News | Geschäftsführung Betriebsrat
03.08.2015

Insolvenz bei Also Logistic absichtlich?

Wurde die erneute Insolvenz von Also Logistic Services in Augsburg gezielt herbeigeführt? Diesen Vorwurf zumindest erheben die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat des Unternehmens gegen den Investor, Milliardär Walter Droege. Die Mitarbeiter bei den Schwesterfirmen Weltbild Retail und Also Logistic Services reagierten „schockiert“.

Insolvenz Also Logistic© Janina Dierks /​ fotolia.com

Also Logistic Services stellt Insolvenzantrag

Geschäftsführung Betriebsrat. Also Logistic Services in Augsburg hat letzten Dienstag Insolvenzantrag gestellt. „Das ist der Versuch des Milliardärs Walter Droege, sich auf Kosten der Allgemeinheit weiter zu bereichern“, so Thomas Gürlebeck, ver.di-Sekretär für den Handel in Augsburg laut einem Bericht von „borsenblatt.de“. Droege wälze alles auf den Steuerzahler ab: Insolvenzgeld, Arbeitslosengeld, Sozialversicherungen, so Gürlebeck.

Verluste von rund 4 Millionen Euro

Erst im letzten Jahr hatte die Also Holding AG mit Sitz im schweizerischen Emmen bei Luzern aus der Insolvenzmasse der Weltbild deren Logistikaktivität herausgekauft und seither als heutige Also Logistics Services GmbH, Augsburg, weiterbetrieben. Eigenen Angaben zufolge hat diese im ersten Halbjahr Verluste von rund 4 Millionen Euro verursacht. Die Abbaumaßnahmen im Personalbereich hätten bisher nicht wie geplant realisiert werden können, die Umsätze seien rückläufig, heißt es in einer Konzernmitteilung ebenfalls vom Dienstag letzter Woche.

Nicht wettbewerbsfähig

Das Unternehmen könne daher angesichts seiner Kostenstruktur ohne umfassende Restrukturierung nicht wettbewerbsfähig im Markt agieren. Folge: Der Also-Konzern entschied letzten Montag, die weitere Finanzierung des laufenden Geschäftes der Logistik-Tochter in Augsburg einzustellen. O-Ton Also Holding AG: „Die Geschäftsführung der Also Logistics Services GmbH steht – wenn keine weiteren Finanzierungsmittel zur Verfügung stehen – nunmehr vor der Entscheidung, Insolvenzantrag zu stellen.“ Was einen Tag später dann ja auch geschah.

Also-Umsatz 3,7 Milliarden Euro

Der Also-Konzern sieht sich europaweit als das drittgrößte Handels- und Logistikunternehmen für IT, Telekommunikation und Consumer Electronics. Sein Umsatz verbesserte sich eigenen Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 11,9 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern (EBT) stieg demnach trotz hoher Verluste der Also Logistics Services GmbH von 30,5 Millionen Euro auf 36,2 Millionen Euro (+18,7 Prozent) und der Konzerngewinn von 21,0 Millionen Euro auf 24,4 Millionen Euro (+16,4 Prozent). Die entstehenden einmaligen Restrukturierungskosten für den Also-Konzern werden im zweiten Halbjahr auf rund 8 Millionen Euro geschätzt.

Zeitgleich Insolvenzantrag und Gewinnmeldung

Dass der Also-Konzern zeitgleich mit dem Insolvenzantrag die Öffentlichkeit über gestiegene Jahresgewinne informiert habe und im gleichen Atemzug die Augsburger Verluste von rund vier Millionen im ersten Halbjahr als Grund für die Insolvenz angebe, sei für Gürlebeck „skandalös“, so „börsenblatt.net“.

Grenzen der Legalität

Der Betriebsrat von Weltbild und ver.di griffen Investor Walter Droege an. Sie hätten ihm unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. „Wir werden das Insolvenzverfahren genau beobachten“, kündigt Gürlebeck dem Bericht zufolge an, „Wenn Droege in seiner Gier die Grenzen der Legalität überschreitet, wird das nicht folgenlos bleiben.“ Walter P.J. Droege, Gründer und Alleinvorstand der Droege International Group AG, Düsseldorf, ist Mitglied und Vizepräsident des Verwaltungsrates der Also-Holding AG.

Ratlosigkeit in der Belegschaft von Weltbild und Also

Intern herrsche offenbar Ratlosigkeit. Laut Betriebsrat reagierten die Mitarbeiter bei den Schwesterfirmen Weltbild Retail und Also Logistic Services schockiert. Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz wird zitiert mit den Worten: „Die Kolleginnen und Kollegen haben ihr Letztes gegeben. Die Leute sind einfach nur noch fertig und enttäuscht. Niemand versteht, wie Walter Droege das einfach so mit ihnen machen kann.“

 

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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