News | Geschäftsführung Betriebsrat
04.07.2016

Immer mehr Ansprüche an Arbeit

Die Ansprüche an Arbeit werden immer vielfältiger. Egal wie hoch Einkommen oder gut Ausbildung – was für die einen wünschenswerte Zukunft ist, ist für andere ein bedrohliches Szenario. Arbeitsministerin Nahles ließ Beschäftigte befragen: Wie stellen Sie sich die Zukunft ihrer Arbeit vor?

© Robert Kneschke /​ fotolia.com

Bedingungsloses Grundeinkommen?

Geschäftsführung Betriebsrat. Mit Pauken und Trompeten ging das Referendum unter. Umso überraschender war das Ergebnis. Gut ein Viertel der befragten Schweizer sprach sich vor wenigen Wochen für das bedingungslose Grundeinkommen aus. Was sagt uns das? Es sagt uns nach Auffassung der Väter des Referendums u.a., dass eine Diskussion zur Zukunft unserer Arbeitswelt eingesetzt hat, eine Diskussion, deren Ende und Folgen heute auch nicht ansatzweise abzusehen sind.

Sich ändernde Arbeitswelt

Diese Diskussion wird von allen Seiten vor allem der Arbeitswelt angestoßen. Die Prozesse unserer Arbeitswelt verändern sich. Körperliche Arbeit wird automatisiert, Dienstleistungen von leistungsfähigen IT-Systemen übernommen, Wissensarbeiter vernetzt – überall auf der Welt.

Ansprüche an Arbeit und Leben

Damit wandeln sich die Ansprüche an Arbeit und Leben und die damit verbundenen Bedürfnisse. Privatleben und Beruf, Sinnerleben und Selbstverwirklichung wollen in Einklang gebracht sein. Doch wie lässt sich dieser Wandel der Arbeitswelt auch im Sinne der Menschen gestalten? Antworten darauf müssen alle Beteiligten finden: Unternehmen, Sozialpartner und die Politik.

Ansprüche der erwerbstätigen Bevölkerung

Doch ohne genaue Kenntnis der Wünsche und Ansprüche der erwerbstätigen Bevölkerung wird dies kaum gelingen. Eine repräsentative Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ des Bundesarbeitsministeriums hat sie deswegen unter verschiedenen Blickwinkeln untersucht:

  • Welche Stärken und welche Schwächen hat unsere gegenwärtige Arbeitswelt aus Sicht der Erwerbstätigen?
  • Welche Weichenstellungen der Vergangenheit werden heute als richtig oder falsch wahrgenommen?
  • Wo gibt es positive Entwicklungen, die gefördert werden sollten?
  • Welchen Veränderungen werden skeptisch gesehen?

Pluralisierung der Ansprüche an Arbeit

Ergebnis: Die Ansprüche an Arbeit „pluralisieren sich stark“, so die Meinungsforscher; will heißen: über soziodemografische Trennlinien wie Einkommen oder Ausbildung hinweg werden die Ansprüche an die Arbeitswelt vielfältiger, gegensätzlicher, widersprüchlicher. Was für die einen wünschenswerte Zukunft ist, stellt für die anderen ein bedrohliches Szenario dar.

Ideal und Wirklichkeit der Arbeit

Nur die wenigsten Erwerbstätigen in Deutschland empfinden ihre aktuelle Arbeitssituation als ideal:

  • ein Fünftel der Befragten wähnt sich dem persönlichen Idealbild von Arbeit bereits nah,
  • knapp die Hälfte sieht die eigene Arbeitssituation davon noch weit entfernt.

Zuversichtlicher demgegenüber der Blick auf die Zukunft:

  • Fast die Hälfte der Befragten hofft auf eine Verbesserung der Arbeitssituation bis 2030 nah am eigenen Idealbild,
  • bezogen auf die Arbeitswelt vor drei Jahren insgesamt, erwartet das noch jeder Vierte.

Mitgestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten

Vor allem was Mitgestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten anbelangt, haben die Erwerbstätigen in Deutschland durchaus positive Erwartungen an die Arbeitswelt von morgen.

Die sieben Wertewelten

Einen besonderen Fokus legt die Studie auf Wahrnehmung und Bewertung der Arbeitswelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei unterscheidet sie sieben, sich zum Teil diametral gegenüberstehende Wertewelten:

  • 28 Prozent der Befragten stehen in der Wertewelt „Sorgenfrei von der Arbeit leben können“ – Ohne materielle Sorgen in sicherer Gesellschaft,
  • 15 Prozent: „Den Wohlstand hart erarbeiten“ – trotz starker individueller Anstrengung nicht immer die entsprechende Anerkennung erleben,
  • 14 Prozent: „Balance zwischen Arbeit und Leben finden“ – Arbeit, Familie, Selbstverwirklichung eigenverantwortlich und gesellschaftlich mitgestalten,
  • 13 Prozent: „Sinn außerhalb seiner Arbeit suchen“ – Sinn des Lebens nicht nur in der Erwerbstätigkeit suchen,
  • 11 Prozent: „Engagiert Höchstleistungen erzielen“ – persönliche Erfolge als Ergebnis besonderer individueller Anstrengungen,
  • 10 Prozent: „Sich in der Arbeit selbst verwirklichen“ – zunehmende Individualisierung der Arbeitswelt wird begrüßt,
  • 9 Prozent: „In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten“ – Zusammenhalt unter solidarischen Kollegen wird vermisst.

Zentrale Schlussfolgerung für Akteure

Die Meinungsforscher leiten für Akteure in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik als zentrale Schlussfolgerung ab: die Differenziertheit der Wertewelten in Inhalt und Ansprache deutlich stärker als bisher berücksichtigen.

In wieweit dies letztlich tatsächlich in ein bedingungsloses, d.h. arbeitsfreies Grundeinkommen münden wird, bleibt abzuwarten. Dazu trifft die Studie keinerlei Aussagen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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