Fachbeitrag | Wirtschaftswissen
20.01.2015

IMK: Konjunktur nimmt langsam Fahrt auf

Die Konjunktur in Deutschland belebt sich wieder. Jedenfalls wenn man den Prognosen eines unverdächtigen Instituts, dem IMK der Hans-Böckler-Stiftung, glauben darf. Es veröffentlichte jetzt seine Zahlen – und danach dürfte auch die Beschäftigung steigen und die Arbeitslosigkeit abnehmen. Aber nur, wenn es zu kräftigen Lohnerhöhungen kommt, so die Wissenschaftler. Also gutes Argumentationsmaterial für Betriebsräte.

IMK: Konjunktur nimmt langsam Fahrt auf© Delpixart /​ iStock /​ Thinkstock

 Köln. 16. Januar 2015 – Das Wirtschaftswachstum lässt die Beschäftigung weiter stärker steigen, die Arbeitslosigkeit stärker sinken, als bislang angenommen. Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland nimmt 2014 um rund 370.000 Personen oder 0,9 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Konjunktur: Einfluss auf die Zahl der Arbeitslosen

2015 steigt sie demnach um weitere 280.000 (0,7 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen nimmt im Jahresdurchschnitt 2014 um etwa 51.000 auf rund 2,9 Millionen Menschen ab. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent.

2015 wird den Forschern zufolge die Zahl der Menschen ohne Job erneut um 64.000 im Jahresdurchschnitt zurückgehen. Die Quote läge dann bei 6,5 Prozent.

Steigende Löhne tragende Säule für Binnennachfrage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte laut IMK 2014 um 1,5 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. Im kommenden Jahr dürfte danach die deutsche Wirtschaft um durchschnittlich 1,6 Prozent wachsen. Gestützt auf die positive Arbeitsmarktentwicklung und auf steigende Löhne werde die Binnennachfrage tragende Säule der Wirtschaftsentwicklung bleiben. Zusätzlich verbessere sich im kommenden Jahr das Klima im Außenhandel. Grund: in den USA, den Schwellenländern außer Russland und auch innerhalb Europas wird die Nachfrage nach deutschen Waren zunehmen.

Schwacher Eurokurs, niedriger Ölpreis

Der niedrigere Ölpreis und der relativ schwache Eurokurs stützten die deutschen Exporte zusätzlich. In diesem Umfeld dürften auch die Unternehmen wieder mehr investieren, nachdem sie sich 2014 weitgehend zurückgehalten haben.

Jahr der großen Gefühle

„2014 war konjunkturell ein Jahr der großen Gefühle. Wir haben fast alles gesehen: Euphorie im Frühjahr, dann eine drastische Eintrübung und im Herbst sogar Rezessionsängste“, resümiert Prof. Dr. Gustav A. Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK. Unter dem Strich habe sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen Umfeld gut behauptet, so Horn. „Vor allem, weil eine stabile Konsumnachfrage die Abschwächung bei Exporten und Investitionen abfangen konnte.“ Wichtig sei, dass die Konjunktur auf zwei Beinen steht. Das zweite, die private Nachfrage der Konsumenten, sollte, so Horn, noch weiter gestärkt werden.

Spürbare Lohnerhöhungen und Mindestlohn

Dieser Prozess gehe aber voran, wenn es im kommenden Jahr zu spürbaren Lohnerhöhungen kommt.“ Auch der allgemeine gesetzliche Mindestlohn begünstige dies. Die Düsseldorfer Konjunkturexperten rechnen damit, dass durch die neue Untergrenze die Bruttolohn- und Gehaltssumme in 2015 und den Folgejahren um insgesamt rund ein Prozent wachsen wird. „Auch deshalb sind wir recht optimistisch: Der Trend geht nach oben“, erklärt Horn.

Bildnachweis: © Delpixart / iStock / Thinkstock

Autor: Friedrich Oehlerking 

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