News | Mitbestimmung 17.06.2016

Jugendliche wollen mitbestimmen

Anspruch und Wirklichkeit. Dazwischen sind oft Welten. Beispiel: Mitbestimmung und Betriebsratswesen. Viele jugendliche Beschäftigte würden ja gerne mitbestimmen. Allein, oft fehlt es am nötigen Praxiswissen. Vor allem Betriebsräte sind vielen ein Buch mit sieben Siegeln.

Bild von Mitbestimmung unter jugendlichen Beschäftigten

Mitbestimmung. Stell‘ dir vor, wir dürfen mitbestimmen – wir wissen nur nicht, wie. So stellt sich derzeit das Bild von Mitbestimmung unter jugendlichen Beschäftigten dar. Jungen Leuten ist sie zwar wichtig; allerdings mangelt es häufig an Wissen, wie Arbeitnehmerbeteiligung in der Praxis funktioniert. Den Schülern und Studenten fehlen die Anknüpfungspunkte ans Arbeitsleben. So das Ergebnis einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten repräsentativen Umfrage unter mehr als 3.000 Menschen ab 15 Jahren in Deutschland.

Mitbestimmung?  Betriebsräte? Schon mal gehört?

Die Meinungsforscher am Lehrstuhl für Arbeit, Personal und Organisation an der Universität Duisburg-Essen fragten dabei:

  • Was denken junge Menschen über Mitbestimmung?
  • Wissen sie, wozu Betriebsräte gut sind?
  • Wie wichtig ist ihnen, dass Beschäftigte im Betrieb mitentscheiden dürfen?

Weisheit des Alters

Besonders überraschend die Frage nach der Arbeit von Betriebsräten:

  • über gute oder sehr gute Kenntnisse verfügen lediglich 13 Prozent der 15- bis 20-Jährigen,
  • immerhin noch 27 Prozent der 21- bis 25-Jährigen.

Erst mit steigendem Alter und längerer Berufstätigkeit nimmt das Wissen über Betriebsräte zu. Fast jeder Zweite der über 40-Jährigen gibt an, dass er sich mit dem Thema auskennt.

Bedeutsame Antworten

Für seine Studie hat er insgesamt 3.203 Personen befragt. Die Antworten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in diesem Sample seien deshalb so bedeutsam, weil ihre Einstellungen „die künftige Arbeitswelt prägen werden“, so Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Werner Nienhüser.

Mitbestimmung und Demokratie

Generell verbinden mit dem Begriff „Mitbestimmung“ viele junge Leute eher allgemeine Zusammenhänge wie Demokratie oder Politik. Die wenigsten denken an die Mitbestimmung am Arbeitsplatz – dies ist lediglich bei fünf Prozent der 15- bis 20-Jährigen der Fall, in der Gruppe der 21- bis 25-Jährigen sind es neun Prozent.

Praktische Erfahrungen Fehlanzeige

Überrascht hat dieser Befund Nienhüser nicht. Den Jüngeren, mehrheitlich Schüler oder Studenten, fehlten oft die praktischen Erfahrungen und die persönliche Betroffenheit. Nur wenige hätten bereits in einem Betrieb gearbeitet; auch weil die früher weit verbreitete Ferienarbeit, insbesondere die harte Arbeit am Fließband, seltener wird.

Früh lernt, was ein Betriebsrat werden will

Aber auch bei den Auszubildenden verbinden nur acht Prozent mit Mitbestimmung betriebliche Sachverhalte. Offenbar würden in der Berufsausbildung wie auch in Schulen oder den Universitäten kaum Kenntnisse über Mitbestimmung vermittelt. Was lernen wir daraus: Was Heinerle nicht gelernt hat, lernt Heinrich nimmer mehr. Das gilt auch im Betriebsratswesen und bei der Mitbestimmung.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)