14.09.2017

Laschet: Es geht um die Menschen

Das Hickhack um die marode Fluglinie Air Berlin geht weiter. Bieter geben sich die Klinke in die Hand. Es geht um Slots, Flugzeuge, Linien. Wer aber kümmert sich um die Menschen? Politiker haben das jetzt Air Berlin-Betriebsräten versprochen. Nur Wahlkampfrhetorik?

Nicht nur über Flugzeuge und Slots reden

Geschäftsführung Betriebsrat. Es gehe nicht nur um Flugzeuge und Slots, sondern auch um das Personal. Das sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) letzte Woche bei einem Gespräch mit Betriebsräten von Air Berlin und Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD). Im Ringen um die Zukunft der Fluggesellschaft Air Berlin drängen einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge Berlin und Nordrhein-Westfalen mögliche Käufer, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. „Unser Ziel ist es, dass wir nicht nur über Flugzeuge und Slots reden, sondern auch über das Personal“, zitiert die Zeitung Laschet von dem Treffen. Es gehe um gute Arbeitsplätze. Düsseldorf und Berlin müssten wichtige Luftverkehrsstandorte bleiben. Sie haben die beiden größten Air-Berlin-Flughäfen.

Betriebsrat: Arbeitsplätze in Verwaltung und Technik in Gefahr

Vertreter des Air-Berlin-Betriebsrates bekräftigten in dem Gespräch mit den Politkern laut dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung und bei der Technik seien in Gefahr. Die meisten Investoren seien hauptsächlich am Flugbetrieb und damit an den Start- und Landerechten interessiert. Von den rund 8.000 Konzern-Beschäftigten arbeiten nach Angaben des Unternehmens 1.600 in der Verwaltung und 1.200 in der Technik. Im Cockpit sind 1.500 tätig und in der Kabine 3.700.

Müller: Käufer brauchen Personal

Müller sagte, die Käufer bräuchten nicht nur fliegendes Personal, sondern auch die Mitarbeiter aus Verwaltung und Technik. Müller hatte sich gegen eine Übernahme der insolventen Fluggesellschaft durch den Rivalen Ryanair ausgesprochen. Er attestierte diesem schlechte Arbeitsbedingungen. Ryanair hat inzwischen deutlich gemacht, kein Angebot abgeben zu wollen. Müller wertete dies als Beleg dafür, dass eine klare Positionierung der Politik im Sinne der Beschäftigten hilfreich sein könne.

Kein Verkauf von Blech

Christine Behle, Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), begrüßte laut einer Pressemitteilung ihrer Organisation das Gespräch mit den beiden Politikern. Es sei gut, dass die Politiker mit Arbeiternehmervertretern und Gewerkschaft ins Gespräch kämen und ebenfalls sähen, dass „es bei der Insolvenz von Air Berlin nicht nur um den Verkauf von Blech, sondern um die Menschen“ gehe. Es seien diese, die für Air Berlin gute Arbeitsleistungen erbracht hätten und immer noch erbrächten. Behle: „Für diese Menschen und ihre Familien müssen jetzt bei interessierten Unternehmen gute Arbeitsplätze und faire Übernahmebedingungen gefunden werden.“ Die bislang bekannten Bieter-Unternehmen hätten kein oder nur ein geringes Interesse an den Beschäftigten von Air Berlin. Daher sei es umso wichtiger, die Frage der Arbeitsplätze und der Übernahmebedingungen in den Fokus der Politik zu rücken. „Das ist mit dem heutigen Gespräch gelungen“, so die Gewerkschafterin nach dem Berliner Gespräch. Bundesweit seien zudem weitere Standorte betroffen. Auch hier müssten dringend Lösungen gefunden werden.

EU-Okay für Bürgschaft von 150 Millionen Euro

Die EU-Kommission hat der Bundesregierung erlaubt, Air Berlin mit einer Bürgschaft von 150 Millionen Euro zu helfen. Die Kommission habe das Vorhaben der Regierung „nach den EU-Beihilfevorschriften geprüft und genehmigt“, teilte die Behörde mit. Der Überbrückungskredit soll den Flugbetrieb der Airline weiter aufrechterhalten. Ihn hatte unter anderem der irische Konkurrent Ryanair kritisiert. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich erleichtert über das grüne Licht aus Brüssel für den Staatskredit. Nach Tagesspiegel-Informationen ist er noch nicht ausgezahlt.

Einhaltung von Auflagen sicherstellen

Air-Berlin-Konkurrentin Germania zog nach der Entscheidung aus Brüssel ihre Klage gegen die Staatshilfe zurück. Den Wettbewerbsbehörden obliege es nun, die Einhaltung von Auflagen sicherzustellen und einen freien Wettbewerb zu gewährleisten, heißt es in einer Erklärung der Fluggesellschaft. Entsprechendes gelte für einen transparenten und diskriminierungsfreien Ablauf des Bieterverfahrens, „damit die Schaffung von Monopolen vermieden wird und maximale Chancengleichheit im Markt erhalten bleibt“, mahnt Germania.

Liste der Kaufinteressenten für Air Berlin

Der Liste der Kaufinteressenten für Air Berlin wird unterdessen immer länger. Wie der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet, haben der Berliner Hostelbetreiber Alexander Skora und das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht jeweils ihren Hut in den Ring geworfen. Zeitfracht-Geschäftsführer Wolfram Simon kündigte demzufolge an, Air Berlin möglichst als Ganzes erhalten zu wollen. Insbesondere im Cargo-Bereich sehe man große Wachstumschancen und Erlöspotenziale. Zeitfracht hat nach eigenen Angaben 800 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Der Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl will laut „Handelsblatt“ Anfang dieser Woche ein Angebot abgeben.

Bieterfrist nur noch bis Freitag

Am 15. September endet die Bieterfrist für Air Berlin, am 21. September will der Gläubigerausschuss entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Zu den Interessenten für Air Berlin gehören allen voran die Mitbewerber Lufthansa, Easyjet und Condor. Ex-Formel-Eins-Star Niki Lauda prüfe noch, ob er ein Gebot für die einst von ihm gegründete österreichische Fluggesellschaft Niki abgeben will. Sie schreibt schwarze Zahlen und ist jetzt Teil des Air-Berlin-Konzerns.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)