News | Arbeitsrecht 09.11.2015

Fortbildung zunehmend Betätigungsfeld für Betriebsräte?

Früher mussten Azubis – damals hießen sie noch Stifte – ein Ausbildungsunternehmen für die Ausbildung bezahlen. Solche Zeiten sind vorbei, sollte man meinen. Geht es um die Fortbildung Beschäftigter, eher nicht. Nur wenige Unternehmen wollen die Kosten dafür übernehmen – ein wachsendes Betätigungsfeld für Betriebsräte?

Fortbildung wichtig …

Arbeitsrecht. Fort- oder Weiterbildung zu Digitalthemen genießt bei der großen Mehrheit der Unternehmen in Deutschland einen hohen Stellenwert. Drei Viertel (76 Prozent) der Unternehmen geben an, es sei wichtig oder sehr wichtig, dass die eigenen Fachkräfte bei IT-Themen kontinuierlich dazulernen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom.

… Oder nicht?

Allerdings erklärt danach auch jedes elfte Unternehmen (9 Prozent), eine solche Weiterbildung sei überhaupt nicht wichtig. Schlimmer noch: Ginge es nach den Arbeitgebern, sollten Mitarbeiter für ihre Weiterbildung das Geld mitbringen. Nur eine Minderheit der Unternehmen (14 Prozent) ist bereit, die Weiterbildung der Mitarbeiter vollständig zu bezahlen.

Kosten tragen oder Fortbildung während der Arbeitszeit

40 Prozent würden zwar die Kosten tragen, die Mitarbeiter müssten Weiterbildungen aber im Urlaub oder am Wochenende absolvieren. 34 Prozent wären dagegen zwar bereit, die Fortbildung in der Arbeitszeit zu ermöglichen – aber nur auf Kosten der Beschäftigten. Neun Prozent würden weder Zeit noch Geld bereitstellen.

Investitionen in Fortbildung und Technik

Hier dürfte sich ein wachsendes Betätigungsfeld vor allem für Betriebsräte zeigen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder: „Investitionen in die Mitarbeiter sind mindestens so wichtig wie Investitionen in neue Technologien. Wer an der falschen Stelle spart, darf sich nicht wundern, wenn der Wettbewerb davonzieht.“

Dienstleister am fortbildungsfreudigsten

Die digitale Transformation habe längst alle Branchen erfasst. Unternehmen benötigen Mitarbeiter, die diesen Wandel gestalten können, ist Rohleder überzeugt. Die größte Bedeutung messen Unternehmen aus dem Bereich Dienstleistungen der Fortbildung ihrer Mitarbeiter bei. 78 Prozent halten diese für wichtig oder sehr wichtig, gefolgt von Industrie mit 75 und Handel mit 70 Prozent. Rohleder. „Für den einzelnen Mitarbeiter stellt diese Veränderung eine große Herausforderung dar, weil damit die Pflicht zur lebenslangen Weiterbildung einhergeht. Die Digitalisierung bietet dabei aber die Chance auf kreative Aufgaben anstelle von lästigen Routinearbeiten.“

Ohne Weiterbildung nichts los

Acht von zehn Unternehmen (84 Prozent) geben an, dass ohne Weiterbildung der Fachkräfte für die digitale Arbeitswelt das eigene Unternehmen nicht konkurrenzfähig bleiben könne. Hier sieht sich der Handel (93 Prozent) stärker gefordert als die Industrie (83 Prozent) und die Dienstleister (81 Prozent).

Keine Verbesserung ohne Weiterbildung

Ebenfalls acht von zehn Unternehmen (79 Prozent) gehen davon aus, dass diese Weiterbildung unmittelbar zu einer Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen beiträgt. Auch hier ist die Zustimmung im Handel am größten (86 Prozent), etwas geringer fällt sie bei Dienstleistern (80 Prozent) und in der Industrie (75 Prozent) aus.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)