04.10.2019

Finanzielle Überforderung durch Familienpflege

Pflege von Familienangehörigen bedeutet meist, finanzielle Risiken auf sich zu nehmen. Wer sich um Familienangehörige pflegend kümmert, kann das meistens nur, weil er beruflich nur in Teilzeit arbeitet. Nach Feststellung des Sozialverbands Deutschland droht besonders Frauen dadurch die finanzielle Überforderung.

Familienpflege

Vorallem Frauen sind bedroht

Nicht nur Pflegebedürftige, auch ihre Angehörigen sind nach Angaben des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zunehmend von Armut bedroht. „Die finanzielle Überforderung treibt insbesondere pflegende Frauen in die Armut“, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer. Dies werde in zahlreichen Gesprächen in den Beratungsstellen des Sozialverbands deutlich. Um verlässliche Zahlen zu erhalten, gab der SoVD nun ein Gutachten zur pflegebedingten Armut von Frauen in Auftrag.

Es werde als „Silberstreif am Horizont“ gesehen, dass die Bundesregierung im August 2019 das Angehörigen-Entlastungsgesetz auf den parlamentarischen Weg gebracht habe, heißt es in einer Pressemitteilung des SoVD.

Gutachten als Basis für Hilfsmaßnahmen

Rund 2,5 Millionen Menschen pflegten hierzulande zu Hause ihre Angehörigen, etwa 1,65 Millionen davon sind Frauen. Neben der körperlichen und der seelischen Belastung trügen sie ein hohes Armutsrisiko. Fest stehe schon heute, dass der Handlungsdruck enorm sei, so der Verbandspräsident. In vielen Gesprächen in den Beratungsstellen des SoVD werde die finanzielle Überforderung deutlich. Diesen ersten Anhaltspunkten wolle man nun mit einem wissenschaftlichen Gutachten nachgehen und so eine verlässliche Faktengrundlage schaffen. Die Erkenntnisse sollten dazu dienen, „zielgerichtete Hilfsmaßnahmen vorzuschlagen“. Die Ergebnisse des Gutachtens würden noch in diesem Jahr erwartet.

Pflege zulasten der Berufstätigkeit

Bauer verwies auf den hohen Einsatz, den pflegende Angehörige erbringen – oft zulasten ihrer Berufstätigkeit. Im „Pflegereport“ der Barmer Krankenkasse gaben 85 Prozent der Angehörigen an, die Betreuung des Pflegebedürftigen bestimme ihren Alltag. Die Hälfte der Befragten kümmere sich demnach mehr als zwölf Stunden um den Pflegebedürftigen, jeder vierte Pflegende hat seinen Beruf deswegen reduziert oder ganz aufgegeben. Befragt wurden 1900 pflegende Angehörige.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)