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29.01.2016

Gründe für die gestiegenen Krankengeldausgaben

Die seit 2006 stark gestiegenen Krankengeldausgaben belasten die Krankenkassen und wirken sich deshalb auf die Höhe des Krankenversicherungsbeitrags aus. Gleichwohl stellen sie laut einem Expertengutachten keine dramatische budgetäre Entwicklung dar. Vielmehr hätten positive Beschäftigungseffekte und steigende Erwerbseinkommen zu den höheren Ausgaben beigetragen. Dies ergibt sich aus einem Sondergutachten 2015 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.

Krankengeldausgaben© Stadtratte /​​​​​ iStock /​​​​​​​​ Thinkstock

Aus einer fast 280 Seiten umfassenden Analyse als Grundlage für die Unterrichtung der Bundesregierung (Drucksache 18/7019) an den Bundestag geht hervor, dass ohne besondere Einflussgrößen sich „die Wachstumsrate bei den Krankengeldausgaben zwischen 2006 und 2014 ungefähr halbieren“ würden, schreiben die Experten.

Wachstumsraten bei Krankengeldausgaben

Nach deren Darstellung sind die Ausgaben für Krankengeld und Kinderkrankengeld seit 2006 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 8,1 % gestiegen, von 5,7 Milliarden Euro auf den bisherigen Höchststand von 10,6 Milliarden Euro. Damit sei der bisherige Höchstwert in Höhe von 9,4 Milliarden Euro aus dem Jahr 1995 überschritten worden. Der Anteil an den Leistungsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stieg im Zeitraum zwischen 2006 und 2014 von 4,1 auf 5,5 %.

Der Sachverständigenrat kommt in seiner Expertise zu dem Schluss, dass den politischen Entscheidungsträgern ein „beachtlicher Handlungsspielraum“ verbleibe, „um einem vermeidbaren Anstieg der Ausgaben für Krankengeld künftig mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken“. Dabei komme der „wirkungsvollen Prävention arbeitsplatzbedingter Krankheiten“ sowie einem verbesserten Zugang zu adäquaten Therapieangeboten eine zentrale Rolle zu. Zudem könnten „Fehlanreize bei der Inanspruchnahme von Krankengeld“ beseitigt werden. Hier gelte es, Regelungen aus anderen Sozialversicherungszweigen kritisch zu überprüfen.

Zu den 13 konkreten Empfehlungen der Experten gehört an erster Stelle die Teilkrankschreibung nach schwedischem Vorbild. So sollte es auch in Deutschland möglich sein, „die im Rahmen einer Krankschreibung festgestellte Arbeitsunfähigkeit prozentual zu differenzieren“. Vorgeschlagen wird eine Einstufung von 100, 75, 50 oder 25 %. Die Höhe des Krankengeldes würde dann analog dazu berechnet. Die „graduelle Arbeitsunfähigkeit“ sollte nach den Vorstellungen der Gesundheitsfachleute „im Konsens mit dem Betroffenen ärztlich festgestellt und bei einer Veränderung des Gesundheitszustands angepasst werden“.

Autor: Werner Plaggemeier 

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