23.01.2019

Krankheitstage in der öffentlichen Verwaltung

Allgemein besteht die Auffassung, dass Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung häufiger erkranken als Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft. Diesem Phänomen nehmen sich die Behörden durch ein Gesundheitsmanagement an. Personalräte führen es vielfach auf Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zurück. Jüngst veröffentlichte der Bonner Generalanzeiger eine interessante Aufarbeitung möglicher Ursachen. Das Bundesarbeitsministerium verwies aber auf weniger Fehltage im Jahr 2017.

Krankheitstage

Ursache und Folgen des hohen Krankenstands

Der Bonner Generalanzeiger veröffentlichte am 29.12.2018 unter der Überschrift „Mehr als sieben Prozent Krankheitstage“ die hohe Krankenquote in der Bonner Stadtverwaltung und versuchte, den Ursachen hierfür auf die Spur zu kommen.

Im Jahr 2017 wurden bei der Stadtverwaltung Bonn 142.581 Arbeitstage aus Krankheitsgründen nicht erbracht. Das entspricht einer Krankenquote von 7,54 Prozent. Diese liegt über dem Mittelwert der Mitglieder des Deutschen Städtetages (6,96 Prozent). Noch eklatanter ist der Unterschied zum bundesweit durchschnittlichen Krankenstand aller Arbeitnehmer, wie er sich aus Studien der großen Krankenkassen ergibt: Sie wiesen für die vergangenen Jahre durchschnittlich Krankenquoten um die vier Prozent auf.

Fehlzeiten in öffentlichen Verwaltungen haben aus Sicht der Allgemeinheit zwei Konsequenzen. Zum einen bleiben Akten liegen und Vorgänge verzögern sich, zum anderen zahlt der Steuerzahler das Gehalt der fehlenden Mitarbeiter weiter. Die Verwaltung hat für die Lage in ihren Ämtern eine auf den ersten Blick paradox anmutende Erklärung: Die Mitarbeiter, so schreibt sie in einer Stellungnahme zum Thema, würden inzwischen stärker auf ihre Gesundheit achten. Ein Grund sei ein 2016 neu angelegtes betriebliches Gesundheitsmanagement. „Die Achtsamkeit und Bewusstseinssteigerung für das Thema Gesundheit hat sich massiv erhöht“, so die Verwaltung. Auch die Erfahrungen in anderen Kommunen zeigen, dass die Einführung eines solchen systematischen Gesundheitsmanagements „aus diesem Grund häufig zunächst mit einer Steigerung der Krankheitsquote einhergeht“.

Arbeitsverdichtung lässt Krankenstände steigen

Auf lange Sicht zeigt sich die Verwaltung optimistisch, den hohen Krankenstand drücken zu können. So seien die Krankheitstage bei den Langzeiterkrankten 2017 leicht rückläufig und naturgemäß erhofft man sich auch infolge des Gesundheitsmanagements mittelfristig nicht mehr, sondern weniger Krankmeldungen. Gleichwohl verweise auch der Städtetag bei seinen Erklärungen für hohe Krankenstände auf die seit Jahren stärker werdende Arbeitsverdichtung.

Dass im Dienstleistungszentrum des Bürgeramts die Krankenquote noch einmal über dem Bonner Durchschnitt liegt, erklärt die Verwaltung mit dem dort herrschenden Publikumsverkehr. Dies sei in anderen Städten nicht anders. Eine nach Ämtern sortierte Auswertung gebe es noch nicht, befinde sich aber in Vorbereitung.

Der Personalratsvorsitzende verweist auf den Anstieg der Krankenquote um 0,35 Prozentpunkte. Auch die Überstunden bei der Stadt seien nur scheinbar rückläufig, wenn man die Zahl um Sondereffekte bei der Feuerwehr bereinige. Seine Schlussfolgerungen: Zwar sei die Intensivierung des Gesundheitsmanagements der richtige Ansatz, um die Gesundheit der Mitarbeiter in den Fokus zu rücken und die Krankenquote zu reduzieren. Die Ursache der Arbeitsverdichtung aber seien die in der Haushaltssatzung verankerte Wiederbesetzungssperre und der Einstellungsstopp, deren Streichung der Personalrat fordert. Der Personalrat wolle in 2019 den Abschluss einer Dienstvereinbarung zum Überstundenabbau auf den Weg bringen.

Weniger Fehltage, aber mehr Stress

668 Millionen Tage haben Arbeitnehmer im Jahr 2017 krankheitsbedingt gefehlt. Das geht aus einem Bericht des Bundesarbeitsministeriums hervor, der dem Bundeskabinett vorgelegt worden ist und über den die „Bild“-Zeitung berichtete. Im Vergleich zu 2016 ist demnach die Zahl der Fehltage leicht gesunken; damals waren es 675 Millionen. 107 Millionen Fehltage wurden infolge psychischer Erkrankungen registriert – zehn Jahre zuvor lag diese Zahl noch bei 48 Millionen.

Bei vielen Unternehmen fehle es „an der erforderlichen Sensibilität“ für seelische Belastungen, sagte Staatssekretär Böhning aus dem Bundesarbeitsministerium der Zeitung. „Vor allem Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit und die vielfach beklagte Unsicherheit aufgrund befristeter Jobs belasten viele Arbeitnehmer.“

Als eines der zentralen Probleme benennt der Bericht laut Zeitung die ständige Erreichbarkeit per Mail, SMS oder Telefon. Dies gehe „mit einer schlechteren gesundheitlichen Situation der Beschäftigten einher.“ In der Freizeit abschalten können demnach 34 Prozent der Beschäftigten, von denen ständige Erreichbarkeit erwartet wird. Bei anderen Arbeitnehmern sind es 55 Prozent.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)