News | Geschäftsführung Betriebsrat 11.08.2017

Margarine-Konzern Unilever will Arbeitsplätze streichen

Pfanni, Knorr, Rama – die Liste der Marken des multinationalen Konzerns Unilever ist lang. Sie kommen aus Werken in aller Welt, aus Auerbach, Heilbronn oder Kleve. Überall stehen Jobs auf der Kippe. Dagegen und gegen Betriebsschließungen wehrt sich die Arbeitnehmervertretung.

Streichung Arbeitsplätze Unilever

Unilever-Geschäftsleitung tappt im Dunkeln

Geschäftsführung Betriebsrat. Genaues weiß man nicht, auch nicht nach der Betriebsversammlung letzten Dienstag am Standort der Unilever-Deutschland-Zentrale in Hamburg. „Die Geschäftsleitung von Unilever Deutschland ist offensichtlich selbst nicht über alle Details informiert“, ärgerte sich laut einem Bericht des „Handelsblatts“ DGB-Chef Reiner Hoffmann. Die Konzernzentralen in London und Amsterdam hätten Sparvorgaben gemacht. Ein Unilever-Sprecher habe zu beruhigen versucht. Noch werde nur geprüft – gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern. Erst in einigen Monaten sei mit Ergebnissen zu rechnen.

Forderungen der Arbeitnehmervertreter

An den deutschen Standorten des Unilever-Konzerns informierte das Unternehmen in Betriebsversammlungen. Danach wollen laut dpa Geschäftsführung und Arbeitnehmer Gespräche über die zukünftige Aufstellung des Unternehmens aufnehmen. Das sei eine der Forderungen der Arbeitnehmervertreter gewesen, sagte demnach Hermann Soggeberg, der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, im Anschluss an die Versammlung in der deutschen Unilever-Zentrale in Hamburg am Freitag voriger Woche.

Verkauf des Margarine-Geschäftes

Eine der Optionen könnte wohl der Verkauf des Margarine-Geschäftes sein, einer Urzelle des Konzerns. 1869 hatte Mège Mouriès die Margarine erfunden. 1888 hatten die holländischen Butterhändler Jurgens und Van den Bergh die ersten Margarinefabriken auf deutschem Boden gegründet. 1899 gründet der Brite William Hesketh Lever in Mannheim-Rheinau die Sunlicht-Seifenfabrik AG. Jurgens und Van den Bergh gründen später die „Margarine Unie“ und gründen 1930 zusammen mit Lever Brothers Ltd. die Unilever.

Befürchtungen des Betriebsrates

Der Betriebsratsvorsitzende von Unilever Hermann Soggeberg befürchtet, es stünden etliche Jobs auf der Kippe. 300 Arbeitsplätze in der Produktion in Deutschland sowie Verwaltungsmitarbeiter könnten bei einem Verkauf aus dem Konzern fallen, weitere mehr als 200 Mitarbeiter in Lagern ausgegliedert werden. Zudem sollten 200 Arbeitsplätze in der Forschung von Heilbronn in die Niederlande verlagert werden. „Ich würde mich freuen, wenn das Unternehmen am Ende der Untersuchung zu dem Schluss kommt: All das passiert nicht“, so Soggeberg. Bislang habe das Management keine Standort- oder Arbeitsplatzgarantien geben wollen. Verhandlungen liefen auf europäischer Ebene.

Geschäftsführung will Standorte untersuchen

Nach Angaben eines Unilever-Sprechers hat Deutschland-Chef Ulli Gritzuhn den Betriebsrat in der vergangenen Woche darüber informiert, mit den Arbeitnehmervertretern zusammen die Standorte zu untersuchen. Gritzuhn selbst wollte sich vor der Presse nicht äußern. Mit seinen globalen Sparplänen gerät Unilever in Deutschland in den Bundestagswahlkampf. Strategisch gilt das Sparpaket vor allem für die Börse als wichtig. US-Investoren rund um den Milliardär Warren Buffet wollten den von ihnen gestützten Lebensmittelriesen Kraft Heinz mit Unilever fusionieren. Unilever-Konzernchef Paul Polman hatte das aber verhindert. Für die Aktionäre hätte das ein gutes Geschäft werden können. Polman habe, so wird vermutet, ihnen einen Ausgleich anbieten wollen.

Bis zu 1000 Unilever-Arbeitsplätze gefährdet?

Betriebsräte und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatten im Vorfeld der Betriebsversammlungen die Befürchtung geäußert, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) bis zu 1000 Unilever-Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Ziel der Arbeitnehmer sei es, alle DACH-Standorte ohne Arbeitsplatzverlust zu erhalten. Diskutiert würden Standortschließungen, Verkäufe und Auslagerung. Das Unternehmen bezeichnet das als „reine Spekulation“. Produktion und Logistik würden auf den Prüfstand gestellt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das Unternehmen erklärte, die Gespräche würden ergebnisoffen geführt. Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)