20.09.2017

Homann-Betriebsrat verteidigt Einigung mit Geschäftsführung

Anfang des Monats kam es zur Einigung. Der Betriebsrat von Mayonnaise-Hersteller Homann handelte mit der Unternehmensleitung den Sozialplan aus. Politiker ließen sich über die Folgen informieren. Alle sind zufrieden. Nur die Belegschaft nicht. Der Betriebsrat hat aber ein reines Gewissen.

Aus für Homann in Dissen Bad Essen

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Arbeitnehmervertreter haben sich mit der Geschäftsführung des Feinkostriesen über die Bedingungen des Sozialplans und des Interessenausgleiches geeinigt. In drei Jahren schließt Homann in Dissen (Niedersachsen) und im benachbarten Bad Essen. Ab 2020 werden dort keine Mayonnaise und keine Dillhappen mehr hergestellt. Der Betriebsrat hatte Anfang des Monats die rund 1.000 Mitarbeiter informiert. Die schweren Verhandlungen gingen teilweise bis in die Nacht, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ Betriebsrat Andreas Straede zitiert. Er sei froh, dass jetzt alles geregelt sei.

Enttäuschung über den Sozialplan

Doch die Mitarbeiter waren alles andere als froh. Homann-Mitarbeiter zeigten sich gegenüber der Zeitung enttäuscht von dem Sozialplan. „Das ist einfach nur lächerlich“, zitiert das Blatt einen langjährigen Mitarbeiter. Die Halteprämie für Mitarbeiter, die bis zum Schluss bleiben, wird statt zwei nur ein Monatsgehalt pro Jahr betragen. Zudem gibt es davon Abzüge, wenn sich Mitarbeiter mehr als zwei Tage pro Monat krankmelden. Viele hatten sich darüber hinaus eine Abfindung von mindestens 0,7 bis zu einem Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit gewünscht. Stattdessen sieht der Sozialplan für Mitarbeiter zwischen 50 und 60 Jahren als Abfindung nun 0,55 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit vor. Mitarbeiter, die jünger als 30 Jahre alt sind, sollen nur 0,4 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit bekommen. Unklar ist, ob der Betrieb in Dissen überhaupt bis 2020 aufrecht erhalten werden kann. Eine große Anzahl Mitarbeiter soll bereits gekündigt haben.

Umzug nach Sachsen?

Im sächsischen Leppersdorf baut die Konzern-Mutter des Molkemilliardärs Theo Müller einen neuen Firmensitz. Eine Wechselprämie von 8.000 Euro, ein Mietzuschuss von 300 Euro pro Monat und das gleiche Gehalt wie in Dissen soll Mitarbeiter bewegen, ab 2020 im 500 Kilometer entfernten Leppersdorf zu arbeiten. Straede nimmt an, dass nur etwa 100 Mitarbeiter das Angebot annehmen, die Unternehmensleitung hofft auf 150 bis 200.

Lies und Lübbersmann informieren sich vor Ort

Bei einem Informationsbesuch ließen sich vorigen Donnerstag der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies, Landrat Michael Lübbersmann und Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann von Vertretern des Betriebsrates über die Verhandlungen zur Schließung des Dissener Werkes und mögliche Perspektiven für den Wirtschaftsstandort auf den neuesten Stand bringen.

Homann-Krise als Chance nutzen

Lies und Lübbersmann waren sich dabei einig, dass man einen sozialverträglichen Abschluss erzielt habe, abgewogen zwischen den Interessen der Mitarbeiter und der drohenden Gefahr einer vorzeitigen Schließung des Homann-Standortes in Dissen. „Die Vertreter von Betriebsrat und Gewerkschaft haben ein gutes Verhandlungsergebnis erzielt. Schade nur, dass es überhaupt so weit kommen musste“, so Lies. Dissen wäre auch weiterhin ein hervorragender Standort für die Ansiedlung einer hochmodernen Produktionsstätte gewesen. Beide Politiker sind sich sicher, dass es kein Problem sein werde, die bisher für Homann reservierten Gewerbeflächen anderweitig zu vermarkten.

Straede: Reines Gewissen

Straede verteidigte den Sozialplan: „Ich habe ein reines Gewissen und habe das rausgeholt, was möglich war.“ Straede arbeitet seit 33 Jahren bei dem Feinkostriesen. Er sei überzeugt, dass ein schlechteres Ergebnis erzielt worden wäre, wenn dieser Sozialplan nicht zustande gekommen wäre und erst die Einigungsstelle des Arbeitsgerichts eine Entscheidung hätte treffen müssen.

Blick in die Zukunft

Lübbersmann und Nümann richten den Blick in die Zukunft. Dissen sei ein hochattraktiver Wirtschaftsstandort, nicht zuletzt durch die Lage an der Autobahn 33, aber auch durch die strategische Nähe zu den Ballungsräumen. Das besondere Augenmerk gelte den verbleibenden Mitarbeitern von Homann. Sie wolle man beim geplanten Ende der Produktion im Jahr 2020 aktiv begleiten. Ihnen steht dann der Arbeitsplatzwechsel ins Haus. Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)