News | Geschäftsführung Betriebsrat 24.06.2015

IG Metall mahnt weitere Sozialreformen an

Mindestlohn, Rente ab 63 – alles schön und gut. Aber dabei darf es nicht bleiben. Die Bundesregierung muss mehr tun, um Strukturprobleme am Arbeitsmarkt und bei der Alterssicherung zu lösen. Staatssekretär Torben Albrecht (SPD) vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekam letzte Woche auf einer Konferenz der IG Metall mit Betriebsräten einiges zu hören.

Sozialreformen vorantreiben

Geschäftsführung Betriebsrat. Die IG Metall hat weitere Sozialreformen gefordert. „Die Bundesregierung darf nicht auf halbem Weg stehen bleiben“, sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, anlässlich einer arbeits- und sozialpolitischen Konferenz mit Staatssekretär Torben Albrecht sowie mit Betriebsräten, Vertretern aus Politik und Wissenschaft am Freitag in Berlin.

Strukturprobleme von Arbeitsmarkt Alterssicherung

Mit dem Mindestlohn und der Rente ab 63 seien erste wichtige Schritte getan. Die Strukturprobleme am Arbeitsmarkt und bei der Alterssicherung seien damit aber nicht gelöst, so Urban laut einer Pressemitteilung seiner Gewerkschaft.

Rentenniveau in Sinkflug

Das Rentenniveau sieht Urban in einem Sinkflug. Mit jahrzehntelangen Beitragszahlungen werde nur eine Rente knapp oberhalb der Grundsicherung erreicht. Dies führe bei kommenden Generationen zu massiven Versorgungsproblemen. Es zerstöre zugleich die gesellschaftliche Akzeptanz der gesetzlichen Rentenversicherung. Urban: „Das muss gestoppt werden.“

Gute Arbeit – gut in Rente

Die IG Metall werde ihre Kampagne „Gute Arbeit – gut in Rente“ fortsetzen und für eine grundlegende Reform der Alterssicherung werben. Der Schwer-punkt liege dabei auf Stabilisierung und Anhebung des Rentenniveaus.

Wirtschaftslobbyisten und Arbeitgeberverbände

Zudem kritisierte Urban Wirtschaftslobbyisten und Arbeitgeberverbände für ihre Absicht, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung für eine Deregulierungsoffensive nutzen zu wollen. „Bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände träumt man von der Utopie der schutzlosen Arbeit“, sagte Urban.

Leiharbeit und Werkverträgen

Insbesondere griff Urban die „massenhafte und sozial nicht abgesicherte Verbreitung von Leiharbeit und Werkverträgen“ an. Wer sie vorantreiben und die Axt an die gesetzlichen Höchstgrenzen für die tägliche Arbeitszeit legen wolle, der handle weder ökonomisch vernünftig noch sozialstaats-kompatibel.

Nach Arbeit 1.0 Arbeit 4.0

„Die digitale Arbeit 4.0 verträgt sich nicht mit Arbeits- und Sozialstandards der Arbeit 1.0 des Frühkapitalismus“, so Urban. Die neuen Datenautobahnen beschleunigen den Arbeitsalltag immer weiter. Urban: „Dann müssen durch eine regelsetzende Humanisierungspolitik stabile Sicherheitsgurte für die Beschäftigten installiert werden.“ Dabei sei ein moderner Arbeitsschutz ohne eine Anti-Stress-Verordnung nicht denkbar, so Urban.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)