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15.12.2015

Gute Noten für Deutschland beim diesjährigen OECD-Bildungsbericht

Fast nur lobende Worte für das deutsche Bildungssystem im diesjährigen OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“. Damit hob er sich in seiner Aussage deutlich ab von denen der Vorjahre, als Chancenungleichheit, zu wenig Bildungsaufsteiger oder eine zu geringe Akademikerquote wesentliche Kritikpunkte der jeweiligen Berichte waren. Für 2015 wird ein Rekordhoch bei der Zahl der Studierenden gemeldet.

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Der Bericht bietet einen Überblick über die Bildungssysteme in den 34 Ländern der OECD und einer Reihe von Partnerländern. Mehr als 150 Indikatoren ermöglichen den internationalen Vergleich in Bezug auf Bildungsbeteiligung und -verlauf, die Finanzierung von Bildung sowie die Organisation von Schulen.

Nach dem aktuellen Bericht hat Deutschland vor allem in der frühkindlichen Bildung in den vergangenen Jahren „erhebliche Fortschritte“ gemacht. Zwei Drittel der Zweijährigen und über 90 Prozent der Dreijährigen nehmen an einer Vorschulbildung teil sowie nahezu alle Vier- bis Fünfjährigen – das ist mehr als der OECD-Durchschnitt und ein wichtiger Schritt zu mehr Chancengleichheit, stellte der stellvertretende Generalsekretär der OECD fest.

Eine solche Entwicklung ist wichtig, weil sie etwas mit dem späteren Erfolg zu tun hat, heißt es. Denn in den PISA-Zahlen könne ganz deutlich gemessen werden, dass bereits ein Jahr frühkindliche Bildung nachher die Ergebnisse im PISA-Test deutlich verbesserten. Auch für Kinder mit Migrationshintergrund gelte das. Es sei völlig klar, dass Kinder deutlich besser abschnitten, die frühzeitig die Chance hätten, den Spracherwerb zu verbessern, indem sie in einer frühkindlichen Bildungseinrichtung seien.

OECD-Bildungsbericht weist geringe Jugendarbeitslosigkeit aus

Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist in Deutschland so niedrig wie in kaum einem anderen Land der OECD. 2014 betrug der Anteil der 20- bis 24-Jährigen, die weder arbeiten noch eine Aus- oder Weiterbildung machen, nur zehn Prozent – gegenüber 17,9 Prozent im OECD-Durchschnitt. Das sei ein „hervorragendes Ergebnis“, so Vertreter der OECD.

Grund dafür sei zum einen die gute Wirtschaftslage – aber auch das leistungsfähige deutsche duale Ausbildungssystem, das besonders geeignet sei, auch bei der Integration von Migranten zu helfen. Allerdings wurden „spezielle Angebote“ für Flüchtlinge angemahnt, um die Basis noch weiter zu stärken. Als eine der großen Herausforderungen benannte die OECD-Studie den drohenden Fachkräftemangel. Allerdings helfe es, dass Deutschland in den letzten Jahren erfolgreich für die naturwissenschaftlich-technischen Fächer geworben habe. 40 Prozent der deutschen Studienanfänger entschieden sich für ein sogenanntes MINT-Fach.

Allerdings sei der Frauenanteil in den technischen Berufen immer noch zu niedrig. Dies läge auch an der Erwartungshaltung in den Elternhäusern. Von 40 Prozent der Jungen erwarteten die Eltern, dass sie später etwas mit Technik machten, aber nur von 14 Prozent der Mädchen. In anderen Ländern würden von Mädchen viel selbstverständlicher gute Leistungen in den Naturwissenschaften eingefordert.

Bei den höheren Bildungsabschlüssen zeichnet die OECD für Deutschland ein eher durchwachsenes Bild. Vor allem in der Promotion sei Deutschland international führend: Mit neun Prozent eines Jahrgangs machen hier mehr als doppelt so viele Menschen ihren Doktor als im internationalen Vergleich.

Allerdings schneidet Deutschland bei den Studienabschlüssen eher schlecht ab. Zwar nehmen mittlerweile 53 Prozent eines Jahrgangs ein Studium auf oder machen ihren Meister – doch nur 36 Prozent schließen auch erfolgreich ab. Die hohen Abbrecherquoten zu senken, stelle eine der Herausforderungen für die Zukunft dar, war die Stellungnahme der Bundesbildungsministerin.

Eine gute und hochwertige Bildung ist der beste Garant für eine erfolgreiche Teilnahme am Erwerbsleben, heißt es in dem Bericht. So ist auch in Deutschland der Anteil der Erwerbstätigen unter den Hochqualifizierten mit 88 Prozent deutlich höher als bei Menschen mit beruflicher Bildung (80 Prozent). Gleichzeitig nimmt der Abstand bei der Beschäftigungsquote mit zunehmendem Alter der Beschäftigten deutlich zu. Ein höherer Bildungsabschluss versetzt Arbeitnehmer offenbar auch eher in die Lage, sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen.

Eine fast zeitgleich erschienene Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft stellte klar, dass sich die Zahl der unbesetzten Lehrstellen seit 2005 verdreifacht hat. Besonders betroffen seien Ostdeutschland und Bayern.

Die Zahl der Studierenden in Deutschland ist 2015 so hoch wie nie. Das meldet das Statistische Bundesamt. An Hochschulen waren für das laufende Wintersemester 2,8 Millionen Studierende eingeschrieben. Das sind 2,2 Prozent mehr als beim letzten Höchststand (Wintersemester im Vorjahr).

Autor: Werner Plaggemeier 

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