News | Geschäftsführung Betriebsrat 23.06.2017

IG Metall zeichnet engagierten Betriebsrat aus

Eine gerechte Gesellschaft – für die IG Metall ist sie auch in Ostdeutschland ohne Betriebsräte schlicht nicht denkbar. Mit ihrem Projekt „Zukunft Ost“ will sie Toleranz und Demokratie im Osten fördern. Erstmals vergab sie dafür einen Preis: an einen Betriebsrat.

Ein Betriebsrat geht seinen Weg

Michael Zähringer war Betriebsratsvorsitzender eines ostdeutschen Betriebes. Über viele Jahre hat er sich für die Belange der ihm anvertrauten Beschäftigten eingesetzt. Zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen hat er entscheidend dazu beigetragen, mehrere Betriebsvereinbarungen durchzusetzen. Zähringer sorgte mit für die Herstellung der Tarifbindung im Betrieb. Zusammen mit Kollegen konnte er innerhalb eines halben Jahres mehr als die Hälfte der Beschäftigten zum Eintritt in die IG Metall bewegen.

Auszeichnung für Zähringer

Jetzt trägt sein Wirken über die tatsächlichen Ergebnisse für seine Kollegen hinaus auch mit allgemeiner Anerkennung Früchte. Für sein Eintreten für mehr Gerechtigkeit und bessere Arbeitsbedingungen im Betrieb zeichnet die Gewerkschaft den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Michael Zähringer aus. Er erhält den in diesem Jahr zum ersten Mal vergebenen Preis „Gemeinsam. Engagiert. Mutig – für eine gute Zukunft“ des Projekts „Zukunft Ost“ der IG Metall.

Laudatio von einem „Prinzen“

Der Preis „Gemeinsam. Engagiert. Mutig – für eine gute Zukunft“ ist mit 1.000 Euro dotiert, der Preisträger bekommt zusätzlich eine Skulptur. Überreicht wurde die Auszeichnung im Rahmen der Betriebsräte-Konferenz der IG Metall in Erfurt. Die Laudatio hielt Popstar Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band „Die Prinzen“.

Gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West

Auch ein Viertel Jahrhundert nach der Deutschen Einheit ist es für die IG Metall noch immer vordringlich, gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West zu erreichen. Der IG Metall-Vorstand will mit dem Projekt „Zukunft Ost“ gemeinsam mit den Bezirken und Verwaltungsstellen die IG Metall vor Ort stärken, um bei der Angleichung der ostdeutschen Bundesländer weiterzukommen.

Tarifflucht und Niedriglohnpolitik

In Ostdeutschland haben Tarifflucht, Niedriglohnpolitik und oftmals Betriebsführung nach Gutsherrenart vielen Menschen die Zuversicht in eine gute Zukunft genommen. Die Abwanderung aus Ostdeutschland ist noch immer nicht gestoppt. Starke Geburtenjahrgänge gehen in Rente. Dies alles verschärft die Fachkräfteknappheit. Ein weiteres Problem sind die fehlenden Investitionen der Wirtschaft.

Beschäftigte wollen gute Arbeit und Perspektiven

„Gute Arbeit“ und gute Perspektiven sind aus Sicht der Gewerkschaft unverzichtbar. Dafür seien auch immer mehr Beschäftigte bereit zu streiten. Erste Lichtblicke: In den letzten Jahren sei es in vielen Verwaltungsstellen gelungen, mehr Betriebe in die Tarifbindung zu zwingen. Das Projekt „Zukunft Ost“ und sein regelmäßiger Newsletter sind Teil des Dialogs über Entwicklungen und Perspektiven in Ostdeutschland. Es geht dabei um Fragen der industriepolitischen Entwicklung, um tarifpolitische Konsequenzen und darum, die Durchsetzungsfähigkeit der Gewerkschaft zu stärken. Gerade sie entscheide darüber, ob und wann sie weitere Angleichungen und damit soziale Gerechtigkeit erreicht.

Mut zum Engagement

„Die Auszeichnung soll auch anderen Mut machen, sich aktiv für eine demokratische, gerechte und tolerante Gesellschaft in Ostdeutschland zu engagieren“, sagte Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall am letzten Mittwoch in Erfurt. „Und zu einer gerechten Gesellschaft gehören Betriebsräte und tariflicher Schutz für die Beschäftigten.“

Steiniger Weg

Zähringers Erfolge kamen nicht von selbst. Auf dem Weg zu ihnen hatte er zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Nach ersten Warnstreikaktionen wurde Zähringer von Unternehmensseite unter massiven psychischen Druck gesetzt. Er musste persönliche Anfeindungen überstehen, musste schließlich den Arbeitsplatz wechseln. Heute arbeitet er in einem anderen Unternehmen, ist aber weiter überzeugter Streiter für eine gerechtere Gesellschaft.

Tarifbindung und Gerechtigkeit

„Tarifbindung ist eine zentrale Frage der Gerechtigkeit“, stellte Lemb klar. Das zeige auch die aktuelle Beschäftigtenbefragung der IG Metall. Mehr als 90 Prozent, in Ostdeutschland sogar knapp 95 Prozent der Arbeitnehmer, fordern mehr Schutz durch Tarifverträge. Offenbar nicht ohne Erfolg, wie Zahlen der Gewerkschaft zeigen. „Bundesweit wurde im vergangenen Jahr in 145 Betrieben mit 36.000 Beschäftigten die Tarifbindung durchgesetzt. Das bedeutet 36.000 mal mehr Geld, mehr Urlaub und bessere Arbeitsbedingungen. Menschen wie Michael Zähringer haben daran großen Anteil“, so Lemb.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)