16.09.2021

Homeoffice-Regelungen fürs Ausland – das sollten Sie wissen

Mit der Pandemie ist das Arbeiten im Homeoffice nicht nur zur Notwendigkeit, sondern auch äußerst beliebt geworden. Nicht wenige Angestellte haben dabei auch Aufenthaltsorte im Ausland genutzt, wie die regelmäßig besuchte Ferienwohnung oder einen zweiten Wohnsitz außerhalb der deutschen Grenzen.

Homeoffice im Ausland

Welche rechtlichen Bestimmungen sind zu beachten?

Das Arbeiten aus dem Homeoffice jenseits der Landesgrenzen unterliegt aber gewissen rechtlichen Bestimmungen. Das wird besonders wichtig, wenn die Unternehmen nach der Pandemie ihren Mitarbeitern längerfristige Telearbeit anbieten. Zur Klärung dieser rechtlichen Fragen werden vier Fallkonstellationen unterschieden:

  • Personen, die gewöhnlich in mehreren Staaten erwerbstätig sind und nun ausschließlich im Homeoffice tätig werden
  • Arbeitnehmer, die aufgrund der Pandemie die Chance sehen, vorübergehend im Ausland im Homeoffice zu arbeiten
  • Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus dem Ausland, die ihren Stellenantritt nicht wahrnehmen können oder wollen.
  • Angestellte, die ihren Lebensmittelpunkt und den Arbeitsort ausschließlich und nicht nur vorübergehend ins Ausland verlegen

Die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) hat aufgrund der neuen Arbeitsort-Situation veranlasst, eine spezielle Grundsatzentscheidung zur Klärung der sozialversicherungsrechtlichen Rechtslage zu treffen, und im März 2020 ein entsprechendes Rundschreiben verschickt. Dieses Rundschreiben Nr. 167/2020 bezieht sich vor allem auf die ersten beiden oben genannten Fallgruppen.

Sozialversicherungsrecht

Für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen innerhalb der EU, des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz, die bisher als sog. Grenzgänger eingestuft worden waren und nun vorübergehend für bis zu 24 Monate im Homeoffice im Heimatland tätig werden, ergeben sich laut Rundschreiben keine Änderungen in sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht. Das bedeutet, dass das jeweilige Sozialversicherungsrecht des Beschäftigungsstaats weiterhin anwendbar bleibt. Das gilt auch für Mitarbeiter, die bisher in Zusammenhang mit ihrer auf mehrere EU-Mitgliedstaaten angelegten Arbeitstätigkeiten nun weniger oder gar nicht mehr mobil im heimatlichen Arbeitszimmer tätig werden. Die bisherige A1-Bescheinigung nach Artikel 13 VO (EG) 883/2004 verliert nicht an Rechtsgültigkeit.

Zu beachten ist, dass sich dieses Rundschreiben ausschließlich auf bereits laufende und sozialversicherungsrechtlich eingeordnete Fälle bezieht – also auf Personen, die bereits im Ausland gearbeitet haben. Das Rundschreiben gilt dagegen nicht bei Arbeitnehmern, die im Rahmen eines Urlaubs im Ausland beispielsweise geblieben sind und von dort ihrer Arbeit im Homeoffice nachgehen wollen. Hier muss der Sachverhalt sozialversicherungsrechtlich beurteilt und eingestuft werden.

Aufenthaltsgenehmigung

Weiterhin ist beim Homeoffice jenseits der Landesgrenzen von Relevanz, ob die Mitarbeiter die jeweilige Aufenthaltsgenehmigung des Landes haben. Denn wenn Arbeitsleistungen im Ausland erbracht werden, ändert sich der Status des Mitarbeiters. Schlimmstenfalls sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Homeoffice dann illegal im Ausland tätig. Eine entsprechende Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis kann meistens nur dann problemlos erlangt werden, wenn das Unternehmen eine Tochtergesellschaft vor Ort hat und es sich um eine konzerninterne Beschäftigung handelt.

Standort Homeoffice-Arbeitszimmer

Außerdem ist von Belang, ob das Homeoffice innerhalb oder außerhalb der EU liegt. Die Regelungen innerhalb der EU, des EWR und der Schweiz sind gültig. Die steuerrechtlichen Konsultationsvereinbarungen und deren Sonderregelungen für sog. Grenzgänger sind aber nicht mit allen Nachbarländern Deutschlands geschlossen worden, so zum Beispiel nicht mit Tschechien und Dänemark. Wichtig ist also, zu prüfen, ob sich das Homeoffice-Arbeitszimmer außerhalb dieses Geltungsbereichs oder außerhalb der EU befindet.

Steuerrechtliche Auswirkungen

Je nachdem, wie lange das Homeoffice im Ausland stattfindet, empfiehlt es sich, eine Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag abzuschließen, um gewisse Rahmenbedingungen festzulegen, insbesondere dann, wenn die Mitarbeiter länger als einen Monat im Ausland tätig sind. Die Regelungsinhalte sollten auch sozialversicherungs- und steuerrechtliche Aspekte berücksichtigen. Steuerrechtliche Auswirkungen können in der Regel im Rahmen der 183-Tage-Regelung beschränkt werden, sofern das Homeoffice außerhalb Deutschlands nur vorübergehender Art ist und der erste Wohnsitz in Deutschland liegt. Die Regelungen des jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) sollten aber hier ebenfalls beachtet werden. Wichtig ist auch, zu wissen, dass beim Homeoffice im Ausland das Arbeitsrecht des jeweiligen Landes gilt.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)