18.10.2017

IG Metall befürchtet Stellenabbau bei Airbus in Donauwörth

Bei Airbus Helicopters in Donauwörth geht die Angst um. Rund 2.000 Beschäftigte versammelten sich am Freitag zu einer Kundgebung auf dem Werksgelände. Sie fordern ein Bekenntnis zum Standort. Betriebsrat und Gewerkschaft sehen angestrebte neue Strukturen im Konzern kritisch.

Helikopter von Airbus

Airbus Helicopters im Umbruch

Geschäftsführung Betriebsrat. Airbus Helicopters befindet sich derzeit im Umbruch. Wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtet, möchte das Unternehmen mit Produktionsstandorten in mehreren Ländern die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Dies soll auch zu gewissen Veränderungen im Donauwörther Werk führen. Welche das sind, sei noch unklar. Jedoch befürchten die knapp 7.000 Beschäftigten und die Gewerkschaft IG Metall negative Konsequenzen für die Fabrik in der Großen Kreisstadt.

Hunderte von Arbeitsplätzen bedroht

Die Gewerkschaft sieht „mittel- bis langfristig Hunderte von Arbeitsplätzen in Donauwörth bedroht, sollte der Airbus-Standort jetzt nicht zukunftsfähig gemacht werden“. Sie hatte am Freitag eine Pressemitteilung verschickt. Zuvor fand im Werk einer Informationsveranstaltung statt. Rund 2.000 Mitarbeiter nahmen daran teil. Grund für die Aktion seien mögliche „Verlagerungen von Aktivitäten von Donauwörth an andere Standorte innerhalb und außerhalb des Airbus-Konzerns“. Zudem bestehe „Unsicherheit über Zukunftsprogramme und Wartungsaktivitäten, die das Verteidigungsministerium beauftragt“. Die Gewerkschaft sieht Geschäftsführung und Politik in der Verantwortung.

Stopp der Verlagerungen

Martin Gnad, Vorsitzender des Betriebsrates, forderte dem Zeitungsbericht zufolge bei der Veranstaltung „einen Stopp der Verlagerungen“ sowie „Zusagen für Zukunftsthemen, insbesondere mit Kernelementen neuer Hubschrauberprogramme“. Bei den Frachttoren und Türen, die in Donauwörth für Airbus-Flugzeuge gefertigt werden, dürfe es keine weiteren „Verlagerungen um jeden Preis geben“, so Gnad. Jetzt müssten Entscheidungen für die Beschäftigung in fünf bis zehn Jahren fallen.

Kein Arbeitsabfluss ohne Arbeitszufluss

Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall: „Bevor Arbeit den Standort verlässt, muss klar sein, was dafür reinkommt.“ Kerner forderte die Unterstützung der Politik bei neuen Hubschrauberprogrammen ein. Hier habe sich das Management zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht. Wartungsaufträge für Militärhubschrauber dürften nicht ins Ausland vergeben werden.

Hoher Druck des Marktes

Die Unternehmensleitung bezeichnete es gegenüber der Zeitung als legitim, dass Betriebsrat und Gewerkschaft ihre Befürchtungen äußerten. Im Airbus-Helicopters-Konzern konzentriere sich jedes Werk auf bestimmte Fähigkeiten. Der hohe Druck des Marktes zwinge dazu, so effizient wie möglich zu werden und Doppelfunktionen zu vermeiden.

Neue Projekte

Der Standort Donauwörth konzentriere sich auf die Pilotenkanzel der Hubschrauber, auch Zelle oder Karosserie genannt, jener im französischen Marignane auf das dynamische System, der im spanischen Albacete auf die Heckausleger. Welche Kapazitäten in Nordschwaben erhalten und welche abgegeben werden, stehe noch nicht fest. Die erfolgreichen Programme H135 und H145 sollen in Donauwörth bleiben und hier für Beschäftigung sorgen. Hinzu kämen neue Projekte wie der „City-Airbus“, eine Art Lufttaxi, das gerade am hiesigen Standort entwickelt werde, und der Hochgeschwindigkeits-Helikopter „Racer“, dessen Zelle einmal in Donauwörth produziert werden soll.

Verlagerung der Produktion

Bereits angelaufen ist die Verlagerung der Produktion von „einfacheren“ Flugzeug-Frachttoren und -Türen. Die werden inzwischen in Mexiko gefertigt. In Donauwörth sollen weiterhin komplexere Türen hergestellt werden, so ein Pressesprecher des Unternehmens gegenüber der Zeitung. Die Fähigkeit, alle Teile eines Hubschraubers selbst zu produzieren, sei auch heute nicht gegeben. Das ginge auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)