News | Arbeitsrecht
10.06.2015

KiK: BR-Kündigung Angriff auf Arbeitnehmerrechte

Wer ein Zeitungsinterview gibt – fliegt. So offenbar das Motto bei Textildiscounter KiK. Er kündigte unter anderem aus diesem Grund einem Betriebsrat. Das geht gar nicht, befanden nun die „Linke“-Politiker Sahra Wagenknecht und Bernd Riexinger. Sie solidarisieren sich mit dem Betriebsrat.

Kik - Kündiung BR© Marco2811 /​ fotolia.com

Vorwürfe an KiK

Arbeitsrecht. Arbeiten in zwei jeweils zehnstündigen Schichten, ein Überstundenkonto der meisten Mitarbeiter zwischen 70 und 160 Stunden, Überlastung des Zentrallagers in Bönen und dementsprechend der Belegschaft, 2014 einen Auftragszuwachs von 13 Prozent. „Der Druck ist enorm“ – die Vorwürfe von KiK-Betriebsrat Andreas Piezocha haben es in sich.

Piezocha-Interview in „Linke“-Zeitung

Die Reaktion der Unternehmensleitung nicht weniger: sie kündigte dem unbequemen Betriebsrat. Ihr Pech: Piezocha hatte die Vorwürfe in der Zeitung der Arbeitsgemeinschaft Betrieb und Gewerkschaft der Partei „Die Linke“ erhoben. Das rief jetzt die Parteispitze auf den Plan. Die nordrhein-westfälische „Linke“ verurteilte prompt das Vorgehen der KiK-Geschäftsführung als „ungeheuerlich“ und sprach Betriebsrat Piezocha ihre volle Solidarität aus.

Wagenknecht und Riexinger: Angriff auf Arbeitnehmerrechte

In ihrer Erklärung betonen laut Internetplattform „lokalkompass.de“ die erste stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sarah Wagenknecht, und der „Linke“-Parteivorsitzende Bernd Riexinger, dass die Kündigung des Betriebsrats nicht nur ein Angriff auf den Betriebsrat darstelle, sondern auch auf die Arbeitnehmerrechte und die Meinungsfreiheit.

Einschüchterungsversuch gegen missliebigen Betriebsrat

Die Kündigung diene offensichtlich nur dem Zweck, einen missliebigen Betriebsrat einzuschüchtern. Dies überrasche schon deshalb nicht, weil sich KiK dazu entschieden habe, eine Anwaltskanzlei zu engagieren, die sich auf den Kampf gegen Betriebsräte und Arbeitnehmermitbestimmung spezialisiert habe.

ver.di mit Piezocha solidarisch

Piezocha wurde am 16. Mai 2014 in den KIK-Betriebsrat gewählt. Damals gab es den Angaben zufolge 41 Verdi-Mitglieder. Bis zum Streik im Dezember 2014 wuchs die Zahl auf 225 an. „Seitdem habe ich schon mehrere Abmahnungen bekommen“, zitiert lokalkompass.de Piezocha, „einmal, weil er die Pause vier Minuten überzogen haben soll, einmal, weil er acht Minuten zu spät zur Arbeit gekommen sei. Piezocha ist Mitglied in der Gewerkschaft ver.di. Sie stehe hinter ihm und stellte ihm einen Anwalt.

Autor: Friedrich Oehlerking 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen