27.07.2017

Mehr Ruhe im Stress

Gerade teilweise freigestellte Betriebsratsmitglieder sind durch den Wechsel von Aufgaben und Personen besonders gestreßt. An den äußeren Umständen und dem Arbeitsaufkommen lässt sich oft wenig ändern. An der eigenen Haltung kann hingegen jeder arbeiten.

Entspannung

Stress reduzieren? Bei einem solchen Vorschlag lächeln viele Betriebsratsmitglieder nur müde. Schließlich muss die Arbeit getan werden. Die teilweise freigestellten Betriebsratsmitglieder verweisen hier auch auf die Doppelbelastung durch Arbeitsplatz und Betriebsratsengagement. Es stimmt schon, dass wir an unseren Aufgaben und den Personen, mit denen wir es zu tun haben und die uns unter Umständen belasten, häufig wenig ändern können. Aber oft können wir einen anderen Umgang damit finden.

Weniger Zwang zur Perfektion

Manches, was uns stresst, erzeugen wir durch unsere Haltung selbst. Dazu gehören Gedanken wie „Niemand macht es so gut wie ich“ oder „Keiner kann es mir Recht machen“. Wer so denkt, kann nicht delegieren und überlastet sich. Fragen Sie sich „Wer kann es so gut wie ich?“ und üben Sie sich darin, Aufgaben abzugeben. Überprüfen Sie sich auch auf weitere Stresshaltungen:

  • „Alles muss perfekt sein.“
  • „Alles muss geschafft werden.“
  • „Ich muss es alleine können.“

In ruhigen Momenten wissen Sie natürlich, dass das nicht stimmt. Aber im Alltag sind darauf aufbauende Verhaltensmuster sehr stark „eingeschliffen“. Damit Sie nicht immer wieder auf die alten Stresspfade geraten, müssen Sie auch Ihre Arbeitsweise ändern. Ein Beispiel: Wenn Sie eine Präsentation erstellen, arbeiten Sie sie zuerst so aus, dass sie akzeptabel ist. Ist dann noch Zeit übrig, verbessern Sie sie so gut wie möglich – und beenden die Arbeit, auch wenn sie nicht perfekt ist.

Entspannte Beziehungen zu anderen

Stress wird auch häufig durch negative Beziehungen erzeugt. Wer zu Kollegen im Betriebsrat oder am Arbeitsplatz ein schlechtes Verhältnis hat, ist unter Umständen schon beim Betreten des Betriebes oder beim Klingeln des Telefons gestresst

  • schließlich kann dies wieder einmal eine unangenehme Situation mit sich bringen. Deshalb sind gute Beziehungen das A und O der Stressreduzierung:
  • Gewöhnen Sie sich eine gewaltfreie Sprache an und bleiben Sie auch in Konflikten freundlich.
  • Lösen Sie schlechte Stimmung durch neutrale Begegnungen auf. So ist ein Streit in der Betriebsratssitzung schnell vergessen, wenn alle anschließend zum Mittagessen gehen und sich über andere Dinge unterhalten.
  • Sehen Sie Konflikte stets so, dass andere nicht in erster Linie Sie selbst oder Ihre Vorhaben blockieren wollen, sondern einfach anderer Meinung sind als Sie. So nehmen Sie Konflikte weniger persönlich.
  • Lassen sich Dauerkonflikte – z.B. mit Arbeitgebervertretern – nicht lösen, versuchen Sie, negative Erlebnisse zu reduzieren: So können Sie Konflikten durchaus ausweichen, wenn Ihnen ein Thema nicht am Herzen liegt. Persönliche Begegnungen mit Konfliktpartnern können Sie weitgehend vermeiden, indem Sie verstärkt über E-Mail und Telefon kommunizieren.

 

Empfehlung der Redaktion

Sie fühlen sich oft gestresst und laufen Gefahr in der Flut an Aufgaben als Betriebsrat unterzugehen? Leiden Sie unter schwierigen Beziehungen zu Verhandlungspartnern und Betriebsratskollegen? Dann empfehlen wir Ihnen den Workshop von Dr. Martin Ulmer auf den Münchner Betriebsrats-Tagen im November.

Die Inhalte des Workshops:

  • Überblick zu spezifischen Stressfaktoren im Arbeitsalltag von Betriebsräten
  • Wichtige Bereiche der Stressprävention und Stressbewältigung
  • Selbstmanagement, um die eigene innere Balance bewahren
  • Effiziente Stressbewältigungsstrategien

Autor: Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN.)