10.05.2016

„Frauen an die Macht!“ ArbG erlaubt Bevorzugung

Eine bemerkenswerte Schlappe vor Gericht kassierte unlängst ein abgelehnter männlicher Bewerber: Er hatte sich durch eine Stellenanzeige mit der Überschrift „Frauen an die Macht!“ diskriminiert gefühlt und Klage erhoben. ArbG Köln, Urteil vom 10.02.2016, Az.: 9 Ca 4843/15

Diskriminierung

Worum geht es?

Arbeitsrecht. Ein Autohaus mit ausschließlich männlichen Verkäufern hatte eine Stellenanzeige mit der Überschrift „Frauen an die Macht! Zur weiteren Verstärkung unseres Verkaufsteams suchen wir eine selbstbewusste, engagierte und erfolgshungrige Verkäuferin“ veröffentlicht. Ein abgelehnter männlicher Bewerber fühlte sich durch die Stellenanzeige als Mann benachteiligt und forderte deshalb eine Entschädigung nach § 15 AGG. Das Autohaus rechtfertigte die Annonce damit, dass der Frauenanteil der Kundschaft bei 25 bis 30 Prozent liege. Kundinnen hätten bereits explizit nach einer weiblichen Verkäuferin gefragt.

Das sagt das Gericht

Das Gericht wies die Entschädigungsklage ab. Zwar verstößt die Stellenanzeige gegen das Benachteiligungsverbot, weil sie sich nur an Verkäuferinnen richtet. Diese unterschiedliche Behandlung ist hier aber ausnahmsweise zulässig, weil der Arbeitgeber das Ziel verfolgt, seinen Kundinnen und Kunden Verkaufsberater beider Geschlechter zur Verfügung zu stellen. ArbG Köln, Urteil vom 10.02.2016, Az.: 9 Ca 4843/15

Das bedeutet für Sie

Beachten Sie, dass es sich hier um einen absoluten Ausnahmefall handelt. In der Regel hat eine nicht AGG-konforme Stellenausschreibung einen kostspieligen Entschädigungsanspruch zur Folge. Vor diesem Hintergrund sollte der Betriebsrat – auch wenn es eigentlich nicht seine Aufgabe ist – stets auch ein Auge auf die Stellenannoncen des Arbeitgebers werfen, um den Betrieb vor unnötigen Kostenbelastungen durch etwaige Entschädigungsklagen zu bewahren.

Expertentipp

Die Diskriminierungsverbote des AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) haben erhebliche Auswirkungen auf das Bewerbungsverfahren. Um diesbezüglich auf der (rechts-)sicheren Seite zu sein, sollte in Stellenausschreibungen unbedingt jeglicher Hinweis auf das Geschlecht, die Religion, die körperliche Leistungsfähigkeit, die Nationalität oder Altersgrenze verzichtet werden. Darüber hinaus sollte die Annonce keinen ausdrücklichen Wunsch nach einem Lichtbild enthalten.

 

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Autor: Redaktion Mitbestimmung