News | Personalrat
16.11.2015

Krankenkassenbeiträge auf dem Prüfstand

Wie beim NDR zu erfahren war, sitzen Fachleute derzeit zusammen, um über die Entwicklung der Krankenversicherungskosten in den nächsten Jahren zu beraten. Wachsende Arzthonorare und eine kostspielige Krankenreform spielen dabei offenbar eine große Rolle. Auch die bei Gutverdienern von der Bundesregierung beabsichtigte Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung von ca. 100 Euro monatlich dürfte einbezogen werden. Ziel ist eine Prognose zur besseren Planung.

Krankenkassenbeitraege© RomoloTavani /​​​​​​​​​ iStock /​​​​​​​ ​​​​​​Thinkstock

2016 fehlen den gesetzlichen Krankenkassen voraussichtlich drei Milliarden Euro. Und das, obwohl die Kassen dank der guten Konjunktur eigentlich gut gefüllt sind. Doch wachsende Arzthonorare, eine kostspielige Krankenreform und rasant steigende Arzneimittelausgaben belasten die Krankenkassen zunehmend. Mit dem Flüchtlingsstrom hat die Schieflage dagegen nichts zu tun. Die Gesundheitskosten von Asylbewerbern werden vom Staat bezahlt, nicht von den Krankenkassen.

Der Schätzerkreis geht davon aus, dass der durchschnittliche Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung im kommenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte steigen muss. Endgültig wird dieser Wert jedoch vom Bundesgesundheitsministerium festgelegt. Eines steht aber jetzt schon fest: Die Mehrkosten müssen allein die Versicherten zahlen. Die Große Koalition hatte vor zwei Jahren entschieden, dass der Anteil, den die Arbeitgeber für die Krankenversicherung eines Mitarbeiters zahlen, bei 7,3 Prozent eingefroren wird. Der Arbeitnehmer zahlt ebenfalls 7,3 Prozent plus einen Zusatzbeitrag, der von Krankenkasse zu Krankenkasse verschieden ist. Im Schnitt liegt dieser Durchschnittsbeitrag derzeit bei 0,9 Prozent. Es gibt aber auch Kassen, die einen niedrigeren Satz verlangen, einige wenige verlangen auch etwas mehr.

Rücklage anzapfen oder Krankenkassenbeiträge erhöhen?

Jetzt müssen die einzelnen Krankenkassen entscheiden, wie sie mit der Prognose umgehen. Können oder wollen sie die Finanzierungslücke mit Rücklagen ausgleichen? Reicht das, um den Zusatzbeitrag stabil zu halten? Dann riskieren sie allerdings, dass der Beitragssprung 2017 noch höher ausfallen müsste. Oder bitten sie die Versicherten jetzt schon zur Kasse und riskieren, dass sie zu einem günstigeren Mitbewerber wechseln? Hinzu kommt: Wer seinen Zusatzbeitrag über den Wert des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von voraussichtlich 1,1 Prozent (0,9 plus 0,2 Prozent) anhebt, der muss seine Kunden sogar ausdrücklich auf die Wechselmöglichkeit hinweisen.

Autor: Werner Plaggemeier (Werner Plaggemeier ist Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“. )

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