebenjob auf? Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer ist, dass sie in ihrer Hauptbeschäftigung in Teilzeit tätig sind. Kommt hinzu, dass der Arbeitsmarkt ausreichend aufnahmefähig ist. Das IAB legt jetzt eine Studie dazu vor.

Nebenjobber IAB-Kurzbericht

Hauptjob von Nebenjobbern

Geschäftsführung Betriebsrat. Mehr als drei Millionen Erwerbstätige in Deutschland haben zusätzlich zu ihrer Hauptbeschäftigung einen Nebenjob. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Oft sind demnach Arbeitnehmer mit mehreren Beschäftigungen in ihrer Hauptbeschäftigung in Teilzeit tätig. Häufiger als bei den Einfachbeschäftigten sind zudem unter den Nebenjobbern Frauen, ausländische Staatsangehörige und Personen mittleren Alters vertreten. Meistens werde eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit mit einem Minijob kombiniert.

Motive für Aufnahme eines Nebenjobs

Die Motive für die Aufnahme eines Nebenjobs ordnen die Wissenschaftler grob in zwei Kategorien:

  • Eine Person kann in ihrer Hauptbeschäftigung nicht so viele Stunden arbeiten, wie sie möchte. Dann verdient sie in der Regel auch ein geringeres Einkommen als gewünscht bzw. nötig. Beispielsweise kann ein Nebenjob notwendig werden, um das Haushaltseinkommen zu sichern, wenn ein Familienmitglied arbeitslos geworden ist oder in Kurzarbeit arbeiten muss; oder wenn ein Partner nach der Ehescheidung unterhaltspflichtig wird und nur noch knapp über die Runden kommt.
  • Das sogenannte Portfoliomotiv. Hierbei geht es den Nebenjobbern mehr darum, den Hauptjob um Tätigkeiten zu ergänzen, die Spaß machen oder Prestige einbringen. Beispiele sind der Universitätsprofessor, der als Berater in Wirtschaft oder Politik tätig ist, oder der Fließbandarbeiter, der abends gegen Entgelt Konzerte mit der Band gibt.

Hauptbeschäftigungen von Mehrfachbeschäftigten

Die Hauptbeschäftigungen von Mehrfachbeschäftigten sind der Untersuchung zufolge meistens weniger gut bezahlt als die Beschäftigungsverhältnisse von Personen ohne Nebenjob. Der Einkommensunterschied liegt bei rund 570 Euro pro Monat. Zu einem kleinen Teil lasse sich diese Differenz durch eine geringere Wochenstundenzahl bei den Beschäftigungsverhältnissen erklären.

Berufe in Verwaltung und Büro, Gesundheits- und Sozialwesen

Ein weiterer Faktor sei jedoch, dass es sich bei der Hauptbeschäftigung von mehrfach beschäftigten Arbeitnehmern oft um Berufe handelt, in denen weniger verdient wird, erklären die Studienautoren Sabine Klinger und Enzo Weber. So hätten Mehrfachbeschäftigte beispielsweise häufig Berufe in Verwaltung und Büro oder Gesundheits- und Sozialwesen. Dabei übe ein Drittel im Haupt- und Nebenjob denselben Beruf aus.

Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes

Seit 2003 hat sich die Anzahl der Arbeitnehmer in mehreren Beschäftigungsverhältnissen mehr als verdoppelt. Die sehr gute Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes, eine über viele Jahre hinweg schwache Lohnentwicklung sowie die starke Zunahme der Teilzeitbeschäftigung habe diese Entwicklung begünstigt, so die Studie. Einen wesentlichen Impuls setze zudem gesetzliche Befreiung geringfügiger Beschäftigung von Steuern und Sozialabgaben.

Nebenjobber in Deutschland

Bevorzugung geringfügiger Zweitbeschäftigungen

Diese Bevorzugung geringfügiger Zweitbeschäftigungen sehen Klinger und Weber kritisch. Eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit durch Anreize zu belohnen, sei zwar mit Blick auf die finanzielle Situation der Arbeitnehmer wie auch mit Blick auf Fachkräfteengpässe grundsätzlich richtig. Zudem sei gerade für Geringverdiener die Abgabenbelastung in Deutschland im internationalen Vergleich recht hoch. Sie üben überdurchschnittlich häufig Nebenjobs aus.

Profit für Gutverdiener

Die Begünstigung einer zweiten Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber sei nicht das richtige Instrument, um hier gegenzusteuern. Erstens profitierten von der Regelung auch viele Gutverdiener. Kleine Nebenjobs leisteten gerade für die Personen, für die es besonders wichtig wäre, kaum einen Beitrag für eine nachhaltige berufliche Entwicklung und Alterssicherung. Für sinnvoller hielten es die Marktforscher, die Arbeit in der Hauptbeschäftigung zu stärken, beispielsweise durch eine Entlastung niedriger Verdienste bei den Sozialabgaben.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist Journalist und Autor des Werkes Wirtschaftswissen für den Betriebsrat.)