News | Mitbestimmung 10.02.2016

Johnson Controls-Betriebsrat will Aufklärung von Konzernleitung

Die Automobilindustrie schreibt schwarze Zahlen – und bei Automobilzulieferer Johnson Controls regiert der Rotstift. Die Betriebsräte sind nur noch sauer. In einem Offenen Brief fordern die Mitarbeiter vom Arbeitgeber Aufklärung, wie es weitergehen soll.

Rennfahrer in den Wolken

Zukunft von Johnson Controls ungewiss

Mitbestimmung. Geht ihre Sparte nun an die Börse oder nicht? Und was geschieht dann mit der Belegschaft? Bei Automobilzulieferer Johnson Controls im hessischen Dautphetal geht die Angst unter den Beschäftigten um. Antwort erhoffen sie sich nun vom Management des Lahnwerks in Friedensdorf bei Dautphetal.

Offener Brief an die Unternehmensleitung

Über 450 Menschen haben einen Offenen Brief an die Unternehmensleitung unterzeichnet. Darin fordern sie Offenheit über die Zukunft des Standorts. Im Gespräch mit dem „Hinterländer Anzeiger“ (HA) bekräftigt der Betriebsrat des Unternehmens seine Forderungen.

Aufklärung zur Beschäftigungssicherheit

Und die gipfeln vor allem in einem: Aufklärung zur Beschäftigungssicherheit. Wird der gesamte Standort geschlossen? Oder werden nur Arbeitsplätze abgebaut? Und, wenn ja, wie viele in welchen Bereichen? Betriebsratsmitglied André Betz: „Die Stimmung ist hinreichend schlecht.“ Täglich pendele ein Großteil der Beschäftigten zwischen Angst, Hoffnung und Verzweiflung. „Die Leute hängen in der Luft. Wir wissen einfach nicht, wie es weitergeht“, ergänzt Betz‘ Kollegin Heike Müller.

Beschäftigungssicherung von 2011

Zu Hochzeiten hätten in dem Lahnwerk dereinst 1400 Menschen gearbeitet. Jetzt sind es laut Betriebsrat Erhan Yazici noch knapp 750. Zwar habe es bis Ende vergangenen Jahres eine Beschäftigungssicherung gegeben. Die hatte man 2011 abgeschlossen. Bis Ende 2015 seien aufgrund natürlicher Fluktuation bereits deutlich weniger als die darin festgeschriebenen 900 Menschen in Friedensdorf beschäftigt gewesen. Ende offen?

Gespräche mit Betriebsrat und Mediator

Insbesondere 2014 und 2015 habe man intensive Gespräche mit dem Betriebsrat über ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Werk Dautphetal geführt, beteuert Unternehmenssprecher Ulrich Andree. Dabei habe man, begleitet von einem externen Mediator, dem Betriebsrat verschiedene Vorschläge für ein solches Konzept unterbreitet.

Vorschläge des Arbeitgebers auf Betriebsratsseite nicht konsensfähig

„Das Mediationsverfahren wurde im Ergebnis erfolglos abgebrochen, weil keiner der Vorschläge des Arbeitgebers auf Betriebsratsseite konsensfähig war“, erklärt Andree. Man analysiere regelmäßig die wirtschaftliche Situation aller Werke. Die Analysen für das Werk in Dautphetal seien erneut aufgenommen, aber noch nicht abgeschlossen.

Hoffen auf eindeutige Botschaft

Sollte sich hieran etwas ändern, will die Konzernleitung „den Betriebsrat selbstverständlich informieren“. Doch zusammen mit der Gewerkschaft hofft der Betriebsrat schon vorher auf „eine Botschaft“, so der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Herborn, Hans-Peter Wieth. Was geschieht, wenn diese ausbleibt, möchte er laut HA „nicht sagen“.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)