News | Mitbestimmung 12.02.2016

Mann Mobilia-Mitarbeiter empört über Freistellung

Der österreichische Möbelgigant XXXL Lutz ist bei Gewerkschaften kein Unbekannter. Jetzt gerät die deutsche Tochter Mann Mobilia in die Schlagzeilen. In Mannheim wurden 90 Mitarbeiter am Betreten ihrer Arbeitsstelle gehindert. Weder sie noch der Betriebsrat waren informiert.

Empfang der Mitarbeiter durch Security

Mitbestimmung. Ein Empfang der Extraklasse: Über 90 Mitarbeiter des Möbelhauses Mann Mobilia in Mannheim wurden am Montag vergangener Woche von der Security am Betreten des Zentrallagers gehindert. Das berichtet „Viernheim24“.

Freistellung ab sofort

Dabei drückte man ihnen ein Schreiben der Service-Gesellschaft, einer Firma LH-Service-GmbH & Co. KG aus Würzburg, vom selben Tag in die Hand. Es ist unterschrieben von LH-Service-Geschäftsführer Rene Meißner. Darin heißt es lapidar unter dem Betreff „Freistellung“: „Hiermit werden Sie ab 01.02.2016 bis auf weiteres widerruflich von der Verpflichtung der Arbeitsleistung freigestellt.“

Weder Betriebsrat noch Mitarbeiter informiert

An anderen Standorten wie in Wiesbaden soll es zu ähnlichen Aktionen gekommen sein. Das habe der Betriebsrat vor Ort in Mannheim berichtet. Dort hatten sich die betroffenen Mitarbeiter vor dem Gebäude versammelt. Weder Betriebsrat noch Mitarbeiter wollen im Vorfeld über die beabsichtigten Freistellungen informiert worden sein. Sie zeigten sich „geschockt“ über das Vorgehen des Konzerns. Er gehört zur österreichischen XXXL Lutz-Gruppe. Sein deutscher Hauptsitz ist Würzburg.

Neue Verträge zwecks Gewinnoptimierung

Am XXXL-Standort Mannheim sind rund 250 Mitarbeiter beschäftigt. Mitarbeiter mit Zeitverträgen seien an andere Arbeitsplätze verteilt worden. Bereits seit langem am Standort Beschäftigte hätten bessere Verträge mit Vergünstigungen wie Urlaubsgeld. Sie befürchten jetzt, dass der Konzern sich dieser Verpflichtungen zwecks Gewinnoptimierung entledigen will. Ihnen würden neue Verträge mit der Servicegesellschaft vorgelegt.

Überfallartige Freistellung

Das Unternehmen begründet die überfallartige Freistellung mit plötzlich nötigen Umbaumaßnahmen am Haus in Mannheim. Die Räume der ehemaligen Auftragsbearbeitung werden demzufolge im Zuge dieses Umbaus benötigt und müssten daher rasch geräumt werden.

Tätigkeiten nach Würzburg verlagert

Außerdem würden Tätigkeiten nach Würzburg verlagert. Deswegen bestehe keine Beschäftigungsmöglichkeit mehr für die Mannheimer Verwaltungsmitarbeiter. Man strebe an, die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und Interessenausgleich zügig aufzunehmen und rasch abzuschließen. Das Unternehmen in einer Antwort auf Anfrage von „Viernheim24“: „Das ist schon im Interesse der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geboten, die Planungssicherheit brauchen.“

Kundenservice, Logistik und Auftragsbearbeitung betroffen

Ebenfalls am 1.2. veröffentlichte das Unternehmen eine Pressemitteilung. Darin heißt es, die XXXL Unternehmensgruppe strukturiere Teile des Kundenservice, der Logistik und der Auftragsbearbeitung neu. Auslieferung und Montage der Möbel in Hessen und Baden-Württemberg würden dezentralisiert, um „näher beim Kunden sein und Lieferzeiten verkürzen zu können“. Teile der Auftragsbearbeitung sollen hingegen zentralisiert werden, um „Effizienz und Qualität in diesem wichtigen Bereich weiter zu steigern“.

223 Mitarbeiter in Rhein-Main betroffen

Von der Umstrukturierung sind den Angaben zufolge insgesamt 223 Mitarbeiter an den Standorten Mannheim, Eschborn und Wiesbaden betroffen. Sie würden in der Auslieferung und in der Logistik (63 in Eschborn, 61 in Wiesbaden) zum größten Teil zu denselben Konditionen (Lohn/Gehalt, Sozialleistungen etc.) an andere Gesellschaften der XXXL Unternehmensgruppe vermittelt.

Keine Vergabe an Fremdspeditionen

In einigen Fällen ändere sich der Arbeitsort (Groß Gerau statt Eschborn). Möbellieferung und -montage erfolgten weiterhin mit Mitarbeitern der XXXL Unternehmensgruppe, eine Vergabe an Fremdspeditionen oder Subunternehmer sei „ausdrücklich nicht vorgesehen“.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)