News | Geschäftsführung Betriebsrat
21.09.2015

IG BCE-Vorsitzender will BR-Gründungen erleichtern

„Wir stehen hinter Dir“ – unter diesem Motto beging die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ihr 125-jähriges Bestehen. Damit feierten 400 hochrangige Gäste wie Bundespräsident Joachim Gauck und der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann zugleich auch eine Branche mit besonderer Nähe zum Betriebsratswesen. Nicht von ungefähr setzte der IG BCE-Vorsitzende, Michael Vassiliadis hier besonders den Akzent.

Bundespräsident Joachim Gauck© IG Bergbau, Chemie, Energie

Mitbestimmung durch Betriebsräte

Geschäftsführung Betriebsrat. „Die Mitbestimmung durch Betriebsräte ist der beste Schutz vor einem möglichen Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen“, mit diesem unumwundenen Bekenntnis zum Betriebsratswesen begründete Vassiliadis eine seiner Hauptforderungen: die Gründung von Betriebsräten zu erleichtern.

Grundlage eines fairen Miteinanders

Er hält sie für notwendig als Grundlage eines fairen Miteinanders in den Betrieben. „Die Stabilität der Arbeitsbedingungen“, betonte Vassiliadis, sei der „Kern der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Stabilität Deutschlands“. Um die Sozialpartnerschaft in den Betrieben weiter zu entwickeln und dem sozialen Fortschritt überall in der Arbeitswelt einen Weg zu bahnen, sei es erforderlich, zum einen die Tarifautonomie zu stärken und zum anderem das Betriebsverfassungsgesetz zu modernisieren.

Industrie 4.0 und demographischer Wandel

Es gebe weltweit keinen besseren Ansatz, wirtschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderungen wie Industrie 4.0 oder den demographischen Wandel erfolgreich zu gestalten, als eine wirksame und stabile Kooperation der Tarif- und Betriebsparteien, erklärte Vassiliadis am Freitag in Berlin auf dem Politischen Festakt zum 125-jährigen Jubiläum seiner Organisation.

Gauck und Hoffmann

Daran nahmen 400 Gäste aus Politik, Arbeitgeberverbänden und Unternehmen sowie dem DGB und seinen Mitgliedsgewerkschaften teil. Festredner waren Bundespräsident Joachim Gauck und der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Wir stehen hinter Dir.“ Die IG BCE sieht sich eigenen Angaben zufolge mit rund 661.000 Mitgliedern als drittgrößte Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund.

Tarifautonomie und Mitbestimmung

Neben Betriebsräten hob der IG-BCE-Vorsitzende die Bedeutung von Tarifautonomie und Mitbestimmung und Gewerkschaften als „konstitutive Bestandteile der wirtschaftlichen Ordnung und des politischen Systems in Deutschland“ hervor. Vassiliadis: „Sie sind Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft, die die Vorteile einer Wettbewerbswirtschaft mit dem Prinzip des sozialen Ausgleichs verknüpft.“ Sie seien Voraussetzungen einer entwickelten Kultur, in der sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im gegenseitigen Respekt und im Wissen um das Gemeinsame begegnen – „ohne unterschiedliche Interessen und Aufgaben zu negieren oder gar grundsätzlich infrage zu stellen“, so Vassiliadis.

Ablehnung von Beteiligung und Mitbestimmung

Vassiliadis warnte vor wachsender grundsätzlicher Ablehnung von Beteiligung und Mitbestimmung. Arbeitsbedingungen würden nicht mehr von Sozialpartnern gestaltet, soziale Standards unterlaufen. Kleine „Klientelgewerkschaften“, so Vassiliadis, ersetzten immer mehr das Prinzip der Solidarität durch den Maximalismus von Gruppenegoismen. „Diesem zerstörerischen Wirken ist die Politik mit dem Tarifeinheitsgesetz begegnet“, so der IG BCE-Vorsitzende.

Hervorgegangen aus Klientelgewerkschaften

Hervorgegangen ist die IG BCE eigenen Angaben zufolge 1997 aus einer Fusion der „IG Chemie-Papier-Keramik, der IG Bergbau und Energie und der Gewerkschaft Leder“ – just das, was Vassiliadis heute Klientelgewerkschaften nennt.

Autor: Friedrich Oehlerking 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen