17.01.2019

Homeoffice: Sturz auf Kellertreppe kann Arbeitsunfall sein

Das Bundessozialgericht (BSG) entschied am 27. November 2018 über den Versicherungsschutz bei einem Arbeitsunfall während einer „Homeoffice-Arbeit“. Danach scheitert dieser nicht daran, dass der Unfall sich innerhalb der Wohnung ereignete. Maßgebend sei die Ausübung einer dem Unternehmen dienenden Tätigkeit, die sich aus den objektiven Umständen des Einzelfalls ergeben muss.

Homeoffice

Private Nutzung des Unfallorts

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat in seinem Informationsdienst „Einblick“ auf eine Entscheidung des BSG zum Arbeitsunfallschutz im Homeoffice aufmerksam gemacht. Danach spielt es bei einem Arbeitsunfall für die Frage des Unfallversicherungsschutzes keine Rolle, ob und wie oft der Unfallort (eine Kellertreppe) auch privat genutzt wird. Maßgeblich sei, dass die Arbeitnehmerin eindeutig auf dem Weg in ihren dienstlichen Homeoffice-Raum war – und das eindeutig in der Absicht, dienstliche Tätigkeiten zu verrichten (Telefonat mit Vorgesetztem).

Was war geschehen?

Im konkreten Fall klagte eine Arbeitnehmerin dagegen, dass die Berufsgenossenschaft einen Sturz auf der heimischen Kellertreppe nicht als Arbeitsunfall anerkannt hatte. Die Klägerin arbeitete als Telefonverkäuferin im Vertrieb des Unternehmens, aber im Rahmen von Homeoffice von zuhause. Ihr Büroraum lag im Kellergeschoss. Als sie mit ihrem Laptop die Kellertreppe hinunterging, um von ihrem Homeoffice-Raum aus ihren Vorgesetzten anzurufen, stürzte sie und verletzte sich an der Wirbelsäule.

Wann greift der Versicherungsschutz?

Die Berufsgenossenschaft lehnte es ab, den Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen mit der Begründung: Auf Treppen zwischen privat und geschäftlich genutzten Räumen bestehe kein Versicherungsschutz für zurückgelegte Wege. In erster Instanz gab das Sozialgericht Augsburg der Arbeitnehmerin Recht. Das Bayerische Landessozialgericht hingegen wies in zweiter Instanz die Klage der Beschäftigten ab.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)