News | Personalrat
14.09.2015

Hilfe für Flüchtlinge: viele Beamte werden reaktivert

Offenbar sind Beamte von heute auf morgen einsatzfähig und können für etwa sechs bis acht Monate helfen, die dringend nötigen Aufgaben bei der Bewältigung des Flüchtlingsansturms wahrzunehmen. Nicht nur die Asylverfahren ließen sich dadurch beschleunigen. Die Reaktivierung von Beamten für diesen Zweck sehen die Gewerkschaften aber als eine absolute Ausnahme an, weil allgemein in der öffentlichen Verwaltung ein hoher Bedarf an dringend benötigten Beschäftigten besteht.

Asylbewerber© JanBaars /​​​​​ iStock /​​​​​​​​ Thinkstock

In einigen Bundesländern haben sich erfreulicherweise viele pensionierte Beamte spontan bereit erklärt, im Zuge der stark zunehmenden Flüchtlingsbewegung das hohe Arbeitsaufkommen bei der Erstaufnahme, bei der Organisation von Kranken- und Bustransporten sowie bei der Registrierung von Flüchtlingen oder der Erstellung von Statistiken zu bewältigen. Einige Landesregierungen haben bereits viele Beamte reaktiviert oder sich an in Betracht kommende Pensionäre schriftlich mit der Bitte um Mithilfe gewendet.

Deutschland erwartet 800.000 Flüchtlinge

800.000 Flüchtlinge erwartet Deutschland in diesem Jahr – ohne Zweifel eine innenpolitische Herausforderung. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat zwar 2.000 neue Stellen bewilligt bekommen, hat aber Probleme bei der Einstellung geeigneter Mitarbeiter. Deswegen will auch der Bund viele Beamte aus dem Ruhestand möglichst auf freiwilliger Basis zurückholen. Außerdem sollen viele Beamte gebeten werden, vorerst freiwillig auf die Pensionierung zu verzichten und mitzuhelfen. Auch die Zahl der Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst soll vorübergehend etwa um 5.000 erhöht werden. Bei jungen Menschen ist offenbar die Bereitschaft zur Mithilfe groß.

Nach Einschätzung des Deutschen Beamtenbunds (DBB) fehlen im öffentlichen Dienst mehr als 10.000 Stellen zur Bewältigung der steigenden Flüchtlingszahlen. Nicht nur das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sei gefordert, sondern auch Polizei, Kommunen, Gesundheitsbehörden, Schulen, Sozialdienste und Justiz. Noch sei die Motivation groß, heißt es im DBB. Das könnte sich ändern, wenn es nicht bald eine deutliche Entlastung gebe.

Aus den Ergebnissen einer Umfrage des Beamtenbunds geht hervor, dass mindestens 1.000 zusätzliche Bundespolizisten benötigt werden, um der Schleuserkriminalität entgegenzuwirken. Auch das Problem der fehlenden Amtsärzte verschärft sich. Auf die Schulen kämen besondere Herausforderungen zu, Flüchtlingskinder zu integrieren. Schon jetzt seien viele Schulen damit überfordert. Schließlich benötigen die Verwaltungsgerichte der Umfrage zufolge deutlich mehr Personal, denn die Zahl der Klageverfahren abgewiesener Flüchtlinge an Verwaltungsgerichten steige dramatisch an.

Autor: Werner Plaggemeier 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen