27.06.2017

Gut qualifiziert – seltener arbeitslos

„Putzfrau mit Diplom sucht Job“ – die Dame könnte mit einer solchen Annonce sogar Aussicht auf Erfolg haben. Akademiker haben ein geringeres Risiko, arbeitslos zu werden, als Ungelernte. Berechnungen des IAB bestätigen dies seit vielen Jahren – und jetzt auch wieder.

Ausbildung

Arbeitslosigkeitsrisiko je nach Qualifikation

Neu ist, dass es in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) nun auch regionale detaillierte Zahlen dazu gibt. Für 2015 und 2016 liegen Daten dazu vor, wie hoch das Arbeitslosigkeitsrisiko je nach Qualifikation ist – für Bundesländer, Kreise und Arbeitsagenturbezirke. Das teilte die Agentur vorige Woche in einer Information für die Presse mit.

Menschen ohne Berufsabschluss

Danach sind Menschen ohne Berufsabschluss fünfmal häufiger arbeitslos als ausgebildete Fachkräfte. Im Jahr 2016 war nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Arbeitslosenquote von Personen ohne Berufsabschluss in Deutschland mit 20 Prozent fast fünfmal so groß wie für Personen mit einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung. Deren Quote lag bei 4,2 Prozent. Die geringste Arbeitslosenquote weisen Akademiker auf. Von ihnen waren nur 2,6 Prozent arbeitslos.

Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten

Die Arbeitsmarktdaten zu den Qualifikationsgruppen sind in dem Tabellenheft „Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten (Jahreswerte)“ zusammengestellt. In dem Methodenbericht „Einführung qualifikationsspezifischer Arbeitslosenquoten in der BA-Statistik“ wird die Methodik beschrieben und ausgewählte Ergebnisse dargestellt. Beschäftigte ohne Berufsausbildung haben demzufolge im Vergleich zu den anderen Qualifikationsgruppen ein deutlich höheres Risiko, ihre Beschäftigung zu verlieren. Außerdem sind ihre Chancen geringer, ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden. Entsprechend höher ist das Risiko für diese Menschen, langzeitarbeitslos zu werden.

Arbeitslosenquoten 2016

Arbeitslosigkeitsrisiko von Ungelernten

Das hohe Arbeitslosigkeitsrisiko von Ungelernten führt nach Erkenntnissen des IAB außerdem dazu, dass sie die Hälfte der Arbeitslosen stellen, obwohl ihr Anteil an allen Erwerbspersonen nur 15 Prozent beträgt. Betrachtet man die Regionen, zeigt sich: je höher die Arbeitslosenquote in einer Region insgesamt ist, desto deutlicher die qualifikationsspezifischen Unterschiede. In Regionen mit niedriger Arbeitslosenquote ist die Differenz bei der Arbeitslosigkeit von Menschen mit und ohne Ausbildung kleiner als in Regionen mit hoher Arbeitslosenquote. Außerdem lässt sich ein Ost-West-Gefälle feststellen. In ostdeutschen Kreisen ist der Abstand zwischen gut ausgebildeten Menschen und Ungelernten besonders hoch, wenn man den Vergleich zu einem Kreis mit ähnlicher Arbeitslosigkeit im Westen zieht.

Arbeitslosenquote von Eichstätt bis Gelsenkirchen

Betrachtet man Kreise und kreisfreie Städte, findet sich am unteren Ende der süddeutsche Kreis Eichstätt mit der niedrigsten Gesamt-Arbeitslosenquote von 1,4 Prozent. Die qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten reichen dort von 0,9 Prozent für Akademiker über 1,1 Prozent für betrieblich bzw. schulisch Ausgebildete bis zu 4,7 Prozent für Ungelernte. Die bundesweit höchste Gesamt-Arbeitslosenquote wurde in Gelsenkirchen mit 14,7 Prozent gemessen. Die Arbeitslosenquote für Akademiker belief sich dort auf 3,8 Prozent, die für Personen mit beruflichem bzw. schulischem Berufsabschluss auf 7,5 Prozent und die für Personen ohne Berufsabschluss auf 39,9 Prozent.

Spreizung der qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten

Dabei ist in ostdeutschen Kreisen bei gleicher Gesamt-Arbeitslosenquote die Spreizung der qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten durchweg größer als in westdeutschen Kreisen. So erreicht die Arbeitslosenquote für Ungelernte in Mansfeld-Südharz mit 55,6 Prozent den höchsten Wert. Des Weiteren hat der siedlungsstrukturelle Kreistyp einen ausgeprägten Einfluss auf die qualifikations-spezifischen Arbeitslosenquoten. Während in Westdeutschland in städtischen Regionen die größten Spreizungen der qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten gemessen werden, zeigen sich in Ostdeutschland in dünn besiedelten Kreisen die größten Unterschiede.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist Journalist und Autor des Werkes Wirtschaftswissen für den Betriebsrat.)