05.12.2016

Lufthansa-Betriebsrat protestiert gegen Piloten-Streik

Hoch her ging es letzte Woche bei Lufthansa. Weniger hoch in die Lüfte, umso höher am Boden. Gegen den Streik der Piloten ging das Bodenpersonal der Airline auf die Barrikaden. Dessen Betriebsrat hatte zur Demonstration aufgerufen. Lufthansa änderte ihr Angebot und hofft auf Schlichtung.

Pilotenstreik Lufthansa

Arbeitskampf bei Lufthansa spitzt sich zu

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Arbeitskampf bei der Lufthansa spitzte sich letzte Woche zu. Die Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) hat es in ihrem Streik für bessere Bedingungen ihrer Mitglieder mit einem neuen Gegner zu tun bekommen. Zu einem öffentlichen Kräftemessen kam es am Mittwoch zwischen den streikenden Piloten und Teilen der übrigen Belegschaft. VC wie auch der Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hatten zu entgegengesetzten Demonstrationen vor der Lufthansa-Unternehmenszentrale aufgerufen.

22 Prozent Tariferhöhungen gefordert

Lufthansa und Cockpit streiten um Gehälter von rund 5.400 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und der Tochter Germanwings. VC verlangt für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent bis April 2017. Lufthansa hatte für einen noch längeren Zeitraum 2,5 Prozent angeboten. Bei der Lösung weiterer offener Tariffragen lautete die Offerte 4,4 Prozent plus einer Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern.

Demonstration gegen Pilotenstreiks

Wie der „Deutschlandfunk“ berichtet, beteiligten sich etwa 300 Angehöre des Bodenpersonals an der Demonstration gegen die Pilotenstreiks. Einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ zufolge fordert der Boden-Betriebsrat Frankfurt in seinem Aufruf ein schnelles Ende des „zerstörerischen Streits“. Er verlangt die Einwilligung von VC in eine Schlichtung. Die Durchsetzung von Partikularinteressen gehe auf Kosten aller anderen Kollegen. „Vielmehr muss es darum gehen, den notwendigen Konzernumbau im Sinne aller Lufthanseaten konstruktiv und in die Zukunft gerichtet zu begleiten. Tarifforderungen müssen sich den realen Marktbedingungen stellen“, zitiert das Blatt aus dem nicht namentlich unterzeichneten Aufruf.

Bodenpersonal kritisiert

Im „Deutschlandfunk“ kommen Mitglieder des Bodenpersonals mit ihrer Kritik an den Piloten zu Wort. Dass eine kleine Gruppe eine Firma so unter Druck setze und schädige, halten einige von ihnen für „unmöglich“. Sie geben das ohnehin schon hohe Gehaltsniveau der Piloten zu bedenken. 20 Prozent mehr darauf zu fordern, entspreche dem Jahresgehalt einer Flugbegleiterin. „Also, die Typen sind total durchgeknallt!“, so ein Mitarbeiter von Lufthansa-Cargo.

Kein Verständnis für Arbeitskampf

Seitens der Piloten wiederum wird Unverständnis darüber artikuliert, warum seitens der Kollegen am Boden die Gründe für den Arbeitskampf nicht verstanden werden. Man streike schließlich auch für sie. Ein Flugkapitän: „Solidarität ist gerade wichtig in unserem Unternehmen! Insofern hätte ich mir gewünscht, so wie die ver.di und andere Großgewerkschaften, dass es da ein klares Bekenntnis zu Arbeitnehmerrechten gibt.“

Gewerkschaften gehen auf Distanz

ver.di und die Flugbegleitergewerkschaft UFO hatten sich vom Demoaufruf aus dem Betriebsrat des Bodenpersonals gegen die Piloten distanziert. Der Aufruf sei ein „bitteres Armutszeugnis“ für das Gremium, erklärte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies. ver.di distanzierte sich dem „Rundschau“-Bericht zufolge ebenfalls. „Wir halten die Demonstration für falsch und haben unsere Mitglieder aufgefordert, daran nicht teilzunehmen“, sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle der dpa. Die ver.di-Vertreter im Betriebsrat hätten sich ausdrücklich gegen die Aktion gewendet.

Weitere Streiks möglich

Erneut hat die Lufthansa in einem Sonderflugplan 890 Verbindungen mit 98.000 betroffenen Passagieren gestrichen. Weitere Streiks sind nach Angaben des VC-Sprechers Jörg Handwerg jederzeit mit einem Vorlauf von 24 Stunden möglich. Bislang sind laut Lufthansa an sechs Streiktagen mehr als 525.000 Passagiere von insgesamt 4.461 Flugausfällen betroffen.

Lufthansa hofft auf Schlichtung

Vor dem Wochenende wurde bekannt, dass Lufthansa mit einer baldigen Schlichtung in dem Tarifstreit mit VC rechnet. Die Fragen der Gewerkschaft zum jüngsten Angebot des Konzerns seien beantwortet worden, teilte die Fluggesellschaft am Freitag laut dpa mit. Lufthansa gehe „davon aus, nun gemeinsam mit dem Tarifpartner den Schlichtungsprozess aufzunehmen“. Dies sei „der richtige Weg, um den Konflikt zu lösen“.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)