News | Geschäftsführung Betriebsrat
10.08.2015

GGP Media-Mitarbeiter fordern BR-Neuwahl

Arbeit an der Grenze des Verkraftbaren, zehn Arbeitsstunden pro Tag keine Seltenheit, Leiharbeiter ohne Ende, Zulagen gekürzt – die Liste der Vorwürfe an die Unternehmensleitung der Großdruckerei GGP Media in Pößneck im Saale-Orla-Kreis ist lang, aber an sich noch keine Nachricht. Das wird sie erst dadurch, dass Teile der Belegschaft sie auch dem amtierenden Betriebsrat macht. Sie wollen Neuwahlen.

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Knapp 100 Mitarbeiter für BR-Neuwahl

Geschäftsführung Betriebsrat. Mitarbeiter von GGP Media sammeln bereits Unterschriften. Knapp 100 waren bis Donnerstag bereits zusammen. Ihre Forderung: eine BR-Neuwahl. Initiator Falko Eismann sagte „MDR Thüringen“ am Donnerstag, er und weitere Kollegen seien unzufrieden mit der Arbeit des Betriebsrats. Er setze sich aus ihrer Sicht nicht ausreichend für die Belange der Belegschaft ein.

An der Grenze des Verkraftbaren

Eismann zufolge arbeiteten die noch etwa 800 Mitarbeiter der Druckerei an der Grenze dessen, was verkraftbar sei. In der Buchbinderei werde seit längerem bis zu zehn Stunden am Tag gearbeitet. Leiharbeiter würden eingesetzt. Grund: Nach Abbau von 51 Stellen seit November fehlten Mitarbeiter. Zudem habe die Geschäftsführung Zulagen für die Belegschaft massiv gekürzt. Urlaubs- und Weihnachtsgeld seien gestrichen, Abend- und Nachtzulagen herabgesetzt.

Ein Betriebsratsmitglied „überrascht“

Ein Vertreter des derzeitigen Betriebsrates zeigte sich bei einem Telefonat mit dem Sender überrascht von der Unterschriftensammlung. Detailliert wollte sich das Betriebsratsmitglied aber zunächst nicht äußern.

Kein Kommentar von Unternehmensleitung

Die GGP Media GmbH gehört zur Druckerei-Sparte der Arvato AG, eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns. Arvato-Sprecher Gernot Wolf sagte „MDR Thüringen“ zufolge, dem Unternehmen läge zu dem internen Streit in Pößneck nichts vor. Deswegen könne Arvato den Vorgang nicht kommentieren.

Mitarbeiter anderer Bertelsmann-Firmen

In dem Pößnecker Betrieb arbeiten auch Mitarbeiter anderer Bertelsmann-Firmen. Sie würden nicht von dem Betriebsrat vertreten. Die Druckerei, als „Karl-Marx-Werk“ einst größte Druckerei der DDR, gehört seit 25 Jahren zu Arvato. Seit 1990 wurden dem Bericht zufolge in das Unternehmen mehrere Millionen Euro investiert.

Einst Harry Potter, heute Druck von E-Book

Die Druckerei stellte unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen die Harry-Potter-Bände in englischer und deutscher Sprache her. Der Betrieb ist nach eigenen Angaben durch die fortschreitende Digitalisierung und die E-Book-Konkurrenz in Bedrängnis geraten. GGP Media ist laut „MDR“ einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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