10.10.2019

Mehr Arbeitszufriedenheit – aber auch gesundheitliche Belastungen bei Homeoffice

Flexible Arbeitsbedingungen in Form von Homeoffice haben viele Vorteile, aber auch Nachteile. In den letzten Monaten fanden zu diesem Thema die Studien des Wissenschaftlichen Instituts der AOK und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Homeoffice führt zu größerer Arbeitszufriedenheit, aber die Arbeitsbedingungen sind nicht immer gesundheitsförderlich gestaltet. Wenn auch die Nutzung dieser Arbeitsform weiter zunimmt, bleiben viele Arbeitsplätze dafür ungeeignet.

Homeoffice

Im Vertrieb wird Homeoffice am meisten genutzt

Nach Angaben des IAB bieten 26 Prozent der Betriebe generell die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten an. Anlässlich von Befragungen zeigte sich, dass Homeoffice in der Produktion wenig, in der Administration und bei sonstigen Dienstleistungen wesentlich stärker und im Vertrieb/Marketing am stärksten verbreitet ist.

Der Einsatz von Computern (88,2 Prozent), E-Mails (83,6 Prozent) oder Internet (74,6 Prozent) erlaubt das Arbeiten im Homeoffice. Diese digitalen Werkzeuge ermöglichen in zahlreichen Berufen eine zunehmende Flexibilisierung: Arbeitszeit und Arbeitsort, in der bzw. an dem die Arbeitsleistung erbracht wird, lösen sich von starren Vorgaben.

Insgesamt ist der Anteil der im Homeoffice arbeitenden Beschäftigten seit 2013 nur geringfügig gestiegen: Im Jahr 2017 haben 22 Prozent der Beschäftigten gelegentlich von zu Hause gearbeitet, 2013 lag dieser Wert bei 19 Prozent. Der Anteil der Beschäftigten ohne Führungsaufgaben, die von zu Hause aus arbeiten, nimmt über die Zeit vergleichsweise deutlich zu – von 13 Prozent im Jahr 2013 auf 17 Prozent im Jahr 2017 –, während er bei den Führungskräften mit rund einem Drittel eher konstant bleibt. Diese Anteile stehen nicht im Einklang mit den Angaben der AOK. Von den durch die Kasse befragten Beschäftigten befanden sich rd. 40 Prozent in Homeoffice.

Selbständiges Planen im Homeoffice

Bei Homeoffice besteht eine höhere Arbeitszufriedenheit. Dazu gehört, dass die Beschäftigten ihre Arbeit selbstständiger planen können und mehr Entscheidungsfreiheit sowie Mitspracherechte haben. Mehr als zwei Drittel der Befragten können zu Hause mehr Arbeit bewältigen (67 Prozent), auch weil sie konzentrierter (73 Prozent) arbeiten können.

Stärkere psychische Belastungen

Gleichzeitig haben diese Beschäftigten aber stärkere psychische Belastungen im Vergleich zu Menschen, die nur an ihrem Arbeitsplatz tätig sind. Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen; unter solchen Problemen haben Menschen in Homeoffice häufiger zu leiden. Es kommt also auf gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen an. Nach der Studie des Wissenschaftlichen Dienstes der AOK kann hier Betriebliches Gesundheitsmanagement auch von den neuen digitalen Produkten lernen: Spezielle Softwaretools ermöglichen zeit- und ortsunabhängig die Bearbeitung relevanter persönlicher Themen, die zu arbeitsbedingten gesundheitlichen Belastungen führen. Aber auch den Unternehmen und den Führungskräften kommt weiterhin eine große Verantwortung zu: Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch mobil arbeitender Beschäftigter gegebenenfalls mit ihren Führungskräften sollte regelhaft angeboten werden.

Arbeitszeiten auch am Wochenende

Etwa jeder Dritte der Tele-Arbeitenden hat häufig in den letzten vier Wochen Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende gelegt (33,9 Prozent) und mehr als jeder Zehnte hat seine Arbeit wegen Belangen des Privatlebens unterbrochen (11,6 Prozent). Beschäftigte, die ausschließlich im Betrieb arbeiten, nutzen die zeitliche Flexibilität weniger (3,1 Prozent) und werden auch viel seltener durch Belange des Privatlebens bei ihrer Arbeit unterbrochen (3,3 Prozent). Die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit kommt bei Beschäftigten im Betrieb deutlich seltener vor (8,8 Prozent), ebenso der Kontakt des Arbeitgebers in der Freizeit (5,6 Prozent). Schließlich ändern sich das Freizeitverhalten und das Privatleben: Bei jedem siebten der Tele-Arbeitenden (13,9 Prozent) mussten in den letzten vier Wochen private Aktivitäten wegen beruflicher Verpflichtungen geändert werden – Beschäftigte, die nur im Betrieb tätig sind, erleben das deutlich seltener (5,9 Prozent).

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)