News | Geschäftsführung Betriebsrat
14.09.2016

Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit von Vorteil – für Männer

Erwerbstätige können selbst über Arbeitsbeginn und Feierabend bestimmen. Doch für die Gleichstellung von Mann und Frau bedeutet das nicht nur Gutes. Männer verdienen mehr, Frauen nicht – selbst wenn sie länger arbeiten. Die Gefahr: selbstbestimmte Arbeitszeiten verstärken Ungleichheiten noch.

selbstbestimmte Arbeitszeiten Geschlechterungleichheit© freshidea /​ fotolia.com

Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit

Geschäftsführung Betriebsrat. Selbst bestimmen, wann man zur Arbeit kommt und wann man wieder geht? Immer mehr Erwerbstätige nutzen die Möglichkeiten dazu. Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit bringen Vorteile. Doch sind diese nicht gleichmäßig auf Männer und Frauen verteilt.

Kaum finanzielle Vorteile für Frauen

Männer arbeiten länger und verdienen dann auch mehr. Frauen hingegen haben kaum finanzielle Vorteile – selbst wenn sie mehr Überstunden machen. Zu dieser Erkenntnis gelangen Dr. Yvonne Lott und Dr. Heejung Chung. Die Soziologinnen von der Hans-Böckler-Stiftung und der University of Kent haben empirisch untersucht, was diese Entwicklung für die Gleichstellung von Mann und Frau bedeutet.

Selbstbestimmte Arbeitszeiten und Geschlechterungleichheiten

Überraschenderweise nicht nur Gutes: Ihrer Analyse zufolge besteht die Gefahr, dass selbstbestimmte Arbeitszeiten bestehende Geschlechterungleichheiten verstärken. Lott und Chung haben für ihre Untersuchung das sozio-oekonomische Panel (SOEP) aus den Jahren 2003 bis 2011 ausgewertet. Gravierende Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind zunächst kaum festzustellen:

  • 45 Prozent der deutschen Beschäftigten haben demnach feste Arbeitszeiten,
  • ein weiteres Fünftel hat wechselnde Arbeitszeiten, die der Arbeitgeber vorgibt,
  • Knapp ein Viertel darf im Rahmen von Gleitzeit über Anfang und Ende des Arbeitstags bestimmen,
  • ein Zehntel hat volle Autonomie über die Arbeitszeit.

Auswirkungen der Arbeitszeitarrangements

Doch bei den Auswirkungen der Arbeitszeitarrangements zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern:

  • Wenn Männer von festen Arbeitszeiten zu Gleitzeit wechseln, machen sie im Schnitt eine Überstunde pro Woche mehr, Frauen nur eine halbe Stunde.
  • Wenn männliche Beschäftigte autonom über ihre Arbeitszeit bestimmen dürfen, wächst ihr Überstundenpensum um zwei Stunden, bei weiblichen um eine Stunde.
  • Die Geschlechterdifferenzen gehen vor allem auf Frauen in Teilzeit zurück, Frauen in Vollzeit leisten die gleiche Mehrarbeit wie Männer.

Ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit

Als Erklärung verweisen die Forscherinnen auf die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit:

  • Haushalt und Kinderbetreuung liegen nach wie vor überwiegend in der Verantwortung von Frauen,
  • viele Frauen nutzten flexible Arbeitszeiten in erster Linie zur Erledigung familiärer Pflichten.

Geschlechtsspezifische Effekte von Einkommen

Auch bei den Einkommen gibt es geschlechtsspezifische Effekte:

  • Bei männlichen Beschäftigten steigt der Jahresbruttolohn im Schnitt um 1.200 Euro bei Gleitzeit und
  • um 2.400 Euro bei vollständiger Arbeitszeitautonomie.
  • Zusätzliche Überstunden mit berücksichtigt, bleiben Zuwächse von 1.100 und 2.100 Euro.

Lohnplus für mehr Engagement

Das Lohnplus beruht also nicht nur auf der Vergütung der Mehrarbeit, sondern dürfte auch eine Belohnung für höheres Engagement und mehr Produktivität sein. Bei weiblichen Beschäftigten sind dagegen keine signifikanten Auswirkungen auf das Gehalt nachweisbar – auch dann nicht, wenn man nur die Vollzeit-Arbeitnehmerinnen betrachtet.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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