News | Geschäftsführung Betriebsrat
05.09.2016

K+S-Betriebsrat will Zeichen setzen

Umweltschutz gegen Arbeitsplätze. Beim Düngemittelhersteller K+S in Philippsthal geht es ums Ganze. Über 4.400 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Grund: die Versalzung der Werra. Das Problem ist die Entsorgung. Betriebsrat und IG BCE haben für Donnerstag zur Großdemo aufgerufen.

Kaliabwässer© Leonardo Franko /​ fotolia.com

Saubere Umwelt

Geschäftsführung BetriebsratWas ist uns wichtiger: eine saubere Umwelt oder unsere Arbeitsplätze? Im hessischen Philippsthal gibt es wohl niemanden, der sich die Antwort darauf leichtmachen würde. Am wenigsten die Bergleute des Düngemittelkonzerns K+S und ihr Betriebsrat. Und doch muss irgendjemand irgendwann eine Antwort geben. Die Zeit drängt.

Problem Salzwasser

Die Beschäftigten und ihre Vertretung im Unternehmen will sie jetzt von Behörden und Politik einfordern. Die Umweltgefährdung durch den Kali-Abbau beschäftigt seit Jahren die Landespolitik in Hessen und Thüringen. Das Problem ist das bei der Düngemittelproduktion anfallende Salzwasser. K+S hat derzeit nur eine Übergangserlaubnis der hessischen Behörden zu dessen Entsorgung. Das Unternehmen darf es danach begrenzt und bis Jahresende in tiefe Gesteinsschichten versenken.

Belegschaft zunehmend verunsichert

Der Betriebsrat befürchtet nun, das Kontingent zur Versenkung von Salzabwasser könnte möglicherweise bereits Ende September aufgebraucht sein. Die Verunsicherung der Belegschaft wächst. Die Mitarbeiten fürchten um ihre Arbeitsplätze, wenn das Kontingent nicht ausgeweitet wird. „Wir hoffen, dass die Behörden ihren Ermessensspielraum ausschöpfen, um uns zu helfen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Harald Döll vor dem Wochenende laut „dpa“.

Menschenkette am 8. September

Mit einer Menschenkette am 8. September im hessisch-thüringischen Kalirevier wollen die Bergleute auf ihre Sorgen aufmerksam machen. Sie fordern die nötigen Genehmigungen. Sonst müsste die Produktion weiter gedrosselt werden. Es geht um 4.400 Arbeitsplätze im Werk Werra. Döll: „Wir wollen ein Zeichen setzen.“

Teilnehmer aus der ganzen Republik erwartet

Veranstaltet wird die Menschenkette vom K+S-Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Sie soll rund 13 Kilometer von Unterbreizbach über Philippsthal nach Heringen führen. Erwartet werden bis zu 10.000 ansässige Bergleute und anderer deutscher Standorte, Familienangehörige, Beschäftigte von Zulieferern und Menschen der Region.

Salzhaltige Produktionsabwässer

Der Entsorgungsengpass für salzhaltige Produktionsabwässer hat nach Angaben von Döll in diesem Jahr bereits für jeweils 50 Tage Kurzarbeit in den Werken Unterbreizbach in Thüringen und Hattorf in Hessen gesorgt. Davon seien insgesamt mehr als 1.000 Beschäftigte betroffen.

Grenzwerte in Trinkwasserbrunnen

Die unterirdische Versenkung von Kaliabwässern ist nach vorläufigen Modellrechnungen nicht unbedenklich, berichtet der „MDR“ unter Berufung auf das Regierungspräsidium Kassel am Freitag. Ein Prognosemodell der Auswirkungen der Versenkung zufolge würden die Grenzwerte in einigen Trinkwasserbrunnen überschritten. Die Werte seien aber noch nicht belastbar. Das Prognosemodell müsse weiter verbessert werden und sich an den tatsächlichen Messergebnissen messen lassen.

Wasserstand der Werra

Der zweite Entsorgungsweg über die Werra ist ebenfalls begrenzt. Er hängt vom Wasserstand des Flusses ab. Bei zu geringer Wasserführung des Flusses können die Salzkonzentrationen über den zulässigen Wert ansteigen. Rund 650 Beschäftigte des K+S-Werks Hattorf in Philippsthal mussten bereits Ende März in Kurzarbeit gehen. Wegen zu niedrigen Wasserstandes der Werra durfte das Werk nur weniger Salzabwasser in den Fluss leiten. Es musste deswegen die Produktion drosseln.

Bis 2021 versenken – oder Pipeline zur Nordsee

Thüringen wollte die Kurzarbeit in Unterbreizbach beenden. Mitte August hatten die Behörden deswegen vorübergehend die Einleitung von bis zu 200.000 Kubikmeter Lauge in das stillgelegte Grubenfeld Springen genehmigt. Zu einem späteren Zeitpunkt muss sie aber wieder abgepumpt werden. „Wir sind dankbar dafür. Thüringen hat sich um das Problem gekümmert“, so der Betriebsrat. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat für den Spätherbst einen Kali-Gipfel angekündigt.

Nach Einschätzung von Döll muss K+S trotz Investitionen in Anlagen zur Laugenverringerung noch bis 2021 Abwasser versenken – oder vorher eine Pipeline zur Nordsee bauen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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