News | Geschäftsführung Betriebsrat
17.03.2016

IG Metall wirft Testo Betriebsratsbehinderung vor

Der Vorwurf wiegt schwer. Sollte er zutreffen, könnten sogar Strafen drohen. Vorerst gilt die Unschuldsvermutung: das südbadische Messtechnikunternehmen Testo soll die Gründung eines Betriebsrates behindert haben. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Betriebsratsbehinderung© sabine voigt /​ fotolia.com

Vorwürfe der IG Metall

Geschäftsführung Betriebsrat. Vorgebracht hat die Vorwürfe nach einem Bericht der „Badischen Zeitung“ jetzt die Industriegewerkschaft Metall. Danach soll die Geschäftsführung des Messtechnikunternehmens Testo in Lenzkirch die Gründung eines Betriebsrats behindert haben.

Kampagne der Führungsebene

Das Blatt zitiert den zuständigen Geschäftsführer der IG Metall, Hermann Spieß. Er spricht von einer „Kampagne der Führungsebene“. Sie habe ein unabhängiges Gremium für die betriebliche Mitbestimmung nicht zulassen wollen.

Testo widerspricht

Testo hält die Vorwürfe für unbegründet. Die Unternehmensleitung verweist auf ein alternatives System der Mitarbeitervertretung – den Belegschaftsausschuss. Einen solchen gebe es bei Testo. Diese Lösung stelle Geschäftsführung und Mitarbeiter zufrieden.

Testo kein Einzelfall

Spieß zufolge ist Testo kein Einzelfall. „Es gibt Unternehmen in der Region, die sich massiv dagegen wehren, dass ein Betriebsrat eingerichtet wird“, gibt der Bericht Spieß von einer Veranstaltung in Lenzkirch wieder. In dieser Gemeinde befindet sich auch der Stammsitz der Testo AG.

Belegschaft und Gewerkschaft für Betriebsrat

Später wurde auf Nachfrage der „Badischen Zeitung“ der Geschäftsführer der IG Metall in Freiburg und Lörrach präziser. Bei dem Unternehmen handele es sich um die Testo AG. Bei dem Messtechnikspezialisten soll es von der Belegschaft und der Gewerkschaft Versuche gegeben haben, einen Betriebsrat ins Leben zu rufen. Das sei vonseiten der Geschäftsführung torpediert worden.

Seitens der Unternehmensleitung kein Interesse an Betriebsrat?

Die Geschäftsführung sei von der Gewerkschaft darüber informiert worden, dass die Gründung eines Betriebsrates gewünscht sei. Spieß: „Uns wurde gesagt, dass es seitens der Unternehmensleitung kein Interesse daran gebe, ein solches Gremium aufzubauen.“

Kampagne der Leitungsebene?

Firmenintern soll daraufhin eine „Kampagne“ von der Leitungsebene gestartet worden sein, die sich gegen die Gründung eines Betriebsrats richte. Spieß will erfahren haben, es habe deshalb „heftige Auseinandersetzungen“ im Betrieb gegeben. Aus der Chefetage des Unternehmens sollen zwar keine direkten Drohungen gegenüber Mitarbeitern ausgesprochen worden sein. Aber da sei „sehr subtil Druck gemacht“ worden, so Spieß. Mit viel Aufwand soll den Mitarbeitern das Anliegen der Geschäftsführung klargemacht worden sein.

1360 Menschen betroffen

Testo hat weltweit 2500 Mitarbeiter. An den Standorten in Lenzkirch, Titisee-Neustadt und Kirchzarten arbeiten dem Bericht zufolge etwa 1360 Menschen. 2015 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 260 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Spieß zögerte mit Schritt an Öffentlichkeit

Spieß sei mit seinen Vorwürfen lange nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Bei einem Podiumsgespräch zu Unternehmensethik des SPD-Landtagskandidaten Walter Krögner in der letzten Woche habe sich das geändert.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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