News | Geschäftsführung Betriebsrat
09.12.2015

Interessenvertretung: Produktiver mit Betriebsrat

Produktivität eines Unternehmens und betriebliche Interessenvertretung – ein Widerspruch? Oder befruchtet letzteres nicht gar das erste? Dieser Frage geht eine Studie nach. Über sie berichtet das aktuelle „Boeckler Impuls“ (18/2015) – und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

© alphaspirit /​ fotolia.com

Moral, Recht, Wirtschaftlichkeit

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Abwehr von Interessenvertretung ist manchen Unternehmen ein Dorn im Auge. Um ihn zu beseitigen, lässt man schon mal sogar für gutes Geld entsprechende Berater anheuern. Damit bewegt man sich allerdings nicht nur in einer moralisch und meist zudem rechtlich fragwürdigen Grauzone, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall Bayern. Solche Unternehmen lägen damit auch wirtschaftlich schief.

Betriebsräte langfristig gut für Produktivität

Betriebsräte seien langfristig gut für die Produktivität, wenn auch nicht gleich auf Anhieb. Das Ergebnis variiere abhängig von der zeitlichen Entwicklung. In den ersten beiden Jahren nach Neugründung eines Betriebsrats sinke die Wertschöpfung pro Arbeitnehmer um gut fünf Prozent. Dann beginne eine Umkehr. Ab dem fünften Jahr entstehe ein „stetiger und substanzieller Zuwachs“. 15 Jahre nach der Betriebsratsgründung schließlich liege die Produktivität um durchschnittlich 25 Prozent höher.

Wie entwickelt sich Produktivität bei betrieblicher Interessenvertretung?

Diese Ergebnisse hätte eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg erbracht. Aus ihr zitiert die aktuelle Ausgabe von „Boeckler Impuls“. In der Studie wurden die Daten aus Betrieben mit mindestens fünf Mitarbeitern in den Jahren 1998 bis 2013 mit der Fragestellung untersucht, wie sich die Produktivität in Verbindung zu betrieblicher Interessenvertretung entwickelt.

Anfänglicher Rückgang der Produktivität

Die Forscher der beiden Institute zeigen sich demnach trotz einiger nicht messbarer Aspekte überzeugt, dass ihre Ergebnisse auf einem ursächlichen Zusammenhang basieren. Den anfänglichen Rückgang der Produktivität hingegen führen sie weniger auf die Arbeit des Betriebsrats an sich zurück. Vielmehr erfolgten Neugründungen häufig in Situationen, die bereits durch wirtschaftliche Schwierigkeiten geprägt sind.

Anlaufphase braucht Zeit

Anschließend vergehe wie bei jeder einschneidenden Änderung im Unternehmen eine gewissen Anlaufphase, bis sie effektiv greift. Von daher seien Betriebsratsgründungen, so die Forscher, „gewiss kein Mittel, um die Produktivität kurzfristig zu steigern“ – auf Dauer jedoch trügen sie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bei.

Betriebsräte müssen erst Erfahrung sammeln

Überdies verweisen die beiden Autoren der Studie Steffen Müller und Jens Stegmaier auf Lernprozesse. Um wirksam Einfluss nehmen zu können, müssten Betriebsräte zunächst Erfahrungen sammeln und sich beim Management Respekt verschaffen, was bisweilen mit Konflikten verbunden sei. Auch brauche eine Änderung der Unternehmensstrategie – hin zu einem hochproduktiven Geschäftsmodell – eine gewisse Zeit.

Vertrauensvolle Beziehungen wichtig

Die Ergebnisse zeigten, wie wichtig vertrauensvolle Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg seien. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft werde durch die betriebliche Mitbestimmung gestärkt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen