News | Geschäftsführung Betriebsrat
09.05.2016

Fricopan-Betriebsrat will um Standort kämpfen

Kleinere Brötchen will Backwarenhersteller Fricopan backen. Er will seinen Standort in Immekath bei Gardelegen schließen. Betroffen sind über 500 Arbeitsplätze. Die Politik gibt sich entrüstet. Der Betriebsrat hat sich auf einen harten Kampf eingestellt. Er will die Schließung nicht hinnehmen.

Standortschließung© maylat /​ fotolia.com

Fricopan-Betriebsrat beriet am Freitag

Geschäftsführung Betriebsrat. Vor dem Wochenende traf sich einem Bericht des „MDR“ zufolge der Betriebsrat von Fricopan in Immekath im Altmarkkreis Salzwedel zu einer Krisensitzung. Man wolle die Schließung des Werks nicht widerstandslos hinnehmen. Nach der Sitzung hieß es, man werde um jeden Arbeitsplatz kämpfen.

Teure Abfindungen

Andreas Höppner, früher langjähriger Betriebsratsvorsitzender von Fricopan und jetzt Landtagsabgeordneter der Linken, sagte dem Sender, sollte eine Rettung des Standortes nicht möglich sein, müsse über einen fairen Sozialplan und Abfindungen verhandelt werden. Jeder einzelne Arbeitsplatz werde dann „ganz teuer verkauft“, so Höppner.

Förderung für Konzernschwester

Fricopan ist einer der größten Tiefkühl-Backwarenhersteller in Deutschland. Das Werk Immekath war 1996 in Betrieb gegangen. Fricopan gehört seit 2008 dem schweizerisch-irischen Backwarenkonzern Aryzta. Dessen gesamte Produktion soll nun nach Eisleben gehen. Das Land Sachsen-Anhalt hat erst 2014 die Erweiterung des dortigen Backwaren-Produzenten Klemme gefördert. Der war 2013 ebenfalls von Aryzta für 280 Millionen Euro gekauft worden.

Unternehmen unterrichtete über Schließung

Am Mittwoch hatte das Unternehmen dem Bericht zufolge am Standort Immekath per Aushang über eine beabsichtigte Schließung informiert. Als Ursache für den Schritt wurden schlechte Auslastung des Werkes und schlechte Verkehrsanbindung angegeben. Mitarbeiter, Betriebsrat und Politik seien vorher nicht in die Pläne eingeweiht worden. Am heutigen Montag wolle das Unternehmen auf einer Betriebsversammlung Details bekanntgeben.

Landrat kritisiert Fricopan

Der Landrat des Altmarkkreises, Michael Ziche, kritisierte gegenüber dem „MDR“ das Vorgehen Fricopans. Mit dem Unternehmen finde keine Kommunikation statt. Ziche wohnt selber in Immekath. Dort gebe es lediglich einen Betriebsleiter. Über die Probleme der Firma sei gesprochen worden. Der Landkreis habe sich zudem gekümmert, Kreisstraßen und Brücken herzurichten. Daher komme der Schritt Fricopans „vollkommen überraschend und auch zu einem Zeitpunkt, der so nicht zu erwarten war“.

Katastrophe für die Region

Außerdem sei die kritisierte Anbindung nicht von heute auf morgen so schlecht geworden, so Ziche. Sollten mit der Werksschließung in Immekath 500 Arbeitsplätze wegfallen, wäre das „für die Region eine Katastrophe und schwer hinzunehmen“.

Landesregierung eingeschaltet

Ziche hat nach eigenen Angaben mit Ministerpräsident Reiner Haseloff über den Fall Fricopan gesprochen. Dieser will beim Europa-Konzern-Chef erfahren haben, dass die Würfel gegen den Standort Immekath bereits gefallen seien. Haseloff hat laut Ziche das Wirtschaftsministerium und die Bereiche angewiesen, sofort mit dem Unternehmen Fricopan in Kontakt zu treten. Dabei soll besprochen werden, wie die Folgen für die Mitarbeiter abgefedert werden können.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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