News | Mitbestimmung 16.01.2017

IG Bau gegen Kündigungen bei Immobilienfirma

Gewichtige Vorwürfe gegen den Immobilienunternehmer Dehne erhebt die IG Bau. Er soll Mitarbeiter gekündigt haben, weil sie einen Betriebsrat gründen wollten. Aus demselben Grund soll er die Firma geschlossen haben. Der Unternehmer widerspricht.

Kleine Fische wehren sich gegen einen Hai

Mitbestimmung. Die Deutsche Grundbesitz AG des hannoverschen Unternehmers Birger Dehne kündigte der Mehrzahl der Mitarbeiter der Tochterfirma Deutsche Grundstücksservice GmbH. Das berichtet die „Neue Westfälische“. Sie beruft sich dabei auf Angaben der Gewerkschaft IG Bau Ostwestfalen-Lippe. Ihr zufolge sollen die Kündigungen erfolgt sein, weil die Mitarbeiter einen Betriebsrat in ihrer Firma installieren wollten.

Firma geschlossen

Daraufhin soll Dehne die Firma gleich ganz geschlossen haben. In Ostwestfalen-Lippe beschäftigt die Grundstücksservice GmbH nach Auskunft der Gewerkschaft sieben Mitarbeiter. In Herford betreibt die Deutsche Grundbesitz AG einen Häuserblock, den „Lindwurm“. Hier hat Dehne nach Angaben der IG Bau die Grundstücksservice GmbH beauftragt, den Hausmeisterservice zu übernehmen.

Wahl einer Arbeitnehmervertretung organisiert

Dehne ist dem Bericht zufolge in drei Bundesländern aktiv. 87 von 89 Beschäftigten wurde zum 1. Februar gekündigt, kurz nachdem sie die Wahl einer Arbeitnehmervertretung organisiert hatten. Gewerkschaftssekretär Frank Lattrich bezeichnete der Zeitung gegenüber das Geschehen als „beispiellos“. „Dehne ist es ein Dorn im Auge, dass die Beschäftigten ihre Rechte wahrnehmen“, kritisiert Lattrich. Bereits im November hätten die Beschäftigten versucht, eine Wahl zum Betriebsrat einzuberufen.

Bundesweit Immobiliengeschäfte

Dagegen sei Dehne juristisch vorgegangen. Angeblich vermögender Erbe, mache er mit mehreren Firmen bundesweit Immobiliengeschäfte. Nachdem alle Mitarbeiter für eine erneute Wahlversammlung unterschrieben hätten, hätten sie prompt eine Kündigung erhalten. „Das ist miese Personalpolitik nach Gutsherrenart“, wird Lattrich zitiert. Die gesetzlich verankerte Mitbestimmung solle „offenbar um jeden Preis verhindert“ werden.

Namen der Gewerkschaftsmitglieder

Außerdem soll Dehne in den vergangenen Monaten versucht haben, an die Namen der Gewerkschaftsmitglieder in seiner Firma zu kommen. Für Lattrich ein „illegaler Vorgang“. Nach Angaben der IG Bau hat es einen vergleichbaren Fall in der Region in den vergangenen 15 Jahren nicht gegeben. Dehne zahle gerade den gesetzlichen Mindestlohn. Zudem seien die Lohnzahlungen oft extrem unregelmäßig gewesen. Erst als Dehne die Aktivitäten der IG Bau bemerkt habe, habe er die Löhne pünktlicher gezahlt – „immerhin“, so Lattrich. Dies zeige, welch „enorme Angst“ der Unternehmer davor habe, dass sich die Mitarbeiter für ihre Rechte einsetzten.

Gewerkschaft erwägt juristische Schritte

Die Gewerkschaft fordert den Unternehmer jetzt auf, die Kündigungen zurückzunehmen. Entweder soll die Deutsche Grundstücksservice mit voller Personalstärke bestehen bleiben, oder die Mitarbeiter müssten in einer neuen Firma angestellt werden, so Lattrich. Die Gewerkschaft will juristisch überprüfen, ob die Kündigungen rechtmäßig sind. Dehnes Rechtsanwalt widersprach unterdessen den Anschuldigungen. Die wahren Hintergründe der Kündigungen seien ganz anderer Natur.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)