Rechtsprechung | Arbeitsrecht
31.05.2016

Gemeinschaftsveranstaltung: Sturz bei Firmenlauf ist versichert

Veranstaltet der Arbeitgeber einen Firmenlauf, stehen alle Teilnehmer unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Sozialgericht (SG) Detmold hat entschieden, dass ein solcher Laufwettbewerb die Anforderungen einer betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung erfüllt. SG Detmold, Urteil vom 19.03.2015, Az.: S 1 U 99/14

Firmenlauf© Halfpoint /​ fotolia.com

Worum geht es?

Arbeitsrecht. Eine kaufmännische Angestellte stürzte nach der Teilnahme an einem von ihrem Arbeitgeber veranstalteten Firmenlauf beim Überqueren einer Straße und zog sich dabei Verletzungen am Knie und im Gesicht zu. In der Folge wandte sie sich an die zuständige Berufsgenossenschaft und beanspruchte Leistungen. Diese erkannte den Sturz jedoch nicht als Arbeitsunfall an. Die Begründung lautete, dass rein sportliche Veranstaltungen wie ein Firmenlauf nicht dazu geeignet seien, zur Förderung des Gemeinschaftsgedankens in einem Unternehmen beizutragen. Das sei jedoch eine der Grundvoraussetzungen für den Versicherungsschutz. Im Übrigen könne nicht unterstellt werden, dass alle Mitarbeiter des Unternehmens dazu in der Lage gewesen wären, an einem solchen Laufwettbewerb teilzunehmen. Vielmehr sei ein Teil der Belegschaft aufgrund mangelnder Kondition sowie aus gesundheits- und altersbedingten Einschränkungen von vornherein an einer Teilnahme gehindert gewesen.

Hinweis

Die Entscheidung Ihres Arbeitgebers zur Durchführung einer betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung unterliegt nicht Ihrer Mitbestimmung. Da die Teilnahme für die Beschäftigten freiwillig ist, hat das Betriebsratsgremium auch keinen Einfluss darauf, ob die Zeit der Teilnahme an der Veranstaltung als Arbeitszeit angerechnet wird. Eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung gilt im Übrigen auch nicht als Sozialeinrichtung im Sinne des § 87 Abs. 1 Nr. 8 BetrVG, sodass auch kein Mitbestimmungsrecht bezüglich der Organisationsform und Gestaltung der Veranstaltung gegeben ist.

Das sagt das Gericht

Die Argumentation der Berufsgenossenschaft konnte das Gericht nicht überzeugen. Die Detmolder Sozialrichter urteilten, dass bei der Laufveranstaltung die Förderung des Gemeinschaftsgedankens im Unternehmen im Vordergrund stand. Das ergibt sich aus dem unter den Beschäftigten verteilten Flyer, in dem ausdrücklich darauf hingewiesen worden war, dass eine Laufstrecke von nur sechs Kilometer für jeden machbar sei. Beschäftigte, die sich dennoch nicht an dem Lauf beteiligen wollten, konnten ein sogenanntes kostenloses „Fan-Ticket“ erhalten und als Zuschauer die Rahmenveranstaltung genießen. SG Detmold, Urteil vom 19.03.2015, Az.: S 1 U 99/14

Das bedeutet für Sie

Während einer betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung (z. B. Betriebsausflüge, Betriebsfeste, Jubiläumsfeiern oder sonstige Festlichkeiten) stehen die Beschäftigten unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Der Versicherungsschutz umfasst alle Tätigkeiten, die vom Zweck der Veranstaltung getragen werden bzw. im Programm vorgesehen sind. Doch nicht jede Zusammenkunft oder Festlichkeit im Betrieb, an der Beschäftigte teilnehmen, gilt als betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung. Um unterscheiden zu können, in welchen Fällen eine unversicherte Freizeitveranstaltung und wann eine versicherte betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung vorliegt, hat das Bundessozialgericht Wertungskriterien aufgestellt, die Sie der Checkliste entnehmen können

Hinweis

Die Teilnehmer einer solchen Veranstaltung sind grundsätzlich auch auf dem direkten Hin- und Heimweg unfallversichert.

 

Überprüfen Sie mit dieser Checkliste welche Gemeinschaftsveranstaltungen ihres Arbeitgebers unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fallen.

 

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Autor: Redaktion Mitbestimmung

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