06.10.2017

Kötter-Betriebsrat wehrt sich gegen Vorwürfe

An den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn müssen Passagiere warten. Grund offenbar: massive Personalprobleme bei der Sicherheitsfirma. In „Bild“ erheben Mitarbeiter Vorwürfe gegen deren Betriebsrat. Er soll zu Krankmeldungen aufgefordert haben. Absurd, so Gewerkschaft ver.di.

Kötter Krankmeldungen

40 Minuten Anstehen am Sicherheitscheck

Geschäftsführung Betriebsrat. Querelen um lange Wartezeiten nicht nur an den Sicherheitskontrollen am Düsseldorfer Flughafen. Zuletzt hatten auch Passagiere am Köln/Bonner Flughafen zeitweise bis zu 40 Minuten am Sicherheitscheck angestanden. Das berichtet „RP online“. Zuständig dafür ist die Sicherheitsfirma Kötter Aviation Security. Sie stellt im Auftrag der Bundespolizei das Sicherheitspersonal für die Personen- und Gepäckkontrollen an beiden Flughäfen. Täglich fehlen bis zu 75 Kräfte. Insgesamt arbeiten an beiden Flughäfen rund 1500 Mitarbeiter für Kötter. Unternehmenssprecher ist Thomas Hüser. Er führt die Probleme auf einen teilweise sehr hohen Krankenstand zurück. Der habe an bestimmten Tagen bis zu 21 Prozent betragen – ein Negativrekord.

Krankmeldungen gegen Überlastung?

Zunächst hatte „Bild“ über die langen Wartezeiten in Köln berichtet. Das Blatt spekulierte, Kötter-Mitarbeiter könnten sich zum Ausstand verabredet haben. Daraufhin hatten sich mehrere Düsseldorfer Kötter-Mitarbeiter gemeldet. Deren schwerwiegender Vorwurf, geäußert in einem Brief an „Bild“ sowie mündlich gegenüber Kötter: Der Betriebsrat habe die Mitarbeiter eigens dazu angehalten, sich krank zu melden, um zu zeigen, wie überlastet die Sicherheitskontrollen seien. Das bestätigte Hüser gegenüber „RP online“.

Vorwürfe völlig absurd?

Özay Tarim, Gewerkschaftssekretär von ver.di, weist diese Vorwürfe „in aller Schärfe“ zurück. Das sei „völlig absurd“, so Tarim. Er vermute dahinter eine Inszenierung, um von der Tatsache abzulenken, dass die Arbeitsbelastungen des Sicherheitspersonals zu groß seien und dies die Mitarbeiter krank mache. In den vergangenen Wochen hatte es am Flughafen Düsseldorf immer wieder massive Personalengpässe bei der Sicherheitsfirma Kötter gegeben.

Kötter soll Belegschaft reinwaschen

Tarim verlangte vorige Woche auf der Betriebsversammlung von Kötter eine Klarstellung. Sie solle die Belegschaft vom Geruch reinwaschen, man verabrede sich zum Krankfeiern. Laut Hüser ist der Krankenstand in Köln mittlerweile auf 15 Prozent gesunken. Zudem wurde die Bundespolizei als Auftraggeber über die Vorwürfe informiert.

Besucherterrasse geschlossen

Seit Wochen gibt es immer wieder lange Schlangen bei der Sicherheitskontrolle. Das Personal-Chaos am Airport treffe laut „Bild“ auch Nicht-Flieger. Die Besucherterrasse bleibe bis auf weiteres geschlossen. Fünf Mitarbeiter der Firma Klüh sorgten dort eigentlich für Sicherheit. Sie würde aber bei den Gepäckkontrollen gebraucht. „Die Klüh-Mitarbeiter werden angesichts der aktuellen operativen Herausforderungen an anderer Stelle benötigt“, habe ein Flughafensprecher bestätigt.

Kopfprämien für vermittelte Luftsicherheitsassistenten

Der Engpass beim Sicherheits-Personal treibt die zuletzt kritisierte Firma Kötter laut „Bild“ zu einer besonderen Aktion. Sie zahlt demnach Kopfprämien für vermittelte „Luftsicherheitsassistenten“ 300 bis 600 Euro für jede neue Kraft. Das Blatt veröffentlicht dazu eine Abbildung der Broschüre, mit der Kötter neue Mitarbeiter suche. „Durchführung von Fluggast- und Gepäckkontrollen“ steht ganz vorne in den Stellenanzeigen für neue Mitarbeiter. Lässt ein vermittelter Interessent sich ausbilden und wird von Kötter übernommen, gebe es 300 Euro. Das Doppelte zahle das Sicherheitsunternehmen, wenn ein bereits ausgebildeter Luftfahrtassistent vermittelt wird.

Schnalke eingeschaltet

In das „Warteschlangen-Chaos am Flughafen Düsseldorf“ („Bild“) habe sich der Chef des Flughafens Thomas Schnalke eingeschaltet. „Die vielen Gespräche, die wir mit Bundespolizei und der Firma Kötter geführt haben, haben bei uns den Eindruck hinterlassen, dass Verbesserungen immer nur angekündigt, aber nicht realisiert wurden“, so Kötter laut „Bild“. Der Airport prüfe rechtliche Schritte und wolle notfalls „eigenständig Ersatzmaßnahmen in die Wege leiten“. Ob das plötzliche Schnalke-Machtwort etwas mit dem Flug von Düsseldorfs Oberbürgermeister und Flughafen-Aufsichtsrats-Vorsitzender Thomas Geisel (SPD) zu Kanzlerin Angela Merkel nach Berlin zu tun hat, ist nicht bestätigt. Geisel war dabei selbst in das Airport-Chaos geraten.

Kölner Jahresbilanz von Personalproblemen überschattet

Auch der Kölner Airport-Chef Michael Garvens zeigte sich bereits im April bei der Vorstellung der Jahresbilanz seines Flughafens über die Personalprobleme unzufrieden. „Das ist inakzeptabel!“, zitierte ihn schon damals „Bild“. Damals berichtete das Blatt über Fälschungsvorwürfe gegen Kötter im vergangenen Jahr bei Fortbildungsbescheinigungen. Untersuchungen der Bezirksregierung Düsseldorf und des zuständigen Ministeriums hätten damals den Anfangsverdacht bestätigt.

Autor: Oehlerking