News | Geschäftsführung Betriebsrat 14.07.2016

IG Metall zieht in Betriebsrat von Playmobil ein

2014 hatte Spielwarenhersteller Playmobil eine Liste der IG Metall nicht zur Betriebsratswahl zugelassen. Die Gewerkschaft erzwang daraufhin vor Gericht Neuwahlen. Dabei wurde sie jetzt die stärkste Kraft im Betriebsrat. Die Gewerkschafter befürchten eine neuerliche Wahlanfechtung.

Gewerkschaft

Firmenpatriarch und Gewerkschaftsfresser

Geschäftsführung Betriebsrat. Vor gut einem Jahr verstarb Horst Brandstätter. Er war der Firmenpatriarch bei dem Zirndorfer Spielwarenhersteller Playmobil. Er galt als Gewerkschaftsfresser. Seit Brandstätters Tod gehört Playmobil einer Stiftung. Die operative Führung liegt bei einem Trio gleichberechtigter Vorstände. Sie eint, wie die „Badische Zeitung“ schreibt, zumindest eines – Vorbehalte gegenüber der IG Metall.

Brandstätter ließ 2014 Betriebsratswahl anfechten

Begonnen hat dem Bericht zufolge der Streit um die Anwesenheit der IG Metall in dem Unternehmen noch zu Lebzeiten Brandstätters. Er ließ 2014 eine Liste der IG Metall nicht zur Betriebsratswahl zu. Die Gewerkschaft klagte mit Erfolg. Das Arbeitsgericht verfügte Neuwahl. Die fand vorige Woche statt.

Neun von 21 Betriebsräten von der IG Metall

„Wir sind mit Abstand die stärkste Fraktion“, freut sich Gewerkschafter Reiner Gehring laut der Zeitung. Neun von 21 Betriebsräten stellt die IG Metall nun. Damit müssten die Verhältnisse klar sein. Sind sie aber nicht. Die Geschäftsführung will die Betriebsratswahl analysieren und das weitere Vorgehen beraten, zitiert das Blatt Björn Seeger von der Unternehmensberatung Engel & Zimmermann. Sie spricht seit Entlassung der einstigen Kommunikationschefin für das Unternehmen. Zuvor war schon Vorstandsfrau Judith Weingarth im Unfrieden nach langjähriger Firmenzugehörigkeit ausgeschieden.

Befriedung des Unternehmens

Seeger zufolge hat das Management großes Interesse an einer Befriedung des Unternehmens. Mit der IG Metall sei das sehr schwierig. Eine erneute Anfechtung der Betriebsratswahl schloss er nicht aus. Keinesfalls aber wolle Playmobil eine Mitarbeitervertretung unterdrücken. Die Neuwahl vorige Woche war von Sicherheitskräften begleitet worden. Man hatte Tumulten vorbeugen wollen. Die seien zwar ausgeblieben, aber Bedrohungen einzelner Kandidaten habe es wohl gegeben. Das Management halte sich aus Belangen des Betriebsrates heraus.

Atmosphäre der Angst

Laut „Badischer Zeitung“ hätten Mitarbeiter ohne Namen zu nennen von einer Atmosphäre der Angst berichtet. Die Sicherheitsleute hätten eher einschüchternd wirken sollen. Auch wurde die Frage gestellt, warum das Management über eine demokratische Betriebsratswahl beraten müsse. Gewerkschafter vermuten, um über eine Anfechtung der Wahl zu beraten, weil die Ergebnisse nicht nach Wunsch seien.

Belegschaft gespalten

Fakt ist dem Bericht zufolge, dass die Belegschaft in mindestens zwei Gruppen gespalten ist in dem Management wohlgesinnte Betriebsräte und die Gruppe der Gewerkschafter. Sie hätte Forderungen wie Tarifbindung auf ihrer Tagesordnung stehen. Im Betrieb mit seinen weltweit über 4000 und deutschlandweit 2400 Beschäftigten gilt kein Tarifvertrag. Gearbeitet werde dort deshalb 40 Stunden pro Woche statt tariflicher 35 Stunden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)