News | Geschäftsführung Betriebsrat
21.09.2016

Leiharbeit Sprungbrett für Ausländer

Wie all die ausländischen Arbeitskräfte in den deutschen Arbeitsmarkt integrieren? Diese Frage steht derzeit im Mittelpunkt des politischen Diskurses. Eine mögliche Antwort kommt vom IAB: Leiharbeit. Sie könne sich zumal für ausländische Arbeitnehmer als Sprungbrett erweisen.

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Sprungbretteffekt der Leiharbeit

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Sprungbretteffekt der Leiharbeit in eine andere Beschäftigung ist bei Ausländern überdurchschnittlich ausgeprägt. Am stärksten sei er bei türkischen Leiharbeitnehmern. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Beschäftigung in der Leiharbeit

Darin vergleicht die Arbeitsmarktforscherin Elke Jahn Arbeitslose, die eine Beschäftigung in der Leiharbeit gefunden haben, mit solchen, bei denen das nicht der Fall war. Ergebnis: Während der Beschäftigung in der Leiharbeit findet man eher eine Beschäftigung außerhalb der Leiharbeit.

Deutsche und ausländische Arbeitslose

Nach der Beschäftigung in der Leiharbeit finden dagegen deutsche Arbeitslose aufgrund einer Tätigkeit in der Leiharbeit später eher eine Tätigkeit außerhalb der Leiharbeit:

  • Die Wahrscheinlichkeit steige bei ihnen um 15 Prozent.
  • Bei arbeitslosen Ausländern steige die Wahrscheinlichkeit im Durchschnitt um 17 Prozent,
  • bei türkischen Arbeitslosen um 18 Prozent.

Arbeitslose vom Westbalkan

Anders hingegen bei Arbeitslosen aus den Westbalkanländern. Für sie erweist sich Leiharbeit in der Regel nicht als Sprungbrett in anderweitige Beschäftigung. Die IAB-Forscherin Jahn nennt zwei mögliche Faktoren, die hier eine Rolle spielen können:

  • Ungeklärter Aufenthaltsstatus vieler Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und für Einwanderer aus dem Kosovo oder Rückkehr in den letzten Jahren in ihr Heimatland.
  • Mangelndes Interesse dieser Personengruppen an einer anderweitigen Beschäftigung in Erwartung einer Heimkehr.

Zahl der Leiharbeitnehmer verdoppelt

Die Zahl der Leiharbeitnehmer hat sich nach IAB-Angaben in Deutschland in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Im Juni 2005 waren etwa 453.000 Personen im Leiharbeitssektor beschäftigt. Die Leiharbeitsquote lag damals bei 1,4 Prozent. Im Juni 2015 waren etwa 961.000 Personen oder 2,7 Prozent aller Beschäftigten in der Branche tätig. Im Jahr 2015 wuchs die Leiharbeit um rund fünf Prozent.

Ausländer in der Leiharbeitsbranche

Auch der Anteil der Ausländer in der Leiharbeitsbranche ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. 2015 lag er bei 25 Prozent. Der Ausländeranteil an allen Beschäftigten betrug dagegen zehn Prozent. Die mittlere Dauer einer Beschäftigung in der Leiharbeitsbranche liegt bei rund drei Monaten. Dies gilt für Deutsche wie für Ausländer, für vormals Arbeitslose wie für andere Leiharbeitnehmer.

Aus der Arbeitslosigkeit in einen Leiharbeitsjob

Etwa 70 Prozent der Leiharbeitnehmer waren vorher nicht beschäftigt. Der überwiegende Teil davon war zuvor arbeitslos, andere haben beispielsweise als Berufseinsteiger ein Leiharbeitsverhältnis aufgenommen. Deutsche, die aus Arbeitslosigkeit einen Leiharbeitsjob aufnehmen, waren im Mittel vorher drei Monate arbeitslos, Ausländer hingegen 3,6 Monate.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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