News | Mitbestimmung
09.06.2015

Betriebsrat: Kritik an geplantem Edeka-Deal

Tengelmann will seine Läden an Edeka verkaufen. Am Dienstag ist eine erste Anhörung bei der Monopolkommission geplant. Doch der Chef der Lebensmittelkette verliert den Rückhalt beim Betriebsrat, berichtet das „Handelsblatt“.

Supermarktkasse© industrieblick /​ fotolia.com

Haub will verkaufen

Mitbestimmung. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will die Lebensmittelkette Kaiser’s Tengelmann an den Konkurrenten Edeka verkaufen. Dafür wäre die Zustimmung der Belegschaft nicht unwichtig. Tengelmann und Edeka haben für die vom Kartellamt untersagte Fusion eine Ministererlaubnis beantragt und dabei insbesondere mit der Sicherung der Arbeitsplätze argumentiert.

Ablehnung vom Betriebsrat

Doch beim Betriebsrat stößt der geplante Verkauf auf Ablehnung. „Die Behauptung Edekas, man wolle alle Arbeitsplätze übernehmen, erscheint uns fadenscheinig. Wir haben bisher dafür keinerlei verbindliche Garantie“, sagt Manfred Schick, Betriebsratsvorsitzender der wichtigen Tengelmann-Region München und Oberbayern und Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens, dem „Handelsblatt“.

Morgen Anhörung bei der Monopolkommission

Am morgigen Dienstag ist nach Informationen der Zeitung eine erste Anhörung der Beteiligten bei der Monopolkommission geplant. An ihr sollen neben Edeka und Tengelmann auch Vertreter von Rewe, der Gewerkschaft ver.di, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Markenverbandes teilnehmen.

Die Arbeitnehmervertreter fordern von einem Käufer

  • Sicherung der Beschäftigung,
  • Einhaltung der Tarifverträge,
  • Erhalt der Mitbestimmung, das heißt Schutz durch Betriebsräte, sowie
  • Verzicht auf eine Ausgliederung an selbstständige Kaufleute.

„Wir werden diese vier Forderungen gegenüber jedem möglichen Erwerber erheben. Edeka erfüllt sie bisher nicht“, so Schick.

Kritik an Informationspolitik der Unternehmensleitung

Unzufrieden zeigte sich der Arbeitnehmervertreter zudem mit der Informationspolitik der Unternehmensleitung. Bisher sei ihm die Einsichtnahme in den Kaufvertrag und auch in den Antrag auf Ministererlaubnis verwehrt.

Auch Mitbewerber kritisieren

Kritik an der Arbeitsplatzargumentation auch von den Konkurrenten. Rewe-Chef Alain Caparros kritisiert einem Bericht der „WirtschaftsWoche“ zufolge das Verhalten von Edeka beim Buhlen um Kaiser’s Tengelmann. Er wirft dem Konkurrenten vor, mit falschen Zahlen zu bedrohten Arbeitsplätzen operieren.

Caparros: Edeka trickst

Caparros: „Bei den Zahlen wird massiv getrickst. Von Edeka gibt es bis heute keine eindeutige Aussage darüber, wie viele Mitarbeiter sie übernehmen wollen. Edeka wird die 16.000 Arbeitsplätze nicht retten.“

Autor: Friedrich Oehlerking 

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