News | Geschäftsführung Betriebsrat
25.05.2016

Fontana-Klinik sucht direktes Gespräch mit Betriebsrat

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan – kann er nun gehen? Das könnte sich Dienstleistungsgewerkschaft ver.di derzeit an der Fontana-Klinik in Bad Liebenwerda (Lausitz) fragen. Der Betriebsrat winkt ab. ver.di werde nach wie vor gebraucht. Aber wohl nicht jetzt. Jetzt verhandelt man direkt.

tarifliche Regelung© Marco2811 /​ fotolia.com

Aktive Mittagspause

Geschäftsführung Betriebsrat. ver.di gibt sich alle Mühe. Nach wie vor sieht sich die Gewerkschaft als Garant zur Durchsetzung der Forderungen nach tariflichen Regelungen für die 120 Beschäftigen der Fontana-Klinik in Bad Liebenwerda. Mit einer „Aktiven Mittagspause“ machte sie vorletzte Woche Druck auf die Geschäftsleitung.

Jetzt schlägt’s 13

„Jetzt schlägt’s 13“ überschrieben Klinik-Mitarbeiter dabei ihre Protestaktion, berichtet die „Lausitzer Rundschau“. Zeitgleich werde es an mehreren Median-Standorten in Deutschland Aktionen geben. „Die Beschäftigten sollen weiterhin kurzgehalten werden. Aber jetzt reicht es“, zitiert das Blatt Gewerkschaftssekretär Ralf Franke.

Kalte Schulter von der Geschäftsführung

Doch die Geschäftsführung zeigt die kalte Schulter. Die Klinik gehört zum Median-Konzern. Er wurde Ende 2014 vom niederländischen Risikokapitalunternehmen Waterland übernommen. Seither lehnt die Geschäftsführung Verhandlungen über einen Tarif mit der Gewerkschaft ab. Stattdessen bietet sie dem Betriebsrat direkte Sondierungstermine an, zuletzt am Dienstag letzter Woche.

Tür zu direkten Gesprächen weiter offen

Damit wolle man zeigen: „Die Tür zu direkten Gesprächen steht weit offen.“ Median-Geschäftsbereichsleiter Ost, Dieter Stocker, und der Kaufmännische Leiter, Michael Schmid in einer Erklärung dazu weiter: „Wir wollen nichts unversucht lassen, zu einer Einigung zu kommen.“ Man hoffe im Sinne aller Beschäftigten, dass das Angebot nicht erneut vom Betriebsrat ausgeschlagen wird.

Rückhalt für Tarifverhandlungen aus Belegschaft

Die Gewerkschaft hält unverdrossen dagegen. Sie bekomme starken Rückhalt für die Tarifverhandlungen aus der Belegschaft, 50 Prozent seien gewerkschaftlich organisiert. Ausführlich schildert sie die Lohnsituation. Bis 2014 habe eine Krankenschwester im Drei-Schicht-System 8,62 Euro pro Stunde erhalten.

Lohn in mehreren Schritten

Später sei der Lohn in mehreren Schritten auf 9,20 und jetzt schließlich 10,35 Euro erhöht worden. Eine Krankenschwester im Elbe-Elster-Klinikum erhalte mit sechs Jahren Berufserfahrung 14,50 Euro in der Stunde, eine Wechselschichtzulage von 105 Euro monatlich, eine betriebliche Altersversorgung und im November ein Weihnachtsgeld in Höhe von 67,5 Prozent des monatlichen Entgeltes.

Klinikleitung redete nur mit Betriebsrat

Vergebens. Die Klinikleitung redet nur mit dem Betriebsrat. Sie unterbreitete ihm den Vorschlag, in zwei Schritten zum 1. Juli 2016 und zum 1. Januar 2017 die Vergütungen der Mitarbeiter zu erhöhen. Nicht ohne Erfolg, wie sich vor dem Wochenende abzeichnete.

Betriebsratsvorsitzende Stock: Gesprächsbereitschaft gut

Die Betriebsratsvorsitzende Christina Stock ließ über die Zeitung wissen: „Wir begrüßen die Gesprächsbereitschaft seitens unseres Arbeitgebers.“ Dass er ein Angebot vorlegt, bewertet Stock als einen ersten Schritt zu einer „vertrauensvollen Zusammenarbeit auch auf Basis gesetzlicher Vorgaben“.

ver.di noch gefragt?

Ist ver.di nun nicht mehr gefragt? Stock zeigt sich skeptisch: „Inwieweit es dem Arbeitgeber gelingen kann, mit Hilfe außertariflicher Regelungen den Wunsch einer stark gewerkschaftlich organisierten Belegschaft nach einem Tarifvertrag abzuwehren, erscheint weiterhin fraglich.“ Sie hoffe jedenfalls, „dass der Arbeitgeber die mühsam errungene Vertrauensbasis nicht verspielt“.

Treue zur Gewerkschaft

Franke mahnt die Belegschaft zu weiterer Treue zur Gewerkschaft. Für den Betriebsrat bestehe „kein Mitbestimmungsrecht über die Höhe des Dotierungsrahmens, das heißt über die Gesamtsumme der zu verteilenden Entgelte“. Der Arbeitgeber lege die Gesamtsumme der Lohnkosten oder die Erhöhung der Gesamtsumme der Lohnkosten einseitig fest – ohne den Betriebsrat fragen zu müssen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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