News | Geschäftsführung Betriebsrat
31.03.2016

Lutz-Klingen-Betriebsrat zufrieden mit Tarifbindung

Betriebsrat: Mit Vertrag bis vier Euro mehr die Stunde.

Was bringt eigentlich so ein Tarifvertrag? Jedes Jahr ähnliche Zeremonien: Verhandlungen, Streiks, Einigung – und dann? Das Beispiel des Solinger Klingenherstellers Lutz zeigt: ein Tarifvertrag bringt vor allem mehr Lohn in der Lohntüte.

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Klingen aus Solingen

Geschäftsführung Betriebsrat. Solingen. 31. März 2016 – Kaum eine Klinge, die es bei Lutz nicht gäbe. Hakenklingen, Rundklingen, Spitzklingen, Trapezklingen. Damit will Lutz Blades in Solingen im „Wettbewerb immer einen Schritt voraus“ sein – so der Werbeslogan des Unternehmens.

Wettbewerb um gute Arbeits- und Tarifbedingungen

Beim Wettbewerb um gute Arbeits- und Tarifbedingungen hinkte der Klingenhersteller jedoch lange hinterher. Das hat sich einer Mitteilung der Industrie-Gewerkschaft Metall zufolge geändert. Die Belegschaft habe heute einen Betriebsrat, einen Tarifvertrag und „deutlich mehr in der Lohntüte“.

Elf Euro die Stunde – trotz 30 Jahren Berufserfahrung

Bei Lutz Blades arbeiten 110 Beschäftigte. Die Mehrheit von ihnen sind Facharbeiter, viele von ihnen Ungelernte, jedoch mit speziellem Knowhow. Ohne Tarifvertrag habe ihr ihre Einkommen zum Teil bei nur 11 Euro die Stunde gelegen, selbst mit 30 Jahren Berufserfahrung. „Die Belegschaft war stark unterbezahlt“, so der Betriebsratsvorsitzende Salih Zeki Kantarci. Heute bekämen sie mit Tarifvertrag 3 bis 4 Euro mehr die Stunde.

Traditionsunternehmen wehrte sich lange gegen Betriebsrat

Ohne die IG Metall, zitiert die Mitteilung Kantarci, laufe „bei uns nichts mehr“. Vor etwa drei Jahren sei das noch anders gewesen. Damals habe sich das familiengeführte Traditionsunternehmen gegen jede Mitsprache und einen Tarifvertrag gewehrt. Doch es sei zu Ungerechtigkeiten im Betrieb gekommen. Die Unzufriedenheit darüber sei gewachsen.

Gewinnung junger Nachwuchskräfte

Hinzu getreten seien Probleme bei der Gewinnung junger Nachwuchskräfte. Alles zusammen hätte für ein Umdenken in der Chefetage gesorgt. Der Klingenunternehmer habe zunehmend die Erfahrung machen müssen, dass er auf Fragen nach Entgelthöhe und Entgeltgruppe keine adäquate Auskunft geben konnte. Folge: Das eigener Einschätzung nach marktführende Unternehmen geriet am Arbeitsmarkt immer mehr ins Hintertreffen.

Bewerber von heute fordern Tarifvertrag

Ein Betrieb ohne Tarifentgelte kommt, so die Einsicht, heute bei interessierten Bewerbern um Arbeitsplätze nicht gut an. Immer mehr sind überzeugt, nur mit Tarif sei eine angemessene Entlohnung zu erwarten. Die Unternehmensleitung entschloss sich deshalb zu einer neuen Entgeltstruktur – mit Tarifvertrag, IG Metall und Betriebsrat.

Rotes Tuch IG Metall

Der Weg dahin sei allerdings nicht konfliktfrei gewesen. Ein Betriebsrat bei Lutz Blades war für den Arbeitgeber zunächst undenkbar, schon gar nicht mit der IG Metall. Doch auch mit Prozessen habe er ihn nicht verhindern können. Heute sitzt der Pressemitteilung zufolge ein fünfköpfiger, von der IG Metall dominierter Betriebsrat im Unternehmen und bestimmt dort mit.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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