News | Geschäftsführung Betriebsrat 16.12.2016

Linde-Betriebsrat stimmt Fusion mit US-Konkurrenten zu

Der deutsche Industriegase-Konzern Linde und sein US-Konkurrent Praxair streben einen Zusammenschluss an. Gespräche darüber laufen schon länger. Sie waren im September gescheitert. Unter anderem war die Unterstützung der Arbeitnehmervertreter fraglich. Sie stimmten jetzt einer Fortsetzung zu.

Fusion Linde

Zusagen für die Beschäftigten

Geschäftsführung Betriebsrat. Nicht anfreunden konnten sich bislang die Arbeitnehmervertreter mit den Zusagen für die Beschäftigten. Hier hätten Betriebsräte und Gewerkschaften IG BCE und IG Metall im Aufsichtsrat der Linde AG jetzt bereits wichtige Zusicherungen für die Beschäftigten der Linde Group in Deutschland mit dem Unternehmen vereinbart, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaften.

Nicht ohne die Mitarbeiter

„Sollte die Fusion zum weltgrößten Gasekonzern erfolgreich sein, darf das nicht ohne die Mitarbeiter geschehen“, betont Xaver Schmidt (IG BCE), Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Linde AG. Sie hätten Linde erst groß gemacht. Deshalb müssten betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein. Schmidt: „Wir haben unsere Punkte durchgesetzt und den Beschäftigten für den Fall einer Fusion Sicherheit erstritten.“

Weltweit größter Hersteller von Gasen

Durch die Fusion entstünde der weltweit größte Hersteller von Gasen. Linde mit Hauptsitz in München ist laut „Handelsblatt“ mit einem Umsatz von 18 Milliarden Euro, einem Gewinn von 1,15 Milliarden Euro und 64.500 Mitarbeitern sowie einer Marktpräsenz in 100 Ländern zweitgrößter Industriegasekonzern nach dem französischen Unternehmen Air Liquide (Umsatz 21,2 Milliarden Euro, 68.000 Mitarbeiter) und vor dem US-Unternehmen Praxair aus Danbury (Connecticut) mit 10,8 Milliarden Dollar Umsatz und 26.000 Mitarbeitern.

Vereinbarungen für Fusion von Linde und Praxair

Für den Fall einer Fusion von Linde und Praxair wurden unter anderem folgende Punkte vereinbart:

  • In Deutschland wurde der geplante Stellenabbau verringert.
  • Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 31. Dezember 2021 ausgeschlossen.
  • Der Standort Dresden wird nicht geschlossen.
  • Auch nach einer Fusion bleibt die Tarifbindung erhalten.

Beschäftigungssicherung im Inlandskonzern

Ein Eckpunktepapier zur Beschäftigungssicherung im Inlandskonzern von Linde wurde zwischenzeitlich durch eine Konzernbetriebsvereinbarung rechtlich abgesichert. Schmidt wertete die getroffene Vereinbarung als Erfolg für die Mitbestimmung. Das sozialpartnerschaftliche Miteinander und die Praxis der Mitbestimmung in Aufsichts- und Betriebsrat müssten weiter fortbestehen, fordert Schmidt. Gemeinsam mit den Gewerkschaften wollen die Betriebsräte diesen Prozess kritisch begleiten.

Büchele muss gehen

Nicht spurlos geht die Fusion am Vorstand vorüber. Vorstandschef Wolfgang Büchele stellt sein Amt sofort zur Verfügung. Für die Verhandlungen reaktiviert Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle seinen alten Vertrauten Aldo Belloni. Er bringt 34 Jahre Linde-Erfahrung, davon 14 Jahre im Vorstand der Linde AG mit und kehrt dafür eigens aus dem Ruhestand zurück. Er hat sich bis Ende 2018 als Vorstandchef verpflichten lassen.

Firmensitz wandert aus, „Linde“ bleibt

Zwar hat Praxair nach dem ersten gescheiterten Anlauf nun offenbar ausreichende Zugeständnisse an die Münchner gemacht. Allerdings soll der Firmensitz des neuen Konzerns im europäischen Ausland liegen, wahrscheinlich in London. Die deutschen Standorte sollen aber im Vergleich zu früheren Plänen gestärkt werden, wichtige Funktionen und Vorstandsposten in München, „Linde“ als Name des neuen Konzerns bleiben.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)