News | Geschäftsführung Betriebsrat
04.03.2016

Gewerkschaften wollen bei Tarifverdienst gegensteuern

Der geringe Anstieg des Tarifverdienstes im vergangen Jahr hat Gründe. Das Statistische Bundesamt führt ihn auf Sondereffekte im Vorjahr zurück. Gleichwohl wollen die Gewerkschaften dies als Warnzeichen nehmen. Sie streben in diesem Jahr deutliche Lohnzuwächse an.

Tarifverdienst© Andrey Popov /​ fotolia.com

Forderungen der Gewerkschaften

Geschäftsführung Betriebsrat. 5,9 Prozent mehr Lohn für die rund 785.000 Beschäftigten in der Baubranche, fünf Prozent für die der Metall- und Elektroindustrie, sechs Prozent für über zwei Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen und sogar hundert Prozent für Auszubildende –  die Gewerkschaften haben sich einiges vorgenommen.

Nur 2,1 Prozent mehr Geld 2015

Anlass für solchen Ehrgeiz kann man durchaus sehen. Immerhin haben die rund 19 Millionen Beschäftigten bundesweit nach Tarif im vergangenen Jahr durchschnittlich nur 2,1 Prozent mehr Geld nach Hause getragen. Das berichteten Presseagenturen unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Das ist der geringste Anstieg seit 2011, hieß es.

Vergleichsweise geringer Anstieg

2014 hatte es noch ein Plus von 3,2 Prozent gegeben, 2013 von 2,4 Prozent und 2012 von 2,7 Prozent. „Der vergleichsweise geringe Anstieg ist vor allem auf einen Sondereffekt im Vorjahr zurückzuführen“, erklärten die Statistiker. Im öffentlichen Dienst gab es 2014 hohe Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Nachzahlungen aufgrund rückwirkender Tarifabschlüsse. Sie erfolgten im abgelaufenen Jahr nicht mehr.

Nachzahlung im Öffentlichen Dienst

Die Sonderzahlungen waren wegen einer Nachzahlung im Öffentlichen Dienst 2014 besonders hoch ausgefallen. Dadurch lag das Plus im dritten Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahrszeitraum in einigen Dienstleistungsbereichen bei mehr als fünf Prozent. Beschäftigte in der Wasserversorgung und Entsorgung erzielten sogar einen Zuwachs von 7,9 Prozent.

Sehr unterschiedliche Lohnzuwächse

In den einzelnen Branchen fielen die Lohnzuwächse sehr unterschiedlich aus:

  • Am stärksten erhöhten sich die Verdienste im Gastgewerbe mit 3,3 Prozent. Hier habe sich in den unteren Verdienstgruppen die Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro im Januar 2015 ausgewirkt.
  • Im Verarbeitenden Gewerbe gab es einen Aufschlag von 3,2 Prozent. Er wird vor allem auf den relativ hohen Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie von 3,4 Prozent plus eine Pauschalzahlung von 150 Euro zurückgeführt.
  • Im Dienstleistungsbereich betrug das Plus dagegen nur 1,8 Prozent.

Tarifverdienst im vierten Quartal 2015

Im vierten Quartal 2015 waren den Angaben zufolge die Tarifverdienste einschließlich Sonderzahlungen zwei Prozent höher als im Vorjahresquartal. Überdurchschnittliche Tarifsteigerungen gab es im Vergleich zum vierten Quartal 2014 insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe mit 3,1 Prozent sowie im Gastgewerbe. Hier lag der durchschnittliche Zuwachs der Tariflöhne bei 2,9 Prozent.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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